Nielsen gewann den ersten Satz mit 6:0. Aber er spielte nicht spektakulär, sondern fast zurückhaltend. Keine harten Schläge, keine Netzangriffe, nur geduldiges Spiel. Die einzige Waffe, die Nielsen einsetzte, waren Stoppbälle – und die waren nach einer gewissen Eingewöhnungsphase brillant. „Er macht nur so viel, wie er muss“, analysierten die Zuschauer und lobten sein „kluges Spiel“.
Aber auf Dauer reichte es nicht, auf Fehler seines Gegenspielers Marcel Zimmermann zu warten. Der Großhesseloher hatte bald raus, wo er den Ball hinspielen muss: Immer auf die Rückhand. Die ist normalerweise eine Stärke von Nielsen, aber eine leichte Verletzung im linken Handgelenk handicapte ihn. „Ich musste andere Lösungen finden, das hat nicht gut geklappt“, räumte er nach seiner Niederlage ein. 2:6 hatte er den zweiten Satz verloren, und den Matchtiebreak trotz einer 3:1-Führung mit 4:10. „Es tut mir leid, dass ich der Mannschaft nicht geholfen habe“, sagte er in ausgezeichnetem Deutsch.
Absurderweise hat also ausgerechnet der größte Star des Teams die einzige Niederlage im Einzel kassiert. Alle anderen brachten ihr Spiel durch.
Noch während Nielsen spielte, überlegten es sich etliche Zuschauer anders: Bei Arangurens verwandelten Matchball gegen Thomas Schießling waren die Tribünen an Platz 5 gut gefüllt. Und was haben sie für attraktive Ballwechsel gesehen. Beide Kontrahenten rannten sich die Lunge aus dem Leib, schmetterten und schnibbelten die Bälle nach Herzenslust und hämmerten den Service übers Netz. „Ich musste erst meinen Rhythmus finden“, erklärte der Argentinier den verlorenen Satz, „danach war ich im Spiel“. Am Ende setzte er sich im Matchtiebreak durch – mit 4:6, 6:2, 10:5.
Verlässlich spektakulär ging es auf Platz eins zu, wo jedes Jahr die Massimo-Ocera-Schau stattfindet. Der Italiener lieferte sich einen Zweieinhalb-Stunden- Kampf mit Dominik Schulz. Mal feierte er einen gelungenen Schlag mit einer Pose wie ein Mini-Balotelli, mal schimpfte er mit sich selbst, dass er nicht spielen soll „wie ein Flamingo“. Sein Gegenspieler redete ebenfalls mit sich, nannte sich ein „faules Stück“, und obwohl sein Trainer Karsten Schulz ihn aufmunterte („komm jetzt, das ist doch kein Tourspieler“), verlor er die Partie. Wieder einmal hatte ein Gegner Oceras Nervenstärke unterschätzt.
BTV-Trainer Torben Theine hatte schon vor dem ersten Ballwechsel „lauter enge Matches“ erwartet – und so kam es auch: Die ersten vier Einzel gingen alle in den Matchtiebreak, und zwei der drei Doppel ebenfalls.
Der Sieg stand aber schon nach den Einzeln fest: In der letzten Partie besiegte Marc Sieber den Großhesseloher Peter Heller. Dieses zwischenzeitliche 5:1 war durchaus ein Erfolg des gesamten Teams. Alle Spieler quetschten sich an die Hecke und unterstützen ihn, darunter Nielsen, der keine Sekunde Starallüren zeigte. Laut Manager Bernd Badenhorst will der Däne auch nächste Saison für den BTV spielen.
Jetzt aber fliegt er erst nach London, er ist dort Sparringspartner von Dänemarks Olympiateilnehmerin Caroline Wozniacki. Ein bisschen hofft er auch selbst noch auf ein Olympia-Ticket fürs Mixed. Den Platz des olympischen Turniers kennt er schon: Es ist Wimbledon. (tom)

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