
Und zwar nicht einfach so: Er hat den bisherigen Streckenrekord pulverisiert. Von vorher 9:12 Minuten auf nun 7:49 Minuten. Genau deswegen hat er an diesem Lauf teilgenommen. Er hat im Internet gesehen, dass der Streckenrekord zu knacken ist und hat sich angemeldet. Das ist die eine Seite dieses jungen Sportlers.
Andererseits ist Kim Jonah ein bescheidener Kerl, der nicht viel Aufhebens von seinem Hobby macht. Der auch nichts in sein Laufen hineingeheimnist. Er startet einfach und kommt im Ziel an. Er blickt verwundert, wenn man fragt, wie er sein Rennen einteilt. „Ich lauf eigentlich ganz normal“, antwortet er dann halb ratlos. Auf den ersten Blick wirkt der Bokeler nicht einmal sonderlich ehrgeizig. Zum Beispiel ärgert er sich nicht, wenn er in einem Rennen Zweiter wird. „Wenn der andere besser war, hat er es auch verdient, zu gewinnen“, sagt er schulterzuckend.
Erst der Nachsatz zeigt, dass er Niederlagen doch nicht ganz so unbekümmert akzeptiert: „Dann probiere ich es eben beim nächsten Mal.“ Und wenn er in den Bezirksbestenliste auf Platz eins steht, „ist das schon schön“, räumt er ein.
Während der Saison ist er praktisch jedes Wochenende unterwegs. Irgendwo in Norddeutschland findet immer ein Lauf statt. Sorgfältig studiert Kim Jonah vorher die Ausschreibung und entscheidet dann, ob vielleicht ein Streckenrekord zu knacken ist oder ob starke Läufer zu erwarten sind. Denn „bei Wettbewerben läuft man besser“, sagt der 15-Jährige, „da ist der Anreiz größer.“
Angefangen hat das, als er sieben oder acht Jahre alt war. „Mama hat damals gesagt, ich muss Sport treiben.“ Er probierte es mit Fußball, später auch mal mit Tennis, aber von Anfang war die Leichtathletik sein Favorit: „Das konnte ich am besten, und das macht am meisten Spaß.“
Allerdings hat er ein Problem: Er hat kein vernünftiges Training mehr. Der bisherige Trainer hat aufgehört, ein neuer ist nicht da. „In meinem Alter ist niemand mehr da.“ Nun läuft er mit den Älteren im Verein mit, aber das sei mehr oder weniger ein Lauftreff. Und ab und zu trainiert er auch mit der Gruppe, in der auch seine kleine Schwester läuft, aber da ist er selbst eher eine Art Trainer. Ein Vereinswechsel kommt auch nicht infrage, dazu ist Bokel zu weit weg von anderen Orten. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als allein zu laufen, fast jeden Tag.
Schlecht kann diese Art von Training nicht sein, das zeigt schon die Vitrine im Wohnzimmer: Zwei Fächer sind komplett voll mit seinen Pokalen. „Er kann nur noch weiterlaufen, wenn er jetzt erst einmal einen Schrank gewinnt“, scherzt seine Mutter. Als größten Erfolg empfindet Kim Jonah den Sieg im Sponsorenlauf der Waldschule Hagen über 8,5 Kilometer vor zwei Jahren. Seine Lieblingsdistanz sind aber die 5000 Meter, 17:59 Minuten beträgt hier seine Bestzeit.
Besondere Ziele, die er erreichen will, steckt er sich nicht. Alles, was man in dieser Richtung zu hören bekommt ist: „Vielleicht werde ich noch besser.“ Worauf er hofft, ist allerdings ein Sponsor. Pro Jahr läuft er zwei bis drei Paar Schuhe durch, dazu kommen die Startgelder, die Fahrtkosten. „Wenn da jemand helfen würde, das wäre hilfreich.“ (tom)

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