„Wir surfen im Moment auf einer Welle“, beschreibt Trainer Torben Theine die Erfolgsserie, macht sich aber sofort Sorgen, dass man das falsch verstehen könnte, und ergänzt deswegen: „Das ist nichts, was einem geschenkt wird.“
Dass keinem Bremerhavener etwas geschenkt wird, sah man am Freitag an Massimo Ocera. Nach dem ersten verlorenen Satz kämpfte er sich aufopferungsvoll bis in den Tiebreak. Dort lag er dann aber gegen Daniel Stöhr schnell 1:4 zurück – und kämpfte fortan noch aufopferungsvoller. So gewann er den Tiebreak 7:4 und den Champions-Tiebreak 10:5. Danach war er so erschöpft, dass Theine ihn im Doppel schonte.
Viel Freude bereitete den Bremerhavenern auch der Auftritt von Neuzugang Marco Trungelliti. Der Argentinier hatte nie zuvor in Europa ein Ligaspiel bestritten. „Ich war ein bisschen nervös“, erklärte er, warum er den ersten Satz gegen Guillermo Alcaide verlor. Aber was dann folgte, war eine Tennis-Lehrstunde: Mit 6:1 gewann der BTV-Profi den zweiten Satz und den anschließenden Champions-Tiebreak mit 10:0.
Das ist die neue Spezialität des BTV: Die Spieler gewinnen ihre knappen Spiele. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, denn schließlich ist die Mannschaft im Wesentlichen dieselbe wie 2011. Doch Theine weiß, was anders ist: „Wir haben eine andere Nummer eins.“ Vor einem Jahr hat Daniele Giorgini an eins gespielt, ein guter Mann, aber nicht gut genug für die starken Gegner, mit denen er es dort zu tun bekam. Diesmal steht Peter Torebko ganz vorne, und alle anderen rutschen eine Position nach unten. Dort ist das Niveau zwar nur einen Tick niedriger, aber das reicht im Profisport oft schon. „Wenn man fokussiert bleibt“, mahnt Theine.
Um Torebko muss er sich in dieser Beziehung keine Sorgen machen. Mit konzentrierter Leichtigkeit gewann er 6:2, 6:1 gegen Nils Langer. Das ist eigentlich kein Gegner, den man einfach raushaut. Gerade erst stand Langer im Finale des Challenger-Turniers von Oberstaufen. Doch das hat ihm nichts geholfen. Ebenfalls souverän gewann Marc Sieber seine Partie. Weil auch das „Kampfschwein“ (BTV-Manager Bernd Badenhorst) Juan-Martin Aranguren mal wieder nicht bereit war, eine Niederlage zu akzeptieren, stand Bremerhavens Sieg bereits nach den Einzeln fest – schon zum dritten Mal.
In dieser Form muss auch Pforzheim am Sonntag mit einer Heimniederlage rechnen, obwohl BTV-Trainer Theine großen Respekt vor deren Doppeln hat: „Da haben sie die beste Bilanz der Zweiten Liga.“ Die Pforzheimer selbst rechnen sich aber nicht viel aus: „Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen“, kündigte Teammanager Thomas Hell an. Dem Vernehmen nach ist der Club ohnehin nicht an einem Aufstieg in die Bundesliga interessiert. Ganz anders der BTV: „Wenn wir es schaffen, gehe ich davon aus, dass wir das auch antreten“, sagt Badenhorst. (tom)
