
Mutter und Vater sitzen unter den Zuschauern, das Publikum fiebert mit dem Bremerhavener Jung’, und die Wertungsrichter sind sich einig: Keiner hat in der Kür der Schüler B die Pirouetten, die eingesprungene Waage, den Axel und vor allem den schwierigen Doppel-Lutz besser als Daniel präsentiert. Doch Luftsprünge vor Freude – Fehlanzeige.
Der Elfjährige bleibt auf dem Boden. Vielleicht ist die Überraschung bei dem dritten deutschen Titel nicht mehr so groß, vielleicht ist er aber auch sehr selbstkritisch, denn er zeigte für ihn ungewöhnliche Unsicherheiten bei den Sprüngen. „Ich bin zufrieden, es war okay, und ich freue mich jedes Mal, auf dem Podest zu stehen. Der zweite Teil war aber nicht so gut. Es hätte noch besser sein können“, urteilt er selber. Seine Eltern sehen das lockerer und freuen sich über den Erfolg: „Wir sind immer zufrieden und stehen zu ihm, egal, wie er abschneidet“, sagt Vater Florian Domaschke. Seit fast sieben Jahren steht er mit seiner Frau regelmäßig an der Rollkunstbahn, sein Sohn hat früh mit dem Sport begonnen. „2004 hat Daniel an einem Schnupperkurs für das Wintermärchen Pinocchio teilgenommen. Seitdem ist er begeistert“, erzählt Mutter Joanna, „er hatte immer schon schauspielerisches Talent.“ Geige spiele er auch.
Der Wochenplan von Daniel ist entsprechend prall gefüllt. Bislang geht es gut, aber die Ansprüche im Gymnasium steigen. „Wenn die Schule es erlaubt, mache ich aber gerne weiter“, versichert Daniel allen Rollsport-Fans. Eine große Siegesfeier veranstalten die Domaschkes auch bei der Heim-DM nicht, dafür kocht die Mutter für den Erstplatzierten Tomatensuppe mit Nudeln oder Pierogi, polnische Maultaschen – Daniels Leibgerichte. Der Lohn für vier Wochen täglicher Schwerstarbeit auf der Betonbahn in der Vorbereitung. Daniels Eltern haben sich selber nie die Rollschuhe untergeschnallt, sind für den Verein aber mehr als Zuschauer. Sie packen bei der DM richtig mit an. „Die Domaschkes helfen hier von morgens bis abends mit“, lobt Mitorganisator Alexander Hossfeld. „Das ist eine Selbstverständlichkeit“, sagt Joanna Domaschke bescheiden.
Doch jetzt fahren Vater, Mutter und Sohn erst einmal in den Urlaub nach Polen, Heimat der Eltern, an die Ostsee. Das haben sie sich alle drei verdient. Und Daniel natürlich besonders.
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