
Die 68:91 (29:45)-Schlappe für den Vizepokalsieger- und -meister der vergangenen Saison vor 1570 Zuschauern war frustrierend. Eines der besten Verteidigungsteams der Bundesliga hatte 91 Punkte „geschluckt“ – eine bittere Pille. Mitunter machte sich bei der Truppe von Coach Michael Koch regelrecht Panik breit. Sie fand kein Mittel gegen entfesselt aufspielende Eisbären. Anzeichen für den Schockzustand waren ein Freiwurf von Alex King, der nicht einmal den Ring berührte, wilde Pässe von Bryce Taylor oder ein Dreier von Tim Ohlbrecht, der weit vom Brett entfernt im Aus landete.
Dabei hatte Bonn gut begonnen. Sie spielten aggressiv in der Verteidigung, vorne nutzten sie ihre Chancen in Korbnähe und nach Schnellangriffen konsequent. Mit 7:18 lagen die Gastgeber nach fünf Minuten zurück. Dann waren sie aus dem Winterschlaf erwacht, spielten viel aggressiver in der Verteidigung und kamen so ins Spiel. Plötzlich waren die Passwege für die Bonner dicht, es wurde im Kampf um die Rebounds gut gearbeitet. Das zeigte Wirkung.
Der gestern Abend nie zu stoppende Jeff Gibbs blies mit einem krachenden Dunking zur Aufholjagd. „Häuptling“ Louis Campbell legte fünf Zähler nach. Brandon Brooks brachte frischen Wind und machte mit seinen Bonner Gegenspielern, was er wollte. Er sorgte in der Schlusssekunde des ersten Viertels mit einem Wurf aus der Drehung für das 22:21.
Von da an spielte nur noch eine Mannschaft: die Eisbären. Obwohl beide Teams zu Beginn des zweiten Abschnitts für knapp vier Minuten Ladehemmung hatten und keinen Punkt erzielten, kamen die Gastgeber in den folgenden sechs Minuten bis zur Pause noch auf 23 Zähler.
Für Bonn gab es keine freien Würfe mehr, Campbell setzte vorne Akzente. Zwei Dreier des Amerikaners in Folge bedeuteten das 35:27. „Was der kann, kann ich auch“, dachte sich Philipp Schwethelm, auch sein Dreier aus der Ecke saß. Das waren drei erfolgreiche Distanzwürfe in 55 Sekunden, Bonn war machtlos. Mit 23:8 kanzelten die Eisbären die Gäste in diesem Viertel ab.
Nach der Pause wuchs der Vorsprung. Vier Punkte von Schwethelm, zwei Drei-Punkt-Spiele des nun nicht mehr zu stoppenden Gibbs, der auch den wertvollsten Spieler des All-Stars-Spiels, Chris Ensminger, ganz alt aussehen ließ – plötzlich lagen die Eisbären mit 55:37 vorn. Es kam noch besser. Der nur 1,88 m große Gibbs blockte den 21 Zentimeter längeren „Ense“.
Eisbären-Center Bryan Lucas kassierte nach einer Rangelei mit Ensminger dann ein unsportliches Foul (sein fünftes) und musste auf die Bank, aber auch das änderte nichts mehr. Bonn hatte resigniert. Koch ließ im letzten Abschnitt ausnahmslos seine Rotationsspieler auf dem Feld, die Starter wurden bereits für das Spiel gegen ALBA Berlin am Wochenende geschont.
Als Jeff Gibbs in der 37. Minute das Parkett verließ, gab es Szenenapplaus für „Mr. Incredible“ (der Herr Unglaublich), der wieder einmal ein unglaubliches Spiel gemacht hatte. Für den krönenden Abschluss sorgte Nachwuchsspieler Sadam Eco mit seinem Wurf über King hinweg. (rie)
