Fahrlehrer Dietmar Kraske (links) und Gudrun Campe schauen Klaus Campe bei den ersten Fahrversuchen aufmerksam zu. Foto: Brocks
Fahrlehrer Dietmar Kraske (links) und Gudrun Campe schauen Klaus Campe bei den ersten Fahrversuchen aufmerksam zu. Foto: Brocks

Mit dem Bus über den Betriebshof

Bremerhaven. Im Bus mitgefahren sind alle schon einmal. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion durften zwölf Leser der NORDSEE-ZEITUNG jetzt auch selbst auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Nach einem Rundgang durch Leitstelle und Werkstätten von Bremerhaven Bus drehten sie an der Seite eines erfahrenen Fahrlehrers eine Runde über den Betriebshof.

Mehr als 14 Millionen Fahrgäste waren 2015 mit Bussen in Bremerhaven unterwegs. „Die Hauptverkehrszeit ist der Morgen, wenn Kinder zur Schule und Erwachsene zur Arbeit müssen“, erklärte Robert Haase, Vorstand der Verkehrsgesellschaft Bremerhaven, den Besuchern. Ab dem frühen Nachmittag beginnt dann der Rückreiseverkehr.

Dafür, dass alles reibungslos läuft, sind die Mitarbeiter der Leitstelle zuständig. „Vor Betriebsbeginn steht genau fest, welche Busse auf welchem Kurs laufen“, erklärte Hans-Joachim Jonack. Der erste Bus verlässt morgens um 3.37 Uhr das Gelände, der letzte wird erst weit nach Mitternacht wieder auf dem Hof abgestellt.

Der Disponent in der Leitstelle kann genau sehen, auf welchen Linien die Fahrer exakt im Zeitplan sind, oder wo es verspätungsbedingt zu Problemen mit den Anschlüssen kommt. „Den Kontakt zu den Fahrern halten wir über Funk und mit Hilfe codierter Nachrichten“, erklärte Jonack. Nicht immer funktioniert alles wie gewünscht: „Es kommt durchaus mal vor, dass sich ein Fahrer verfährt.“ Etwa, weil er zum ersten Mal allein auf einer neuen Linie unterwegs ist, oder weil er von einem Fahrgast abgelenkt wird. Dann sucht der Disponent in der Leitstelle die beste Wendemöglichkeit. Denn: „Rückwärtsfahren ist nicht!“

Werkstattleiter Manfred Broell führte die Gruppe in die 60 Meter breite und 120 Meter lange Busabstellhalle. Die ist am Nachmittag nahezu leer: Von den rund 70 Bussen sind die meisten auf den Straßen unterwegs.

Die täglichen Belastungen sind immens: Ständig müssen die Fahrer anfahren und wieder bremsen, im Linienverkehr arbeitet der Motor zudem fast pausenlos. Egal ob eine Glühlampe defekt ist, der Reifen platt ist oder die Elektronik streikt: In der Werkstatt mit Arbeitsgruben, Dacharbeitsplätzen und Hebeständen ist man auf alles vorbereitet. „Probleme gibt es häufig mit den Türen“, erklärte Broel. Kein Wunder: Hunderte Male täglich öffnen und schließen sie sich. Abnutzungserscheinungen sind da keine Seltenheit.

Müll und Dreck leider auch nicht: Daher wird jeder Bus täglich von innen gereinigt. Damit die Busse auch von außen glänzen, werden sie regelmäßig durch die betriebseigene Waschanlage gefahren. Das verbrauchte Wasser – rund 1000 Liter – wird an Ort und Stelle wiederaufbereitet.

„Ich fand es toll, dass wir in die Leitstelle und in die Werkstatt reinschauen durften“, freute sich Manfred Dücker. Es sei spannend zu sehen, wie alles funktioniere. Noch spannender aber war für viele allerdings das anschließende Training mit Dietmar Kraske, Leiter der betriebseigenen Fahrschule.

„Nach 40 Jahren saß ich mal wieder am Steuer eines Busses“, freute sich Hans-Jürgen Peters, der einst bei der Bundeswehr den passenden Führerschein gemacht hat. Das Fahrgefühl sei ein völlig anderes als im Auto. „Und man merkt die Geschwindigkeit kaum“. Kein Wunder, dass manch einer schon nach den ersten Metern wagemutig wurde.

„Ein tolles Erlebnis“, schwärmt Klaus Campe, nachdem er einmal selbst am Steuer saß. „Ich war konzentriert, denn so ein Bus ist ja doch deutlich breiter als ein Auto.“ Besonders interessant sei das Bremsen gewesen: „Durch die Druckluftbremse steht der Bus viel schneller als ein Auto.“ Auch Ehefrau Gudrun Campe war zufrieden: „Ich fand das heute sehr informativ. Man hat ganz tolle Einblicke bekommen.“