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Unter Tränen fällt der letzte Vorhang

Heute Abend wird es emotional, so viel ist sicher. Nach rund drei Jahrzehnten heißt es Abschied nehmen vom alten Eisstadion. Lars Brockbalz

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Ein Anblick, der bald der Vergangenheit angehören wird. Sobald feuchte Witterung war, lag Nebel auf dem Eis im alten Eisstadion, und die Scheiben beschlugen . Das wird wohl niemand vermissen. Foto ls

Es waren untragbare Zustände mit Nebel, eisiger Kälte, Schneeböen und Wasser, das von der Decke tropft – aber die Fischdose war ein Unikat. Die Stimmung war beim Gegner gefürchtet und hat dem Heimteam so manchen Sieg beschert – bis hin zum Zweitliga-Meistertitel des REV Bremerhaven 2002.

Beim letzten Spiel im alten Eisstadion werden die Fans heute noch einmal in Erinnerungen schwelgen und feucht-fröhlich Abschied feiern – wenn es gut läuft mit einem Sieg der Fischtown Pinguins gegen Freiburg.

„Da kommt schon Wehmut auf. Wir haben hier gejubelt, gefeiert und geweint“, sagt Pinguins-Teammanager Alfred Prey. „Das ist ein Stück Identität, das wir abgeben.“ Bei der Frage nach der schönsten Erinnerung muss Prey nicht lange nachdenken: „Als Jay Luknowsky 2002 im vierten Finale gegen Ingolstadt den entscheidenden Penalty zum Meistertitel verwandelte. Das war unbeschreiblich“, erinnert er sich.

Der größte sportliche Erfolg in der Bremerhavener Eishockey-Geschichte offenbarte zugleich das Dilemma: Ein Aufstieg war damals unter anderem deshalb nicht möglich, weil das Eisstadion nicht erstligatauglich war.

Prey denkt aber nicht nur an die schönen Tage zurück: „Wir haben hier auch einige Male vor dem Abgrund gestanden. Auch solche Momente vergisst man nie.“ Sportlich wie finanziell war der REV mehr als einmal dem Ende nahe. So folgte dem Meistertitel 2002 nur ein Jahr später der Abstieg in die Oberliga – der wiederum nur ein Jahr darauf wieder ausgebügelt wurde.

Freudentränen flossen hier ebenso wie Tränen der Trauer, heute werden es Abschiedstränen sein. Hauptsache, sie werden in der Kälte nicht zu Eiswürfeln. Am Tresen werden heute eisgekühlte Erinnerungen ausgetauscht. Da wird von ehemaligen Spielern geschwärmt werden, von Bierdosen im Dreierpack und der Bande ohne Plexiglas, als man noch ein wenig näher am Geschehen war.

Das Eisstadion öffnet um 18 Uhr, um 18.45 Uhr findet ein Spiel von alten Bremerhavener Eishockey-Recken gegen eine Fan-Auswahl von Radio Energy statt. Nach dem Spiel der Profis geht die Party im Foyer mit Musik von einem DJ weiter. Das letzte Spiel ist bereits ausverkauft.

Beim Spiel der Alt-Stars gegen die All-Stars hat Christian Witthohn den Job übernommen, die Ex-Profis zusammenzutrommeln. Auch bei dem gebürtigen Bremerhavener werden Erinnerungen wach: „Ich habe in diesem Stadion Schlittschuhlaufen gelernt. Als ich anfing, konnte ich nicht mal über die Bande gucken, und später habe ich hier für die Profis gespielt“, sagt er. Seinem Weggefährten Marc Tammen geht es ähnlich: „Ich habe hier über Jahre fast jeden Tag auf dem Eis gestanden, deshalb ist das schon komisch“, sagt er. „Aber dass einem im Training der Rotz an der Nase festfror, wenn der Wind ordentlich durchzog – das wird niemand vermissen.“

Pinguins-Legende Craig Streu wird heute in der Fan-Mannschaft auflaufen. Auch er sieht den Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Das waren verrückte Zeiten hier. Vor allem damals, als es die Plexiglas-Umrandung noch nicht gab und die Fans praktisch ins Spiel reingreifen konnten. Wenn ich das in Kanada erzählt habe, das hat keiner geglaubt.“

Sie alle haben sich vorgenommen, den Abschied heute zu genießen und mit den Fans zu feiern. „Nach dem Spiel drei Bier mit den Fans im Foyer – das war früher Pflicht“, erinnert sich Tammen. Manchmal wurde es auch später. Viel später. „Wenn wir am Tag danach nicht gespielt haben, ging es mal bis drei Uhr morgens“, erinnert sich Witthohn.

Einer, der dabei sicher nicht mitmacht, ist Pinguins-Trainer Gunnar Leidborg. Für ihn steht das Sportliche im Vordergrund. Ein Sieg gegen Freiburg, und den Pinguins ist der Playoff-Platz nur noch theoretisch zu nehmen. Dennoch warnt der Schwede: „Der Vorsprung ist nur etwas wert, wenn wir auch den Matchball verwandeln. Und Freiburg wird ein schwerer Gegner, die wittern noch eine Chance auf die Pre-Playoffs.“ Er hat alle Mann an Bord, Veränderungen in den Reihen wird es nicht geben.

Leidborg sieht dem heutigen Abend relativ nüchtern entgegen. „Natürlich wird es eine besondere Stimmung sein. Die Fans sollen den Abschied auch genießen. Aber ich habe nicht so eine enge Beziehung aufgebaut.“ Vermissen, so sagt er scherzhaft, wird er nur eines: „Ich brauchte nie den Wetterbericht zu schauen. Egal ob es geregnet, geschneit oder gefroren hat, selbst wenn die Sonne schien – wenn du beim Training im Eisstadion auf dem Eis standest, hast du das Wetter immer live mitbekommen.“

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Ein Anblick, der bald der Vergangenheit angehören wird. Sobald feuchte Witterung war, lag Nebel auf dem Eis im alten Eisstadion, und die Scheiben beschlugen . Das wird wohl niemand vermissen. Foto ls
Artikel vom 25.02.11 - 07:00 Uhr
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