
Noch vor wenigen Tagen tanzte die 13-Jährige mit ihrem Partner Marius Jensch bei den gemeinsamen Landesmeisterschaften der Nordverbände Bremen, Hamburg, Niedersachen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in Delmenhorst. Die beiden holten Platz vier der Jugend-B-Klasse.
Den Sieg ertanzte Jessica gemeinsam mit dem B-Team bei ihrem ersten Oberliga-Turnier. Seit Sommer trainiert die 13-Jährige als jüngstes Mitglied in der Lateinformation. Schwierigkeiten wegen des Altersunterschiedes gibt es nicht. „Ich bin mittendrin und gehöre dazu.“ Vielleicht war sie auch deswegen beim Oberliga-Turnier in der Stadthalle nicht aufgeregt, sondern voller Vorfreude.
Sechs Mal pro Woche zieht Jessica die Tanzschuhe an – zwei Mal für das B-Team, vier Mal übt sie mit Marius. Denn eigentlich ist die 13-Jährige auf Einzel spezialisiert. „Mir macht beides sehr viel Spaß, aber Einzel mit Marius mag ich etwas lieber.“ Warum? „Da habe ich mehr Freiheiten.“
Freizeit ist hingegen Mangelware. Der Sport und die Schule stehen bei der Bremerhavenerin im Mittelpunkt. Die Achtklässlerin besucht das Lloyd-Gymnasium, das Abitur ist ihr festes Ziel. Was danach kommt – diese Entscheidung habe noch Zeit.
Entschieden hat sie sich bereits für Marius. Seit neun Monaten sind sie ein Paar – auf dem Parkett und privat. Seit etwa sieben Monaten tanzen sie zusammen. Streitereien, die kommen schon mal vor. „Die meisten Meinungsverschiedenheiten haben wir aber beim Tanzen, wenn die Schritte nicht richtig sitzen.“ Es sei aber ein Vorteil, mit dem Freund zu trainieren. „Man ist vertrauter und kann besser Gefühle zeigen. Die Emotionen sind eben echt“, sagt Jessica und schaut ihren 16 Jahre alten Freund verliebt an.
Seit viereinhalb Jahren tanzt die Bremerhavenerin. Auslöser waren Übertragungen von Bundesligaturnieren im Fernsehen. Sie probierte die Sportart mit einer Freundin aus und war begeistert. Die rhythmische Sportgymnastik hängte Jessica an den Nagel. „Das vor dem Tanzen gemacht zu haben, hat mir sehr geholfen. Ich habe dadurch ein gutes Körpergefühl und gute Körperspannung gehabt.“
Ihre Schwäche ist die Schnelligkeit. Die fehlt noch bei der Samba. „Die sitzt noch nicht so gut wie die anderen vier Tänze.“ Am liebsten mag sie Jive – den könne das Paar am besten. „Jive macht einfach Spaß. Der zeigt so viel Lebensfreude.“ Ohnehin mag sie Latein lieber als Standard. Walzer, Slowfox und Tango seien zu langsam, gar ein wenig spießig. „Latein ist abwechslungsreicher, schneller, flotter.“
Während an der Samba noch gearbeitet werden muss, hat Jessica ein anderes Manko bereits ausgemerzt. Früher mochte sie sich von ihrem Partner nicht so recht führen lassen. „Doch Marius hat sich durchgesetzt.“
Durchhalten ist insgesamt gefragt. Ausdauer, Disziplin, aber auch Spaß seien die Voraussetzungen, um ganz vorne mitzutanzen. Und das ist das gemeinsame Ziel von Jessica und Marius. Auch wenn die 13-Jährige es zunächst nicht so recht zugeben möchte und es ihr etwas unangenehm ist: „Ja klar möchte ich mal Weltmeister werden – egal ob mit der Formation oder im Einzel.“
Bis dahin werden die Füße des 1,70 Meter großen Mädchens noch oft schmerzen, unzählige Trainingseinheiten zu absolvieren und zahlreiche Kilometer zu Wettkämpfen zu fahren sein. „Tanzen ist ganz schön teuer. Die Kleider, Trainingsstunden, Fahrten zu Turnieren und Hotelübernachtungen gehen ziemlich ins Geld“, sagt Jessica und verschwindet aufs Parkett. Die Samba, Marius und Trainer Horst Beer warten.
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