
„Wir haben schon zwei Spiele gewonnen“, sagt der siebenjährige Dave mit mächtig Stolz in der Stimme. Es ist sein erster Nordsee-Cup und sogar sein erstes Turnier für den TuSpo Surheide. Erst vor kurzem hat Dave die Mannschaft gewechselt. Dass der Siebenjährige dennoch wie ein kleiner Profi durch die Stadionhalle fegt, liegt wohl auch an der Fußballbegeisterung in seiner Familie.
Sein Cousin André spielt in seinem Team und kickt bereits seit vier Jahren. „Ich trainiere auch in der Fußballschule“, erzählt der siebenjährige André mit roten Wangen und verschwitztem Haar. Mindestens dreimal pro Woche spielt er Fußball. Sein Vater Johann Schwegler ist der Co-Trainer der zweiten F-Junioren-Mannschaft des TuSpo Surheide und mindestens genauso ehrgeizig wie die Jungs. Aufgeregt läuft Johann Schwegler bei jedem Spiel an der Seitenlinie entlang und gibt Kommandos.
Ehrgeizig, das ist auch Jacqueline Quell. Sie ist das einzige Mädchen im Tor in der Gruppe B der unteren F-Junioren. Den Jungs steht sie aber in nichts nach. Die Torhüterin der SFL ist besonders einsatzbereit. Immer wieder springt die Neunjährige mutig dem Ball hinterher, wirft sich in eine Ecke, um ihr Tor sauber zu halten. „Blaue Flecken gehören eben dazu“, sagt Jacqueline. Vor allem die Knie verfärben sich regelmäßig blau, lila, grün – trotz der professionellen Ausrüstung mit gepolsterten Knien und Ellenbogen. Die Finger sind bislang immerhin ohne Blessuren geblieben, erzählt Jaqueline, zieht ihre Handschuhe an und läuft davon. Das nächste Spiel steht an.
Neun Minuten lang treten sechs Spieler pro Mannschaft gegeneinander an. Sechs Teams kämpfen in dieser Vorrunde ums Weiterkommen. Insgesamt 195 Mannschaften von den G-Junioren bis zur U21 treten bis kommenden Montag beim 22. Nordsee-Cup an.
Der TuSpo Surheide hat in diesem Spiel das Nachsehen und geht als Verlierer vom Feld. Doch bevor die Kinder auf die gut besuchte Tribüne dürfen, pfeift Trainer Andree Quell sein Team in eine ruhige Ecke der Sporthalle. Er ist sichtlich unzufrieden mit der Leistung seiner Schützlinge, kritisiert die mangelnde Deckung der Gegenspieler und gibt Tipps für die nächste Partie.
Streng findet Jacqueline ihren Trainer aber dennoch nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass Andree Quell ihr Vater ist. Ist es denn komisch vom eigenen Vater trainiert zu werden? „Nee, überhaupt nicht“, sagt die Neunjährige, die bereits mit fünf Jahren das Fußballspielen für sich entdeckt hat und große Pläne für ihre sportliche Karriere hat. Das Vorbild der Torhüterin ist ausgerechnet der Stürmer Mario Gomez vom FC Bayern München. „Die Schüsse von Gomez möchte ich irgendwann halten können“, erklärt die Neunjährige. In ihrer Vorbild-Wahl wurde sie sicherlich auch von ihrem Vater geprägt, schließlich trägt der einen roten FC-Bayern-Trainingsanzug in der Stadionhalle.
Während Jacqueline sich nach der Traineransage mit Frikadellen und Würstchen auf der Tribüne stärkt, müssen Dave, André und ihre Teamkollegen wieder ran. Bevor aber gekickt wird, stellen sich die elf Spieler und ihre beiden Trainer in einen Kreis, fassen sich an die schmächtigen Schultern und brüllen ihren Schlachtruf aus dem Kinderfilm „Die wilden Kerle“: „Alles ist gut, solange du wild bist! Eins, zwei, drei, wow!“ Und los geht es.
Der Spruch hat offensichtlich seine Wirkung erfüllt: Die Spieler des TuSpo Surheide gewinnen auch ihre vierte Partie beim Nordsee-Cup. Damit sind die Nachwuchskicker aus Bremerhavens Süden deutlich erfolgreicher als die Mannschaft von Daves Lieblingsspieler, Lukas Podolski vom 1. FC Köln. Sie gewinnen die Vorrunde der F-Junioren in der Gruppe B.
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