Von Erich W. Willmann
„Ich habe mich gezielt auf den Marathon in Bremerhaven vorbereitet“, sagte der Mann mit der Startnummer 1103. Der 43 Jahre alte Verwaltungsbeamte einer Sozialbehörde gewann in Bremerhaven seinen vierten Marathon. Dreimal war er in Hamburg erfolgreich, bei regionalen Veranstaltungen. In Bremerhaven gelang ihm sein erster Auswärtssieg. Seine Zeit im Ziel, so ordnete es Moderator Arthur Schmidt ein, würde in Berlin in etwa für Platz 150 reichen. Aber darum geht es auch nicht. Mehr darum, dass Uwe Walter tagsüber im Büro sitzt und sich abends bewegt. Runde 100 Kilometer sind es in der Woche, da werden etliche paar Schuhe verschlissen.
Genau 1395 Läufer gingen an den Start vor der Großen Kirche. Auch mit dieser Zahl ist Decker zufrieden, da jeder Veranstalter selbstverständlich davon ausgehen muss, dass nicht alle Läufer, die im Vorfeld eine Nennung abgegeben haben, sich letztlich auch an der Startlinie einfinden.
Der Masse der Athleten kommt es auch nicht auf den Gesamtsieg oder auf den ersten Platz in einer der Altersklassenwertung an. Viel wichtiger erscheint ihnen das Gemeinschaftserlebnis. Viele begegnen sich mehrfach im Jahr.
So ist auch Horst Wittmershaus aus Stuhr, der für den SC Weyhe startet, in der Szene kein Unbekannter. Er gewann den Halbmarathon in 1:13:49 Stunden und hat noch viel vor.
Bald startet er in Flensburg beim „Ostsee-Man“, einem Triathlon, aber er will vor allem die Challenge im Halbmarathon gewinnen. Dazu gehören die Wettbewerbe in Cuxhaven, den er in 2:15 gewonnen hat, der Marathon in Bremerhaven und am 3. Oktober der Halbmarathon in Zeven. 20 bis 25 Stunden pro Woche investiert er in sein Hobby Sport. Nach dem Sieg in Bremerhaven hofft er, in der Halbmarathon-Challenge ein wenig Luft zwischen sich und die Verfolger gebracht zu haben, wie bei seinem Erfolg in der Seestadt, als der Zweite rund viereinhalb Minuten nach ihm kam. 40 Jahre alt ist der Polizist, und für Spaß hat er auch Verständnis.
„Sie holen wohl jeden Einbrecher auf der Flucht ein?“, wurde er gefragt. – „Wenn er nicht zu schnell läuft. Ich kann nur langsam“, lachte Wittmershaus.
Abseits aller sportlichen Erwartungen und Herausforderung scheint sich unter den Marathonis Bremerhaven zum Geheimtipp zu entwickeln. „Eine Perle unter den Marathonläufen“, hörte man nicht nur einmal. „Ich verstehe gar nicht, warum da nicht mehr kommen.“
