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Beck treibt die Pinguins zum Sieg an


Bremerhaven. Am Ende eines ereignisreichen Abends wussten die knapp 2600 Zuschauer in der Eisarena zumindest eines sicher: Warum sie zum Eishockey gehen. Da kann nämlich alles passieren. Die Fischtown Pinguins haben beim 6:3 (0:1, 3:1, 3:1) gegen die Dresdner Eislöwen ein Spiel gewonnen, in dem nach 20 Minuten wohl keiner mehr Wetten auf sie abgegeben hätte. Von Lars Brockbalz


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Jan Kopecky (rechts) beendete nach sechs torlosen Spielen seine Flaute mit einem wunderbaren Treffer. Foto ls

Nach einem grottigen ersten Drittel und dem verdienten 0:1-Rückstand war ausgerechnet eine Fünf-Minuten-Strafe gegen Mark Kosick die Initialzündung für die Wende und den Sieg.

Für die ersten vier Tore sorgte die neue ersten Reihe mit dem Tschechen-Duo Beck/Kopecky und Kapitän Stanley. Diese Kombination war eine tolle Idee von Pinguins-Trainer Gunnar Leidborg. Vor allem Beck lieferte erneut ein überragendes Spiel. „Vom ersten Training, das er hier absolviert hat, war er voll dabei und hat seine Leistung abgerufen“, lobte Leidborg den Neuzugang.

Mit dem Sieg festigen die Pinguins Platz drei in der Zweiten Eishockey-Bundesliga.

Dabei hatten die Pinguins vor dem ersten Bully noch vor einem Scherbenhaufen gestanden – im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Aufwärmen ging eine Plexiglasscheibe hinter dem Heim-Tor kaputt und musste getauscht werden. Das Spiel begann 15 Minuten später, nur um nach zwei Minuten wieder unterbrochen zu werden. Die neue Scheibe war nicht richtig montiert und sprang aus der Halterung. Es folgten weitere 15 Minuten mit ebenso eifrigem wie erfolglosen Herumgeschraube. Schiedsrichter Reik van Gameren war mit der munter in der Halterung herumwabbelnden Scheibe nicht zufrieden und schickte die Helfer nach einer neuen Scheibe sowie die Mannschaften zurück in die Kabinen.

Eine Stunde war vergangen, als die geborstene Scheibe endlich repariert war. Für die 2600 Zuschauer war die Qual nach der langen Wartezeit aber noch nicht beendet, denn das Spiel der Pinguins war zu Beginn zerfahren wie ein Feldweg nach vier Wochen Dauerregen. Ein Schuss von Jan Kopecky in Überzahl war schon das Höchste der Gefühle.

Die Gäste machten nur so viel wie eben nötig. Ihre erste Überzahl spielten sie schön aus, so dass Patrick Jarrett beim 1:0 (9.) das leere Tor vor sich hatte. Hätte Dresdens Tormaschine Sami Kaartinen den richtigen Gang eingelegt gehabt, die Pinguins hätten nach dem ersten Drittel zum zweiten Mal vor einem Scherbenhaufen gestanden. Der Finne fuhr zweimal nach Fehlern der Pinguins alleine auf Marko Suvelo zu, doch beide Male blieb der Pinguins-Torhüter Sieger.

Beck trifft zum 1:1

Es passte zu diesem Abend, dass ausgerechnet die große Strafe gegen Kosick die Pinguins ins Spiel brachte. Die fünfminütige Unterzahl bewältigten sie hervorragend, sie hatten sogar eine große Konterchance durch Beck. Mit dem Selbstvertrauen, das sie in diesen fünf Minuten tankten, erzwangen sie dann den Ausgleich. Jan Kopecky legte für Beck auf, und der traf zum 1:1 (27.). Auch ein Dusel-Tor der Dresdner verunsicherte die Pinguins nicht. Ein Schuss von Bastian Steingroß wurde abgefälscht, trudelte hoch Richtung Tor, wo Hugo Boisvert einfach den Kopf wegzog und so Suvelo foppte – die Scheibe war im Netz (30.). Doch die Pinguins blieben im Spiel. In Überzahl traf Andrej Teljukin ebenfalls mit einem abgefälschten Schuss zum 2:2 (33.) ab.

Spätestens mit dem fantastischen Spielzug vor dem 3:2 (37.) waren die Fans dann für den qualvollen Beginn des Abend entschädigt. Teljukin bediente Stanley, der legte für Kopecky auf, und der Tscheche beendete nach sechs Spielen seine Torflaute.

„Wir haben zu Beginn gar nicht ins Spiel gefunden. Erst im zweiten Drittel haben wir angefangen zu laufen und haben gut gekämpft. Es sind dann Leute aus dem Schützengraben gekommen, die man lange vermisst hat. Zum Beispiel die Janzen-Brüder“, sagte Pinguins-Trainer Leidborg.

Stanley trifft ganz früh

Gleich im ersten Wechsel des Schlussabschnitts legte Stanley das 4:2 nach. Er erzwang es geradezu: Obwohl erst 38 Sekunden gespielt waren, war es schon sein dritter Torschuss. Die Eislöwen wirkten danach so, als ob sie sich dem Schicksal der Niederlage hingeben würden. Dann traf Kaartinen mit einem Murmel-Tor zum 3:4 (53.), doch aufkeimende Hoffnung wurde nur Sekunden nach dem Anschlusstreffer wieder erstickt. Steve Slatons abgefälschter Schuss schlug zum 5:3 ein. Als Dresden den Torhüter vom Eis nahm, traf Alex Janzen noch zum 6:3 ins leere Tor.


Pinguins – Dresdner Eislöwen 6:3 (0:1, 3:1, 3:1)

Pinguins: Tor: Staudt (Suvelo); Abwehr: Teljukin, Fatyka – Hucko, Slaton – Janke, Willaschek; Angriff: P. Beck, Stanley, Kopecky – Thomas, Kosick, Saurette – S. Janzen, A. Janzen, Ziolkowski – Verelst, Gunkel, Kreuzer.

Tore: 0:1 (8:44) Jarrett (Hammer, St. Jean) bei 5/4; 1:1 (26:49) P. Beck (Kopecky, Fatyka); 1:2 (29:51) Fiedler (Steingroß, Jarrett); 2:2 (33:38) Teljukin (Stanley, Kopecky) bei 5/4, 3:2 (36:08) Kopecky (Stanley, Teljukin); 4:2 (40:38) Stanley (Teljukin); 4:3 (52:34) Kaartinen (Fiedler, Jarrett); 5:3 (53:09) Slaton (Saurette, S. Janzen) ; 6:3 (58:52) A. Janzen (Saurette, S. Janzen) ENG

Strafzeiten: Pinguins: 10 Minuten + 5+SPD Kosick – Eislöwen: 8 Minuten

Schiedsrichter: Reik van Gameren (Berlin) – Zuschauer: 2579

Artikel vom 18.12.11 - 12:00 Uhr
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