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„Da war eine große Leere“


bremerhaven. Es war die schlimmste Niederlage seines Lebens, sagt Eisbär Philipp Schwethelm nach dem 88:92 nach Verlängerung gegen Angola und dem Aus des deutschen Nationalteams bei der Weltmeisterschaft in der Türkei. „Da war eine große Leere in meinem Kopf. Ich konnte den Journalisten nichts sagen, habe sie um Verständnis gebeten und bin erst mal in die Kabine“, so der 21-Jährige. Von Oliver Riemann


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Philipp Schwethelm machte ausgerechnet beim WM-Aus gegen Angola sein bisher bestes Spiel im Nationaltrikot. Foto imago

Auch dort war die Stimmung im Keller, einige Spieler saßen weinend auf der Bank, es herrschte Ratlosigkeit, Enttäuschung, Frust. Erst 30 Minuten später, bei der obligatorischen Pressekonferenz, zu der Eisbär Schwethelm eingeteilt war, „konnte ich so einigermaßen realisieren, was da passiert war und auch Fragen beantworten.“

Und Bundestrainer Dirk Bauermann, gab es da einen „Anranzer“ in der Kabine? „Nee, ganz und gar nicht. Dirk stand nur da und ich habe gedacht: Scheiße, was will er uns jetzt bloß sagen? Mir wäre dazu nichts eingefallen“, gesteht Schwethelm. „Aber der Bundestrainer hat sofort wieder versucht, uns aufzubauen. Das ist seine Art, auch wenn er vielleicht noch enttäuschter gewesen ist als wir“, sagt der Eisbär.

Zwei Minuten vor dem Ende hatten die Deutschen noch mit neun Punkten geführt, dann begann der Horror. Zwei Ballverluste von Routinier Steffen Hamann und vor allem „unsere Schwäche beim Rebound“ hat Schwethelm als Grund ausgemacht. „Das kann man nicht nur mit mangelnder Erfahrung begründen, da haben wir einfach schlecht gespielt“, so der 21-Jährige. Er hofft, „dass die Medien uns zu Hause nicht zerreißen, weil wir ausgeschieden sind“.

Sieben der 12 Spieler aus dem Kader gehören wie der Flügelspieler der Eisbären, der ausgerechnet gegen Angola nicht nur wegen seiner 12 Punkte sein bestes Spiel bei der WM machte, den Jahrgängen 1988/89 an. „Wir hatten viel vor, wir waren sicher, dass wir zur Zwischenrunde nach Istanbul fahren würden. Und jetzt ist alles vorbei“, sagt Schwethelm frustriert.

Zwei Monate harter Vorbereitungsarbeit, zerstört in nicht einmal zwei Minuten. Das muss man erst einmal wegstecken. An Schlaf war da nicht zu denken, an ein Kuschelkissen auch nicht, Entmüdungsbad und Whirlpool, all das entfiel. „Ich bin erst um 2 Uhr ins Bett gegangen, habe solange mit Elias Harris auf dem Zimmer gesessen und geredet“. So hätten es die anderen Mannschaftskollegen auch gehandhabt.

Nach ein paar Stunden Schlaf mussten die Nationalspieler wieder zur Tagesordnung übergehen. Vorbereitung auf das letzte, unwichtige Spiel gegen Jordanien. „Schon komisch, wenn du Angola noch nicht abgehakt hast und dich nun mit Jordanien befassen musst“, sagt der Bremerhavener.

Heute geht es zurück

Mit dem heutigen Tag ist das Abenteuer WM für die Deutschen beendet. Am späten Nachmittag geht es zurück nach Deutschland und für die Spieler zurück zu ihren Vereinen. „Ich denke, drei bis vier Tage Abstand werden reichen, denn ich bin jetzt schon heiß auf den Rest der Vorbereitung mit den Eisbären“, sagt Schwethelm – und plötzlich hört er sich schon viel besser gelaunt an. Er habe den ganzen Sommer lang verfolgt, was sich in Bremerhaven getan hat. Er hat oft mit Kumpel Jan Lipke und Assistenztrainer Stephan Völkel gesprochen. „Jetzt will ich die neuen Jungs auch endlich kennenlernen“, meint der 21-Jährige.

Am Dienstag kehrt die Mannschaft aus dem Trainingslager in Spanien zurück. Spätestens dann will auch der erste Nationalspieler aus den Reihen der Eisbären wieder in Bremerhaven sein. Vorher geht es einige Tage zur Familie nach Köln.

„Ich muss mal sehen, was Doug und Stephan mit mir geplant haben, wie viel Pause ich machen soll. Aber eigentlich bin ich heiß“, wirft der Flügelspieler ein. Spätestens am 12. September, beim ersten Testspiel der Eisbären in Bremerhaven gegen die Cuxhaven BasCats, will er mit von der Partie sein. Schwethelm: „Denn irgendwie freue ich mich auf Bremerhaven und das ganze Drumherum.“


Artikel vom 03.09.10 - 07:00 Uhr
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