
Das Besondere an dieser Zweierkonstellation: Luisa, die für Bremen tanzt, stammt aus Bremerhaven, Sandra, die für die TSG im Einsatz ist, aus Bremen.
Seit drei Jahren teilt sich die 28-jährige Arzthelferin mit der sieben Jahre jüngeren Luisa, die in Bremen ein duales Studium (Speditionskauffrau/BWL) macht, eine Drei-Zimmer-Wohnung. Da hatte Luisa gerade ihr Abitur gemacht. „Sandra war damals schon ein bisschen Mutti-Ersatz“, gesteht Luisa. Noch heute habe sie keinen Überblick darüber, wann der Müll abgeholt wird. „Aber dafür habe ich Sandra beigebracht, wie man Ordnung hält“, sagt sie lachend. Einen Putzplan gibt es in der WG nicht. „Aber wir haben eine Pinnwand, auf der wir vermerken, was wer gemacht hat. Wenn die eine gesaugt hat, muss die andere das Bad putzen.“
Tanzen gelernt hat Luisa in ihrer Heimatstadt. „Schon mit sechs Jahren war ich in der Tanzschule Beer.“ Wenn die Formation in der Stadthalle ihre öffentlichen Generalproben machte, war sie dabei. Deshalb wurde ein Traum wahr, als sie erst im C-Team und dann im B-Team tanzen durfte. „Hier waren Sandra und ich zusammen und haben in der Regionalliga getanzt.“ Doch in der Saison durfte Luisa nicht so oft aufs Parkett, und deshalb ging sie im Sommer mal zum Casting des Grün-Gold-Clubs Bremen. Sie wurde fürs C-Team genommen; jetzt tanzt sie ihre dritte Saison im B-Team, das momentan auf Platz vier der Bundesliga liegt – und damit zwei Plätze vor der TSG.
Das scheint für die beiden, die auch Einzel tanzen, kein Problem zu sein. „Als wir aber unsere Choreografie ,Soulution‘ neu hatten und Luisas Team ,New York, Rio, Tokio‘, da konnten wir nicht so offen reden“, verrät Sandra Stolle. Die Musik, das Outfit – das musste erst einmal geheim bleiben: besonders vor dem direkten Konkurrenten. Das war dann ein bisschen schwierig, aber nicht schlimm.
Arbeit, Studium, Training – für viel mehr reicht ein normaler Tag nicht. „Viele Nicht-Tänzer können das nicht verstehen“, weiß Sandra Stolle, die im Diako in Bremen arbeitet. Fünf gute Freunde habe sie, für mehr reiche ihre Zeit nicht. Ihre Familie verstehe ihr Engagement: „Meine Mutter ist eigentlich fast immer dabei.“ Auch die Angehörigen von Luisa Köhler gucken zu, wenn die 21-Jährige auf der Tanzfläche steht. Zum Formationsfestival in Bremerhaven reisten sogar ihre Großeltern aus Schwerin.
„Es ist super, dass ich mit einer Tänzerin zusammenwohne“, fasst Luisa zusammen. „Andere ,normale‘ Studenten, die drehen doch noch mal auf, wenn wir schon zu Bett gehen. Tja, und so sehe ich auch nicht, was ich verpasse“, sagt sie schmunzelnd.
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