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Gegen „Milchschnitte“ und „Pommes“


Bremerhaven. „Ich wollte gar nicht. Ich fand Handball doof“, sagt Mona Behlmer (15) über den ersten Kontakt zu dem Sport, der ihr heute alles bedeutet. Zwillingsschwester Celina wollte sie mitnehmen, zu ihrem ersten Training. Da gingen die Behlmer-Zwillinge noch in den Kindergarten. Von Tobias Schwerdtfeger


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Celina (links) hat den Wurf, Zwillingsschwester Mona das Auge. Gemeinsam gehen sie in der Landesliga auf Punktejagd. Foto eer

In der Halle angekommen fand wiederum Celina plötzlich irgendwie alles doof, wollte nicht mehr spielen. „Sie hatte Angst“, sagt Mona und schaut grinsend zu ihrer Schwester rüber. Kurzerhand schnappte sich Mona nun die Sportklamotten der Schwester, stellte sich aufs Feld und wuselte los. Und hat seither damit nicht mehr aufgehört. „Ich war ja nicht umsonst hierhergekommen“, sagt Mona. Heute spielen beide begeistert Handball. Und sehr erfolgreich.

Mit der SG Surheide-Schiffdorferdamm sind sie mittlerweile in der Landesliga angekommen. Mona spielte schon für die Bundesauswahl vor. Auf dem Feld haben die Gegner wenig zu lachen. Da spielen sie nicht nur gegen Celina und Mona, sondern gegen „Milchschnitte“ und „Pommes“. So heißen zwei der ausgeklügelten Spielzüge. Und wie funktionieren die? „Das bleibt natürlich unser Geheimnis.“

Handball wurde im Hause Behlmer zu einer echten Mädchenliebe. Vater Behlmer musste im Garten ein Tor aufstellen, nach der Schule flogen die Taschen in die Ecke und draußen die Bälle ins Netz. „Dass die zwei ein großes Talent haben, habe ich sofort gesehen“, sagt Mutter Ute. Sie sorgt dafür, dass ihre Wurf-Talente zu jedem Spiel kommen und hat jahrelang die Mannschaft betreut. Mona wollte gar ins Handballinternat wechseln. Bis sie rauskriegte, dass man da jeden Tag trainieren muss. „Ach nee, das muss auch nicht sein“, sagt die Gymnasiastin. Eins ist beiden jedoch klar: Ohne Handball geht es nicht. „Die Bundesliga wäre schon ein Ziel“, sagt Celina. Gerne fahren die Schwestern nach Oldenburg, um sich dort die Bundesligaspiele anzuschauen. Fast bis aufs Spielfeld haben sie es auch schon geschafft. Zu ihrem Geburtstag im Januar schenkten ihnen die Eltern einen Sitzplatz auf der Fancouch. Die steht bei den Partien ganz nah an der Bank, direkt am Spielfeldrand.

Wer Sport auf diesem Niveau betreibt, muss Einschnitte in Kauf nehmen. „Wir haben das Glück, dass wir mit unseren Freundinnen in der Mannschaft spielen“, sagt Celina. Und natürlich zusammen mit der Schwester. Und zwar schon immer. „Das wird sich auch nicht ändern“, sagt Mona. Früher, da haben sie zuhause ein Taktikheft geführt wie andere Mädchen ein Poesiealbum. „Da haben wir uns immer so Spielzüge ausgedacht und alles reingemalt“, sagt Celina. „Wenn ich da heute so reingucke, dann denk ich manchmal: 'nicht schlecht'“, scherzt Mona.

Mittlerweile brauchen sie das kleine Büchlein nicht mehr. „Wir verstehen uns auf dem Feld blind“, meint Mona. „Sie hat das Auge, und ich habe den Wurf“, sagt Celina.


Artikel vom 14.12.11 - 12:00 Uhr
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