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Das "egoistische Tier" im Inneren zähmen

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Über das egoistische Tier im Menschen und das Mit- und Gegeneinander haben schon die alten Griechen nachgedacht. Foto dpa

Das egoistische Tier namens „Mensch“ wird durch Sozialisation seit vielen Jahrhunderten mit mehr oder weniger großem Erfolg zu zähmen versucht. Eine wichtige Lektion hierbei: die Gerechtigkeit als Grundnorm menschlichen Zusammenlebens. Schon allein der Gedanke, in der Ellenbogengesellschaft der Menschen könne jemals ein solcher Zustand herrschen, klingt absurd. In der Tat ist soziale Gerechtigkeit ein unerreichbarer Idealzustand und dennoch müssen und wollen wir uns mittlerweile unermüdlich damit abmühen, der Utopie Gerechtigkeit möglichst gerecht zu werden.Wo nun also mit der Zähmung des Menschen beginnen, wie ihm die ausgefahrenen Ellenbogen nehmen und stattdessen ein Rechtsempfinden eintrichtern? Bereits Platon definierte Gerechtigkeit als innere Einstellung und genau dort, in eines jeden Inneren, gilt es den eigenen Maßstab dafür zu überprüfen, was rechtens ist, was verdient und was benötigt wird. Hierbei zeigt sich jedoch wieder das egoistische Tier im Menschen: Meist schreit es nur, wenn es sich selbst ungerecht behandelt fühlt. Die gegebenenfalls ungerechte Behandlung anderer ist dagegen oft zweitrangig. Deshalb ist es unbedingt notwendig, den Gerechtigkeitsmaßstab nicht nur auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneidern, sondern den Blick auch für das Recht Anderer zu weiten („Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht“ ist ab jetzt eine ganz schlechte Ausrede!). Mit dieser neu gewonnenen Einstellung kann man im folgenden Schritt nun also Taten sprechen lassen. Wenn man als einzelne Person auch nie das große Ganze ändern können wird, so ist es immerhin möglich, durch die eigenen Handlungen und Argumente sowie durch die Bewertung der Einstellung anderer ein Zeichen zu setzen.Im nächsten Umfeld kann man sich beispielsweise darum bemühen, dass jeder unter Berücksichtigung seines Verdienstes die gleichen Chancen eingeräumt bekommt wie jeder andere auch. Dies ist im großen, gesellschaftlichen Rahmen nur schwer zu verwirklichen, jedoch kann man mittels politischen Engagements auch auf dieser Ebene das Maß an Gerechtigkeit beeinflussen.Letzte Weisheit offenOffen bleibt die letzte Weisheit auf dem Weg des Menschen zum zahmen Haustier: Bemühungen um Gerechtigkeit können schnell im Chaos enden, wenn man sie auf die Spitze treibt. Zum Beispiel wird es als ungerecht angesehen, wenn kleine oder schwache Menschen im Sportunterricht nicht mit den anderen mithalten können und deswegen eine schlechtere Note bekommen. Sollte man nun alle Schüler Deutschlands in Gewichts- und Größenkategorien einteilen, in denen sie Sport machen dürften? Vielleicht wären Tagesverfassungskategorien eine weitere Überlegung wert.An dieser Stelle wäre Ungerechtigkeit doch wiederum sehr wünschenswert – und das egoistische Tier im Menschen sieht das bei günstiger Tagesform bestimmt genauso.

Artikel vom 19.01.11 - 10:27 Uhr
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