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Das fahrende Zukunftsbüro


Bremen. Im Büro, daheim und sogar beim Spaziergang sind immer mehr Menschen online. Nur im Auto fehlt bislang der mobile Zugang zum Internet. Der Automobilzulieferer Continental und die Deutsche Telekom wollen diese Lücke nun mit dem Kommunikationsnetzwerk „AutoLinQ“ schließen. VOn Denise von der Ahé


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Vernetztes Auto: Der Bildschirm orientiert sich am Design von Smartphones. Künftig sollen Mailen und andere Online-Dienste während der Fahrt möglich sein. Foto pr

Somit können Fahrzeuge über eine Mobilfunkverbindung überall mit dem Handy, dem heimischen Computer, Online-Datenbanken und Mehrwertdiensten im Stil der „Apps“ vernetzt werden.

„Sie haben zwei neue Mails.“ Der Fahrer muss nur das Wort „Posteingang“ rufen, dann antwortet ihm eine Computerstimme und liest die neuen Nachrichten vor. Gibt der Nutzer den Befehl „Antworten“, rüstet sich der Sprachcomputer zum Diktat. Das erste Demofahrzeug kann das heute schon. Mit der nächsten Auto-Generation, also in rund drei Jahren, solle das Kommunikationsnetzwerk in Serie gehen, sagte Sten-Olaf Wilkening von Continental gestern bei der Präsentation in Bremen. Derzeit gebe es Gespräche mit vielen Fahrzeugherstellern.

Schlagzeilen zum Hören

Nicht nur Mailen soll künftig während der Fahrt möglich sein. Wer die neusten Schlagzeilen hören möchte, hat dazu per Sprachsteuerung ebenfalls Gelegenheit. Somit könne die Fahrt zum Büro optimal genutzt werden, indem man zum Beispiel aktuelle Brancheninformationen abrufe, sagte Wilkening. Weiter ist die Online-Suche nach bestimmten Themen oder Begriffen ebenso das Ziel wie die Musikerkennung. Wer ein Lied hört, den Titel aber nicht kennt und sich das Stück herunterladen möchte, soll dies noch im Auto erledigen können. „Wir wollen das Autofahren effizienter machen“, sagt Horst Leonberger, Automotive-Experte der Deutschen Telekom. „Sicherheit ist bei allen Entwicklungen das A und O. Das gilt auch für das vernetzte Auto. Daher müssen wir Inhalte und Bedienung der Applikationen dem Ausgabemedium Auto anpassen.“ Denn amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass das Unfallrisiko um das 23-Fache steigt, wenn man während der Fahrt eine SMS tippt. Daher setzen die Entwickler auf Sprachbedienung.

„Bis Ende des Jahres soll klar sein, ob und wie wir mit einer Nachrüst-Lösung an den Markt kommen“, sagt Leonberger. In Neuwagen soll die Hardware gegen einen geringen Aufpreis verglichen mit heutigen Navigationsgeräten verbaut werden. Die Telekom rechnet derzeit mit einem Monatstarif von rund zehn Euro.

Unterdessen stehen die Hersteller von Navigationsgeräten durch den Boom der Smartphones immer stärker unter Druck. Zu einem guten Smartphone-Angebot gehört Navigationssoftware inzwischen fast selbstverständlich dazu. Die Hersteller von Navigationsgeräten versuchen deshalb, mit Zusatzdiensten zu punkten. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin führten sie neue Fahrspurassistenten sowie lokale Suchdienste zum Beispiel für günstige Tankstellen und realitätsgetreue Straßendarstellungen vor. Rund 7 Prozent der deutschen Handy-Besitzer nutzen dem IT-Verband Bitkom zufolge ihr Mobiltelefon als Navigationsgerät – Tendenz steigend. Das bleibt nicht ohne Folgen für den Markt der Navigationsgerätehersteller, der ohnehin schon im Schrumpfen begriffen ist: Marktforscher rechnen für sie in diesem Jahr mit sinkenden Verkaufszahlen und Umsätzen.

Artikel vom 07.09.10 - 07:00 Uhr
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