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Anthony Smith spielt wie aufgedreht


bremerhaven. Ihren Heimspiel-Startrekord aus der Saison 2005/06 mit drei Siegen in Folge haben die Eisbären Bremerhaven eingestellt. Aber beim 82:79 (41:33)-Sieg gegen die Gießen 46ers hatten die Bundesliga-Korbjäger viel Dusel. Hätte Maurice Jeffers seinen letzten Wurf zwei Sekunden vor Schluss getroffen, hätten sich die Bremerhavener sogar noch in die Verlängerung quälen müssen. Und ihr Glück hatten sie schon aufgebraucht. VON OLIVER RIEMANN


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Noch nie war er so wertvoll für die Eisbären: Mit diesem Dunking sorgt Anthony Smith für das 78:76 gegen Gießen. Gegen seinen Ex-Club war der Neuzugang besonders motiviert. Fotos kmu-f

Zu verdanken hatten die Schützlinge von Coach Doug Spradley ihrem Erfolg zwei Faktoren: Anthony Smith und ihrer zurückgewonnenen Treffsicherheit aus der Distanz. „Habe ich doch gesagt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Dreier wieder fallen“, fühlte sich der Chefcoach bestätigt. 10 Treffer bei 21 Versuchen – das sind satte 48 Prozent. So sicher waren die Eisbären in dieser Saison von der Dreierlinie noch nie. Terrell Everett war irgendwann heiß gelaufen und verwandelte vier Dreier bei fünf Versuchen, Ex-NBA-Akteur Jamison Brewer und Anthony Smith waren jeweils drei Mal bei fünf Würfen erfolgreich.

Und dann hatten die Eisbären noch Anthony Smith. Der Amerikaner war gegen seinen Ex-Klub besonders heiß, war mit 27 Punkten der beste Punktesammler der Partie. „Stimmt, ich war bis in die letzte Haarspitze motiviert“, sagte der 25-Jährige. „Das war ein Tritt in den Hintern“, sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen. Das war wohl eine Anspielung auf die Zeit in Gießen, wo ihm nachgesagt worden war, nicht immer alles gegeben zu haben.

Gegen die Gießener, die verletzungsbedingt auf ihre beiden Aufbauspieler Radenko Pilcevic und Achmadschah Zazai verzichten mussten, hatten die Eisbären drei Guards in guter Verfassung aber auch bitter nötig. Denn Kapitän Torrell Martin war überhaupt kein Faktor, Mike Smith ebenfalls nicht. Und unter den Körben hatte Gießens Oldie Elvir Ovcina die Oberhand. Der Bosnier lieferte eine glänzende Partie ab und war von keinem Bremerhavener zu stoppen. Er erzielte 22 Punkte, holte neun Rebounds und stand über 33 Minuten auf dem Parkett. Nicht schlecht für einen, der mit 35 Jahren zu den Oldies der Liga gehört und zudem mit einer Schienbeinverletzung noch leicht gehandicapt war.

Die Eisbären starteten schlecht. In den ersten Minuten war es das Duell Ex-Gießen in Person von Anthony Smith gegen den Rest aus Hessen. 7:10 stand es nach fünf Minuten, alle Eisbären-Punkte gingen auf das Konto von Smith. Aber die unermüdlich kämpfenden Gäste blieben bis zum 17:16 vorn, ehe Brewer per Dreier und Jason Cain mit einem Dunking für das 21:17 sorgten. Es blieb eine enge Kiste. Erst als Chris McNaughton, Jermain Raffington und Martin zum Pausenstand von 41:33 erhöhten, setzten sich die Eisbären etwas ab.

In der 24. Minuten führten die Eisbären, die sich insgesamt 17 Ballverluste leisteten, erstmals mit zehn Punkten, nach dem zweiten Dreier von Smith mit 52:42. Everett netzte zweimal aus der Ferne ein, da hieß es 60:49 – und die Partie war trotzdem noch nicht entschieden.

In den letzten zehn Minuten hielten sich die Eisbären mit ihren Dreiern im Spiel, fanden gegen die Zonen-Verteidigung der Gäste aber nicht den rechten Zugang. Bei Gießen drehten im Schlussabschnitt nun Maurice Jeffers (16) und Wayne Bernhard (13) auf. 73:65 führten die Gastgeber, da waren noch 3:14 Minuten zu spielen. Es sollten drei lange Minuten werden, in denen die Gastgeber für so manchen Entsetzensschrei bei den 2420 Zuschauern in der recht leeren Stadthalle sorgten.

Die Eisbären leisteten sich haarsträubende Fehler. Brewers Einwurf unter dem eigenen Korb landete nicht bei Everett, sondern bei Jeffers, der auf 71:73 verkürzte. Dann drückte der Gießener aus der Distanz ab, stand dabei aber leicht auf der Linie, es waren nur zwei Punkte zum 73:74. Brewer legte zwei Punkte für die Eisbären nach, Jeffers verfehlte zwar, doch Ovcina holte sich den Offensiv-Rebound, passte auf Bernhard und der stand ganz allein in der Ecke: 76:76. Gut, dass Smith noch da war. Der stopfte den Ball zum 78:76 durch die Reuse und zeigte dann auch von der Freiwurflinie keine Nerven. 80:76 und 18,7 Sekunden auf der Uhr. Everett leistete sich ein dummes Foul bei Bernhards Dreier. Auch der hatte keine Nerven, drei Treffer bedeuteten das 79:80. Mit zwei weiteren Treffern von der Linie sorgte Smith dann für den „Dusel“-Sieg, weil Jeffers nicht mehr traf.

Doug Spradley: Das war ein hart erkämpfter Sieg. Nach einem solchen Spiel muss man zufrieden sein, gewonnen zu haben. Darüber freue ich mich. Mit der Konzentration meiner Mannschaft bin ich nicht zufrieden. Die Gießener haben uns unter dem Korb herumgeschoben und wir haben uns das gefallen lassen. Das geht so nicht, da müssen wir unsere Leistung steigern.

Sven Harmsen (Gießen): Ich bin sehr stolz darauf, wie mein Team gespielt hat. Wir mussten kurzfristig auch noch unseren zweiten Aufbauspieler ersetzen und ohne Spielmacher antreten. Wir hatten zwei Tage Zeit, uns darauf einzustellen. Das haben wir sehr ordentlich gemacht. Vor allem habe ich mich darüber gefreut, dass wir bis zum Ende gekämpft haben.

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„Bäh“: Zachery Peacock versuchte mit allen Tricks, den Gießener Wayne Bernhard aus dem Konzept zu bringen.
Artikel vom 24.10.11 - 12:00 Uhr
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