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Die Uhr treibt die Beine an


Bremerhaven. Nach Feierabend läuft er zwei Stunden und das täglich, hat mir Marathon-Sieger Oliver Sebrantke gerade verraten. Meine Töchter würden mir was husten, würde ich allabendlich stundenlang laufen. Aber den 4-Kilometer-Einsteigerlauf, den soll ich ihrer Meinung nach schon gewinnen. Meine Ziellatte liegt tiefer: Ich will hauptsächlich gut durchkommen. Von Ute Schröder


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Vor dem Start noch gut bei Puste: NZ-Redakteurin Ute Schröder.

Für mich ist es eine Premiere: Noch nie habe ich an solch einem Wettbewerb teilgenommen, wenn man einmal vom Gummistiefelweitlauf-Weltrekordversuch in Neuenwalde anno 2009 absieht. Im Gemeindehaus der Großen Kirche bekomme ich meine Startunterlagen: ein Schild mit meiner Startnummer 1371 sowie einen in einen schmalen Papierstreifen eingearbeiteten Chip. Den montiere ich wie vorgesehen am Schnürsenkel meines rechten Schuhs und bin nun erfasst. Der Chip wird meine Zeit stoppen: Laufe ich im Ziel über einen Kontakt, dann ist mein Ergebnis registriert. So ausgestattet, komme ich mir schon gleich ein bisschen sportlicher vor.

Während der beste Marathoni bereits im Ziel ist, gehen wir Einsteiger als letzte ins Rennen: Start ist um 13 Uhr. Die Musik ist laut, die Cheerleader sorgen für Stimmung, Moderator Artur Schmidt empfängt den Marathon-Zweiten, Lokalmatador Oliver Leu. Dann zählen die Zuschauer die letzten Sekunden herunter, der Startschuss fällt, und wir laufen hinter Organisator Carsten Decker her. Der radelt aber.

Außerhalb der „Bürger“ sind nur noch wenige Zuschauer da, auf dem Theodor-Heuss-Platz gibt ein Trommler den Rhythmus vor. Ich habe meinen noch nicht gefunden. „Laufen, ohne zu schnaufen“ lautete das Motto meines Laufeinsteigerkurses von der AOK, aber im Kampf gegen die Uhr treibt der Kopf die Beine an, und die Atmung kommt noch nicht so richtig hinterher.

Bereits jetzt ist das Feld weit auseinander gerissen, und ich befinde mich wohl im letzten Drittel. Es geht die Fährstraße hoch und dann in die Deichstraße. „Das Warm-up hat aber auch nichts gebracht, oder?“, fragt ein Viertklässler seinen Kumpel. Beide gehen schon mal ein bisschen. Hier stehen an drei Stellen Schaulustige, läuten Glocken und feuern uns an. Einen Becher Wasser lehne ich dankend ab.

Kampf gegen Seitenwind

Kaum bin ich im Kapitänsviertel angekommen, regnet es, aber nur für wenige Sekunden. Marathonläufer überholen mich leichtfüßig, während ich am Geesteufer gegen den Seitenwind kämpfe. Am Wanderweg steht noch eine kleine Versorgungsstation. Diesmal nehme ich einen Becher Wasser. Zum Trinken stehen bleiben möchte ich nicht. Im Laufen trinken kann ich aber nicht. So bekleckere ich mich eigentlich nur. Und den Becher? Ihn einfach so wegzuschmeißen, fällt mir schwer, aber es muss sein.

Mein Kopf fängt langsam an zu glühen. Ein kleiner Plausch mit einer Dame aus dem Team des Aktivmarkts ist noch drin. Ein braungebrannter Marathoni im kurzen Reißaus und schon etwas streng riechend überholt mich – und auch ich kann ein paar Kollegen überrunden. Dann pustet mir der Wind in der Keilstraße das Käppi vom Kopf. Ich schnappe es mir und laufe weiter: Jetzt kommt doch der Endspurt.

An der Ecke Keilstraße/„Bürger“ warten dann meine jungen Fans und wollen das letzte Stück mit Mama laufen. Doch nun kenne ich keine Verwandten mehr, nur noch meine Zeit. Im Ziel angekommen, wird mir eine Medaille überreicht, dann geht es ins Gemeindebüro.

Hier gibt es einen tollen Service der Agentur Davengo für alle 1400 Läufer, die am 7. City-Marathon teilgenommen haben. Nach einem Blick auf meine Startnummer und einem Klick am PC kommt meine Urkunde – die erste seit den Bundesjugendspielen – aus dem Drucker. Das mit dem letzten Drittel kommt wohl hin – aber immerhin bin ich Siebte in meiner Altersklasse W40 geworden.

Während ich mit dem Gedanken spiele, irgendwann einmal die zehn Kilometer mitzulaufen, teilt mir meine Große mit, dass sie mich im nächsten Jahr begleiten wird. „Aber ich gewinne. Weißt du, Kinder wollen immer gewinnen, du willst ja nur mitlaufen.“ Wer weiß…

Artikel vom 29.08.11 - 07:00 Uhr
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