Betriebsrat rettet 39 Jobs
Spaden. Im Herbst sollte er eigentlich dicht gemacht werden. Aber jetzt startet der Praktiker-Baumarkt in Spaden wieder voll durch. Investiert soll werden. Der Konzern hat seine Marschrichtung um 180 Grad geändert. Gedreht hat es der Betriebsrat zusammen mit seinem Anwalt und Verdi-Gewerkschaftssekretär Heinz-Herbert Grabowski – ein weit und breit einmaliger Vorgang. Von Barbara Fixy

So sehen Gewinner aus (von links): Gewerkschaftssekretär Heinz-Herbert Grabowski, Karsten Lukas, Marktleiter Oliver Bosch, Frank Kandziora, Lothar Reichenberger und Rechtsanwalt Meic Barth. Foto fix
Lothar Reichenberger, Frank Kandziora und Karsten Lukas machen einen ziemlich ruhigen Eindruck angesichts dieses grandiosen Erfolgs. Vielleicht liegt das daran, dass sie seit Januar in einen Abgrund geschaut haben.
Reichenberger erinnert sich noch an den Termin, den die Belegschaft mit dem Arbeitsamt hatte. „Wenn du hörst, wie viel Geld die Leute plötzlich verloren hätten, und dass über 50-Jährige so gut wie keinen Job mehr bekommen, dann musst du dich auf die Hinterbeine stellen“, sagt er.
Gekämpft haben die drei Männer mit ihren Unterstützern und dabei 39 Arbeitsplätze gewonnen. Sie haben bekommen, was sie sich als Ziel gesetzt hatten. „Nur geglaubt hatten sie daran nicht mehr“, berichtete ihr Anwalt Meic Barth, der mit Gewerkschafter Grabowski dabei war, als das Blatt sich wendete.
Zu fünft waren sie in die Konzernzentrale nach Kirkel bei Saarbrücken gefahren, um über den Sozialplan zu verhandeln. Dabei gelang es ihnen, die Controller zu überzeugen, dass die Filiale alles andere als im Niedergang begriffen war.
Alles überprüft
Sämtliche wirtschaftlichen Daten hatten die Betriebsräte vorher geprüft. Anwalt Barth machte den Verhandlungspartnern in Kirkel deutlich, dass der Sozialplan nicht billig werden würde. Dann warteten sie mit Informationen auf, dass der Vermieter angesichts der drohenden Filialschließung zu Konzessionen bereit war. Den Kontakt hatten sie auf eigene Faust gesucht. Nicht zuletzt schilderten sie im fernen Kirkel, dass sich das einst so arme Bremerhaven mitten in einem Umbruch befinde mit den aufstrebenden Havenwelten, dass im Umland fleißig gebaut werde.
Quälende Wochen
Nachdem sie das erfahren hatten, wollten die Konzernlenker ihre Entscheidung überdenken. Es erschien den Praktikern wie eine Ewigkeit, bis vergangene Woche die überraschende und erlösende Nachricht kam, dass es nun doch weitergehen, ja sogar investiert werden soll in einen neuen Eingangsbereich. Man möchte meinen, dass Sektkorken geknallt hätten. Fehlanzeige. Die Mitarbeiter reagierten so gefasst wie die Betriebsräte. „Das ist so, wenn man monatelang mit dem drohenden Jobverlust rechnet“, sagt Betriebsrat Lukas.
Aus der Konzernzentrale bestätigte Sprecherin Kathleen Dräger die Wendung zum Guten. „Die Kunden sollen sehr schnell erkennen, dass wir auf den Markt setzen.“ Wie hoch die Investition sein wird, wollte sie nicht sagen. Marktleiter Oliver Bosch strahlt wie seine Betriebsräte: „Wir sind schon dabei, jedes einzelne Regal neu zu gestalten.“