
Bremerhaven. Als die Fischtown Pinguins vor dieser Saison Gunnar Leidborg als neuen Trainer verpflichteten, war das ein Paukenschlag. Ein Taktikfuchs, ein Gewinnertyp, einer der das Bremerhavener Eishockey voranbringen kann – so lauteten die Kommentare. Nach 100 Tagen im Amt ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Hat der Trainer die Erwartungen erfüllt? Um es vorwegzunehmen: Ja, hat er. Mit diesem Credo ging Leidborg in die Saison, daran muss er sich messen lassen:
Die Zahlen: Mit 19 Punkten und 51:54 Toren aus 16 Spielen stehen die Pinguins auf Platz 9, einem Pre-Playoff-Platz. Das ist kein Grund für Jubelstürme, aber im Bereich dessen, was die Verantwortlichen um Manager Hans-Werner Busch als Ziel ausgegeben haben.
Das Personal: Was die deutschen Spieler angeht, ist die Mannschaft nominell schlechter besetzt als im Vorjahr. Doch einige haben einen Sprung gemacht: Leidborg hat Jonas Lanier zum Kapitän gemacht und ihn damit gestärkt. Jetzt ist der 27-Jährige präsenter, trifft häufiger. Marian Dejdar spielt so gut wie nie zuvor in Bremerhaven, auch Felix Thomas oder Marius Garten haben einen Schub bekommen. Bei ihnen hat der Trainer sein Versprechen wahr gemacht. Auch dass sowohl Hannover als auch Köln ihre Förderlizenzspieler nach Bremerhaven schicken wann immer es geht, ist ein Zeichen dafür, dass sie mit der Ausbildung durch Leidborg zufrieden sind.
Bei den Kontingentspieleren haben die Pinguins diesmal in den richtigen Topf gegriffen. Chris Stanley ist ein Volltreffer, mit 11 Toren ist er der treffsicherste Stürmer, dazu fährt er die besten Checks. Auch Alexandre Parent und Pierre-Luc O'Brien sind eine Bereicherung, auch wenn vor allem O'Brien zuletzt überspielt wirkte. Chris Leinweber spielt einen guten Part an der Seite des eingedeutschten US-Amerikaners Steve Slaton, der ebenfalls eine Verstärkung ist.
Die Taktik: Leidborg versucht, viel zu variieren und hat damit schon einige Gegner überrascht. Die Pinguins haben sich schon im eigenen Drittel „eingemauert“, aber auch schon aggressives Forechecking gespielt. Generell setzt der Trainer darauf, Angriffe spielerisch einzuleiten und nicht die Scheibe ins gegnerische Drittel zu dreschen um dann nachzusetzen.
Die Probleme: Im Spielaufbau hapert es oft. Leichte Puckverluste, die kosten Kraft, verunsichern und haben schon zu einigen Gegentoren geführt. Dieses Problem zieht sich bis ins Überzahlspiel durch. Gegen gut verteidigende Mannschaften kommen die Pinguins oft nicht in Position und wenn, ist das Spiel meist zu statisch.
Auch personell gibt es noch einige Baustellen: Das Experiment mit zwei deutschen Torhütern ist gescheitert. Der zu Saisonstart als Nummer 1 auserkorene Stefan Horneber enttäuschte, Jan Guryca ist zu schwankend in seinen Leistungen. Das kostete die Pinguins einige Punkte, so dass sie die Reißleine zogen: Die Verpflichtung des Letten Edgars Lusins ist so gut wie eingetütet.
In der Abwehr fehlt mindestens ein erfahrener Mann, um vor allem Vitalij Janke und Michail Kozhevnikov zu entlasten. Beide haben ihre Bestform noch nicht erreicht, doch Alternativen fehlen. Zudem könnten die Pinguins noch einen Außenstürmer für die zweite Reihe gebrauchen. So unverzichtbar André Mücke für das Teamspiel ist, er ist einfach nicht torgefährlich genug.
Das Fazit: Rosarot ist die Welt bei den Pinguins nicht, aber bestimmt auch nicht grau. Die junge Truppe macht Fehler, spielt aber oft auch begeisterndes Eishockey. Technisch ist viel Potenzial da, zudem schießt die Mannschaft viele Tore. Das macht die Spiele unterhaltsam. Gunnar Leidborg hat viel aus den nicht eben üppigen Möglichkeiten gemacht, so dass das Ziel Playoff-Platz erreicht werden dürfte.
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