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Bei lebendigem Leib in der Brühe gekocht

Berlin. In der Debatte um die Verbesserung des Tierschutzes geraten jetzt auch die rund 5100 Schlachthöfe in Deutschland ins Visier. Die Bundesregierung räumt Missstände bei der Tötung von Schweinen und Rindern ein. Sie spricht sogar von „schwerwiegenden“ Zwischenfällen. Das geht aus der Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die unserer Zeitung vorliegt. Von Hagen Strauss


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Viele Schweine leiden unnötig bei der Schlachtung. Foto dpa

3,6 Millionen Rinder und 59 Millionen Schweine wurden 2011 geschlachtet. Und das geschah im Akkord: Nach Angaben des parlamentarischen Staatssekretärs im Landwirtschaftsministeriums, Peter Bleser (CDU), werden auf einem durchschnittlichen Schlachthof bis zu 750 Schweine pro Stunde betäubt, fünf Sekunden bleiben danach für die fachgerechte Ausführung des sogenannten „Entbluteschnitts“ – also der Tötung eines Schweins.

Bei Rindern sind es 80 Tiere pro Stunde, veranschlagt sind 45 Sekunden für die Schlachtung eines Rindes.

Die Akkordarbeit und erhebliche Defizite bei der Betäubung führen offenbar dazu, dass Tausende Schweine und Rinder unnötig leiden müssen. Es komme vor, heißt es in der Antwort auf die Grünen-Anfrage, dass Schlachttiere „das Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen wiedererlangen“.

Schuss betäubt nicht immer

Bei den Rindern sind laut Regierung an die neun Prozent nach dem ersten Bolzenschuss nicht richtig betäubt. Die „Fehlbetäubungsrate“ bei Schweinen beziffert sie in von Hand bedienten, elektrischen Anlagen auf bis zu zwölf Prozent, in automatisierten Anlagen auf drei Prozent. Auch würden gegen Ende des Schlachtprozesses sogar noch „wache Schlachtschweine“ in die Brühanlagen gelangen. Betroffen davon seien laut Untersuchungen bis zu ein Prozent der Tiere.

Diese Fehler „sind aus Sicht der Bundesregierung so schwerwiegend“, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssten, solche Vorkommnisse „sicher auszuschließen“.

Die Regierung will daher die tierschutzgerechte Tötung weiterentwickeln. Diesbezüglich gebe es bereits eine Reihe von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus sei man mit Wirtschaftsverbänden, Wissenschaftlern und Länder in ständigem Kontakt, um die Kontrollsysteme auf den Schlachthöfen zu optimieren.

Den Grünen reicht das nicht: „Das Treiben, Betäuben und Töten der Tiere muss aus der Akkordarbeit genommen werden“, so die stellvertretende Fraktionschefin Bärbel Höhn. Zudem seien Vorschriften für eine maximale Zahl an Schlachtungen pro Stunde notwendig. „Wenn nur fünf Sekunden für die Tötung eines Schweins zur Verfügung stehen, muss man sich über die hohe Fehlerquote nicht wundern.“

Außerdem wollten die Verbraucher „keine Billigschnitzel um den Preis, dass eines von 100 Tieren lebend verbrüht wird“, so Höhn. Grünen-Landwirtschaftsexperte Friedrich Ostendorff betonte, die Politik der massenhaften Fleischproduktion zeige ihre Schattenseiten. Die Bürger seien jedoch zunehmend gegen diese Art der Produktion.

Artikel vom 21.06.12 - 12:00 Uhr
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