Uhrmacher Benno Kruse (links) hat eine Taschenuhr von Leser Eilert Janßen geöffnet. Im Inneren: eine filigrane Inschrift, eine Jahreszahl und ein besonderer Antriebsmechanismus. Foto: Brocks
Uhrmacher Benno Kruse (links) hat eine Taschenuhr von Leser Eilert Janßen geöffnet. Im Inneren: eine filigrane Inschrift, eine Jahreszahl und ein besonderer Antriebsmechanismus. Foto: Brocks

Mit Geduld und Leidenschaft

Beverstedt. Mit der Lupe schaute er jeder noch so kleinen Uhr ins Innenleben: Benno Kruse ist seit 40 Jahren Uhrmacher. Ein Beruf, bei dem Präzision, Spürsinn und Geduld gefragt sind. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion brachte er am Dienstag sieben Lesern der NORDSEE-ZEITUNG seine Arbeit näher – und erfüllte so manchem einen Wunsch.

Die Liebe zu den Zeitmessern wurde Benno Kruse in die Wiege gelegt. „Ich bin Uhrmacher in der dritten Generation“, erzählte Kruse. Bereits sein Großvater hat Uhren gebaut und repariert, bot gleichzeitig optische Dienstleistungen an. Das Geschäft in Beverstedt existiert inzwischen seit mehr als 100 Jahren. Direkt dahinter: Kruses Werkstatt.

„Der Bau einer Uhr dauert Monate“, erklärte Kruse und präsentiert den Besuchern stolz sein Meisterstück von 1982. Es ist nur einer von vielen Zeitmessern im Raum. Benno Kruse repariert heute vor allem, bringt kleine und große Uhren wieder zum Ticken und Schlagen.

Die meisten Uhren, die in der Werkstatt abgegeben werden, gehen ungenau. Die Frage ist: warum? „Zunächst wird die Uhr normalerweise gereinigt“, erklärt Kruse. Verharzte Öle oder Staub bringen das Uhrwerk schnell aus dem Takt. Mit einem kleinen Schraubendreher schraubt der 59-Jährige dann Plättchen, Schräubchen und Federchen auseinander. Die Uhr wird zerlegt, gesäubert, geprüft und repariert. Der Zusammenbau ist zur Routine geworden. „Wenn etwas ungewöhnlich aussieht, fotografiere ich es sicherheitshalber.“ Besser, als hinterher ewig herumzuprobieren.

„Ersatzteile sind heute oft nur noch schwer zu bekommen und wenn, dann sind sie sehr teuer“, sagt Kruse. Gut, dass er auch ein Sammler ist. „Der Uhrmacher guckt und sucht gerne“, sagte Kruse, während er in einer Kiste nach einem speziellen Einzelteil sucht. Wie das eingebaut wird, darf ein Besucher selbst einmal ausprobieren.

„Meine Taschenuhr lässt sich mit der Krone nicht auf die neue Zeit einstellen“, bedauert ein Leser. Kein Problem für den Fachmann: Ein kurzer Blick genügt und er erkennt, dass zuerst ein kleines Knöpfchen gedrückt werden muss. Dadurch wird ein Hebel bewegt, so dass die Zeiger eingestellt werden können.

Am Ende gibt es für alle eine Überraschung: Eilert Janßen hat eine Uhr seines Großvaters, ebenfalls Uhrmachermeister, mitgebracht. „Ich habe ihn nie kennengelernt, mich bisher nicht groß damit beschäftigt“, sagt er. Das Interesse sei zwar da, doch das Fachwissen fehle ihm. Zum allerersten Mal, seit die Uhr in Janßen Besitz ist, wird nun das Gehäuse geöffnet. „Ein schönes Stück“, lobt Kruse – und entdeckt eine Inschrift und eine Jahreszahl. Von 1800 stammt der Zeitmesser. Im Inneren: Eine filigrane Antriebskette. Da schlagen Experten- und Sammlerherzen höher. Mit Hilfe der Uhrmacherlupe darf sich auch Janßen seinen Zeitmesser ganz genau ansehen. „Für mich wäre das kein Beruf, zu viel Fummelkram“, sagt er.

Freude an alten Uhren hat auch Leser Volker Höveler: „Von einem Fachmann erklärt zu bekommen, wie Uhren aufgebaut sind und wie man sie repariert, finde ich spannend.“