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Seit Jahren gefangen vom Marathon

Bremerhaven. Immer im Kreis. Im Innenhof im Gefängnis, mehr als 210 Runden auf der 200-Meter-Bahn, bis der Marathon geschafft ist. Arthur Schmidt ist mittendrin. Da kriegt man es doch im Kopf? „Die Gefangenen sehen das ganz anders“, sagt Arthur Schmidt. Der ist Leiter des offenen Vollzuges der Justizvollzugsanstalt in Gießen. Nicht nur das. Der Knast-Chef moderiert am Sonnabend wieder den Sparda Bank City Marathon in Bremerhaven.

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Die Zuschauer unterhält er, die Läufer sind seine Lieblinge. Arthur Schmidt ist Zielsprecher beim Sparda Bank City Marathon am Sonnabend in Bremerhaven. Unter der Woche achtet er darauf, dass in der Justizvollzugsanstalt in Gießen alles seinen geregelten Gang geht. Foto: eer

Von Erich W. Willmann

Arthur Schmidt aus Herborn. Die Zuschauer kennen ihn, schmunzeln über seine Sprüche, die Läufer kennen ihn und freuen sich über seine persönliche Ansprachen. Arthur Schmidt ist bei den Straßenläufern so etwas wie Johannes B. Kerner im TV. Schaltet man den Fernseher ein, Kerner ist schon da. Gibt es Meisterschaften im Straßenlauf oder eine Marathon-Veranstaltung – steht Arthur Schmidt mit dem Mikrofon am Ziel.

Allerdings nur am Wochenende. Montags bis freitags kümmert er sich um seine Gefangenen, am Wochenende ist er in Sachen Marathon unterwegs. Immer an seiner Seite ist Ehefrau Anne. „Die brauche ich. Dreimal war sie nicht dabei, jedes mal ging dann etwas schief“, erinnert sich Schmidt.

Idee von Dieter Baumann

Laufen im Gefängnis, das ist eine Idee von Olympiasieger Dieter Baumann, der beim ersten Marathon in Bremerhaven dabei war. „Ich will mal im Knast laufen“, hatte Baumann gesagt. Im Laufe der Zeit setzten beide die Idee um. Mittlerweile gibt es sogar dort schon Meisterschaften. Hin und wieder kommt es sogar dazu, dass Richter und Staatsanwälte zusammen mit ihrer „Kundschaft“ laufen.

„Es hebt das Selbstwertgefühl der Gefangenen, sogar die Hierarchie in der Anstalt ändert sich“, weiß Schmidt.

Wenn er 20 Prozent der Gefangenen mit seiner Laufbotschaft erreicht, „dann habe ich schon viel erreicht.“

Das ist Dienst, der Moderatoren-Job an den Wochenenden Spaß. Seit 30 Jahren macht er das, außer beim Berlin-Marathon war er schon überall Streckensprecher.

Seine lockere Art zu plaudern, schon wieder etwas Kerner, hilft ungemein, kommt bei den Läufern sehr gut an und hält die Stimmung im Zielbereich hoch.

Dahinter steckt harte Arbeit.

Am Donnerstag erhält er die Meldelisten, schreibt sich die Sieger des vergangenen Jahres heraus, pickt sich Details aus deren Zeiten heraus und macht sich ein Konzept für seine Moderation.

Am Freitag geht es mit dem Zug Richtung Bremerhaven. Diese sechs Stunden Fahrzeit nutzt er erneut zur Vorbereitung.

„Ich kenne die Geburtstage meiner weiteren Verwandtschaft nicht“, gibt Arthur Schmidt eine kleine Schwäche zu. „Aber die Marathon-Zeiten habe ich im Kopf.“

Dazu kommt eine Eigenschaft, die man auch Napoleon zuschrieb: „Ich kann drei Dinge auf einmal tun.“

Fit ist der 63-Jährige, nicht nur im Kopf. Jeden Tag treibt er Sport. Schwimmen, manchmal zwei Kilometer, oder eine halbe Stunde mit Gewichten arbeiten oder einfach nur die Bauchmuskeln trainieren.

Dass er mit seinen Sprüchen gelegentlich auch die Lachmuskeln der Zuschauer strapaziert, ist ein angenehmer Nebeneffekt, wobei die Läufer niemals Opfer seines Humors werden sollen.

Arthur Schmidt ist mit seinem Leben zufrieden. Seine Prioritätsliste, die nicht ganz falsch ist: Arbeit, Familie, soziale Kontakte und sinnvolle Freizeitgestaltung.

In die Schublade sinnvolle Freizeitbeschäftigung lässt sich mehr oder weniger auch sein Moderatoren-Job in Bremerhaven stecken. Er könnte jedes Jahr 150 Veranstaltungen moderieren. Doch Arthur Schmidt wählt genau aus.

„Ich komme nach Bremerhaven, weil ich mich dort wohl fühle. Ich freue mich schon auf das Hotel Haverkamp und auf Natusch“, sagt er. Natürlich auch auf den Bremerhavener Marathon am Sonnabend.

Artikel vom 09.07.09 - 15:00 Uhr
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