X Diesen Artikel versenden


Absender-E-Mail*
Empfänger-E-Mail*
Nachricht*

szmtag

„Bürger sehen die starken Lobbyeinflüsse“

Köln. Ein kleiner Verein will es mit den ganz Großen aufnehmen. LobbyControl will mit dem neuen Internetportal Lobbypedia den Einfluss von Verbänden und Unternehmen auf die Politik sichtbar machen. Mit dem LobbyControl-Mitarbeiter Ulrich Müller sprach Redakteurin Yvonne Stock.

Hat die Pharmalobby die aktuelle Gesundheitsreform beeinflusst?

Ja, an zwei Punkten wird der Einfluss deutlich. Das eine ist, dass es Regelungen zugunsten der privaten Krankenkassen gibt, die in das Gesetz eingefügt wurden. Das Brisante ist, dass ein zentraler Beamter im Gesundheitsministerium zu Beginn der Amtszeit Philipp Röslers von den privaten Krankenversicherungen gekommen ist. Das andere ist, dass es Verwässerungen bei der Nutzenbewertung von Medikamenten gegeben hat. In Vorarbeiten zur Gesundheitsreform dazu tauchten wortgleiche Passagen aus einem Empfehlungspapier des Verbandes der forschenden Arzneimittelhersteller auf.

Was haben die Pharmakonzerne zu ihren Gunsten herausgeholt?

Regelungen, die es für Pharmaunternehmen einfacher machen, ihre Medikamente von den Kassen erstattet zu bekommen, auch wenn man den Nutzen nicht in allen Fällen belegen kann.

Hatte die Atomlobby Einfluss auf die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke?

Ja über mehrere Schienen. Das Gravierendste ist, dass die Vereinbarung, die der Laufzeitverlängerung zugrunde liegt, zwischen der Bundesregierung und den Energiekonzernen direkt verhandelt wurde. Das ist sehr problematisch.

Warum?

Weil andere Interessen nicht berücksichtigt wurden. Die Energiekonzerne konnten direkt aushandeln, wie viele Steuern sie zahlen möchten. Andere Unternehmen oder gar die Bürger können das nicht.

In welchen anderen Politikfeldern sind Lobbyisten besonders aktiv?

Es gibt Lobbyismus eigentlich in allen Themenfeldern. Der Einfluss der Finanzbranche ist immer noch ein großes, ungelöstes Problem. Sie hat erreicht, dass die Kontrolle der Finanzmärkte trotz der Krise nicht übermäßig verschärft wurde. Die Finanzlobby hat kaum Gegenspieler. Deswegen haben wir das auch zu einem der drei Startthemen unseres neuen Onlineportals Lobbypedia gemacht.

Hat der Protest gegen Stuttgart 21 Sie auf das Thema Bau- und Immobilienlobby gebracht?

Ja. Aber auch in anderen Städten wird über solche Bauprojekte zunehmend kritisch diskutiert und es bilden sich Bürgerinitiativen. Die beschäftigen sich immer wieder mit den gleichen Akteuren und ihrem Einfluss auf die politischen Entscheidungen. Wir wollen diese Informationen bündeln.

Sie sammeln für Ihr Portal Spenden. Was glauben Sie, ist den Bürgern Ihre Aufklärungsarbeit wert?

Wir planen, dass sich das Portal mit zumindest einer Stelle irgendwann selbst trägt. Das sind pro Jahr etwa 30 000 Euro. Wir nehmen aber keine Spenden von Unternehmen an.

Wenden sich die Bürger wegen des zunehmenden Lobbyismus von der Politik ab?

Ja und Nein. Die Bürger sehen, dass es starke Lobbyeinflüsse gibt, die zu einer einseitigen Politik zu ihren Lasten führen. Sie merken zum Beispiel, dass die Energiebranche die Sparbeschlüsse zu ihren Gunsten zu reduzieren konnte, und sie jetzt zum Ausgleich mehr Tabaksteuer zahlen müssen. Aber viele wenden sich nicht ab, sondern werden aktiv, wie man an den Protesten gegen Stuttgart 21 und den Castortransport sehen kann.

Wie kann man den Einfluss der Lobbyverbände zurückschrauben, damit Politiker wieder nach Sachargumenten entscheiden?

Lobbyismus muss transparenter sein und strikter reguliert werden. Zum Beispiel sollte es ein verpflichtendes Register geben, wo Unternehmen und Verbände offen legen, welche Personen für sie Lobbyarbeit machen. Leider zeigt gerade die schwarz-gelbe Bundesregierung wenig Interesse daran, für mehr Schranken und Transparenz zu sorgen. www.lobbypedia.de

Artikel vom 13.11.10 - 07:00 Uhr
| drucken | versenden


Anzeige

Traueranzeigen

Anzeige

Unsere Heimat von oben

Die große Familienserie der NORDSEE-ZEITUNGwidmet sich seit dem 2. März 2012 dem Thema „Familienfreundlichkeit“ im Landkreis Cuxhaven.Für jeden Ort und jede Gemeinde erscheinen zur Veröffentlichung aktuelle Luftbilder. Diese Luftbilder können Sie nun auf hochwertigem Fotopapier in unseren Kunden-Centern bestellen. Hier erfahren Sie mehr.

Bad Bederkesa entdecken

Tauchen Sie ein in die neue Panorama-Erlebniswelt.

www.badbederkesa-entdecken.de

Babyseite

In unserer neuen Babyseite finden Sie die Neugeborenen aus Stadt und Land.

zur Babyseite
Anzeige

ePaper

Lesen Sie hier die aktuelle Seite 1

Zeitung

Abo Service
Abonnement
Änderungen

ePaper

Login
Abonnement

Folgen Sie uns



Folgen Sie uns bei facebook


Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

RSS - Bekommen Sie neue Topstorys direkt in den Browser oder den Feedreader geliefert.
nordholzdorumlangenbad bederkesaschiffdorfbremerhavenloxstedthagenbeverstedt

Veranstaltungen

NZ-Card

Exklusiv für Abonnenten gibt es die NZ-Card. Erfahren Sie hier mehr über die attraktiven Angebote.

zur NZ-Card

Leser werben Leser


Werben Sie einen neuen Abonnenten und Sie bekommen eine attraktive Prämie.

zum Prämienshop

Leserbriefe


Sie wollen einen Leserbrief an die Zeitungsredaktion senden? Das Kontaktformular finden Sie hier.
Anzeige

Kinoprogramm

Börseninformationen

Anzeige

NZ-Nachrichten auf Ihrer Webseite

Individuelle Nachrichtenauswahl - immer aktuell

Wir unterstützen Sie dabei gezielt diejenigen Nachrichten, die für Ihren Internetauftritt interessant sind, ohne viel Aufwand zu integrieren. Dafür haben wir ein Modul entwickelt, das Sie ganz leicht mit wenigen Klicks selbst an Ihre Anforderungen anpassen können.

mehr
Meldungen

Politik und Welt

«Bild»: Hertha will Urteil am Freitag akzeptieren Berlin (dpa) - Hertha BSC Berlin will wohl das Urteil des DFB-Bundesgerichts zum Düsseldorfer Skandalspiel in der Bundesliga-Relegation akzeptieren. Darauf hätte man sich geeignet. Sollte nichts Außergewöhnliches passieren, werden man nicht vor das Schiedsgericht ziehen», sagte Herthas Anwalt Christoph Schickhardt der «Bild». Die Berliner setzen in der Verhandlung auf Verfahrensfehler. Mit aussagekräftigen Video- und Fotobeweisen strebt der Hauptstadtclub weiter ein Wiederholungsspiel gegen Fortuna Düsseldorf um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga an. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Commerzbank-Management muss mit Aktionärsschelte rechnen
Erste freie Präsidentenwahl in Ägypten
Atomgespräche mit dem Iran in Bagdad
Blessing

Wirtschaft

Commerzbank-Management muss mit Aktionärsschelte rechnen Frankfurt/Main (dpa) - Es dürfte kein angenehmer Tag für Commerzbank-Chef Martin Blessing und seine Kollegen im Management werden: Heute stellen sich die Manager bei der Hauptversammlung in Frankfurt den Aktionären des teilverstaatlichten Konzerns. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Metro-Aktionärstreffen nach turbulentem Jahr
Paukenschlag im Kampf SAP-Oracle: Deutsche wollen Ariba
OECD warnt vor konjunkturellen Abwärtsrisiken
Protagonist

Sport

Bayern besiegt Oranje-Team mit 3:2 - Pfiffe gegen Robben München (dpa) - Knapp 70 Stunden nach dem Final-K.o. in der Champions League hat sich der FC Bayern München mit einem Sieg im Testkick gegen die Niederlande versöhnlich in die Sommerpause verabschiedet. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Meeuw und Mensing schwimmen zu EM-Silber
Mayer besiegt im Schnelldurchgang Dodig
Drogba sagt Chelsea Goodbye
Raubsaurier aus der Jurazeit

Wissenschaft

Raubsaurier aus der Jurazeit gefunden München (dpa) - Forscher haben in Südamerika ein Raubsaurier-Fossil aus der Jurazeit entdeckt. Es handelt sich um einen Abelisaurier. Das Besondere: Das Tier, dessen Überreste in Patagonien ausgegraben wurden, lebte 40 Millionen Jahre vor dem bislang ältesten bekannten Vertreter der Gruppe. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Laternen verändern die Insektengemeinschaft am Boden
Risiko von Reaktorkatastrophe größer als angenommen
Computer-Schach nur via Hirnströme
Shermin Langhoff

Boulevard

Shermin Langhoff übernimmt Berlins Gorki-Theater Berlin (dpa) - Eine türkischstämmige Frau als Chefin eines deutschen Staatstheaters - das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Shermin Langhoff wird als Intendantin des Maxim Gorki Theaters in Berlin 2013 die erste sein. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Höchster Fernsehturm der Welt in Tokio eröffnet
Große Dürer-Schau in Nürnberg
TV-Moderatorin Miriam Pielhau bringt Tochter zur Welt