Eisbärmädchen Lili (rechts, hier mit Nela) versucht sich gerne als Boss aufzuspielen – meist vergeblich. Foto Brocks
Eisbärmädchen Lili (rechts, hier mit Nela) versucht sich gerne als Boss aufzuspielen – meist vergeblich. Foto Brocks

„Lili ist ein Dreckspatz“

Emmen. Gerade noch lagen Lili und Lale entspannt auf den Felsen, dann plötzlich springen beide auf und jagen in vollem Tempo einer Krähe hinterher – vergeblich. „Wow, was für ein Anblick“, staunen 30 Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG, die bei einem „NZ+Ich“-Tagesausflug die Bremerhavener Eisbärmädchen in ihrer neuen Heimat, dem Wildlands Adventure Zoo Emmen, besuchten.

Auf ihre Namen reagieren die Tiere, sehr zum Bedauern einiger NZ-Leser, nicht: „Die Eisbären sollen wie ihre Artgenossen in der freien Natur leben und möglichst wenig auf uns und unsere Besucher reagieren. Daher rufen wir sie auch nicht“, erklärt Louis von Rotterdam. Gelockt werden die Tiere höchstens mit einem Tonsignal und einer besonderen Leckerei: „Für Majo machen sie fast alles.“ Ketchup dagegen mögen sie nicht.

„Lili und Lale haben sich bei uns sehr gut eingelebt“, sagt Tierpfleger Louis von Rotterdam. Gemeinsam mit Nela aus München und Noordje aus Nuenen (NL) bewohnen die beiden Bremerhavenerinnen ein 6000 Quadratmeter großes Gelände. „Nur wenn wir morgens das Gelände reinigen, sind die Eisbären kurz im Innengehege eingesperrt“, erklärt Kollege Henry Hoekstra. Den Rest des Tages könnten die Tiere selbst entscheiden, wo sie sich aufhalten.

Lili wälzt sich gerne

Im Gegensatz zu ihrer Schwester habe Lili, die in den Niederlanden zu „Lilje“ geworden ist, einen eindeutigen Lieblingsplatz: „Sie ist ein Dreckspatz“, weiß Louis von Rotterdam. Lili wälze sich besonders gerne im Rindenmulch oder im Matsch: „Sie ist eigentlich fast immer braun“, ergänzt Henry Hoekstra und lacht. Lale halte sich gerne im Wasser auf oder faulenze an einem schattigen Plätzchen – gerne auch außerhalb des Blickfelds der Besucher.

„Als Schwestern haben sich Lili und Lale nicht erkannt“, ist Henry Hoekstra überzeugt. Ein besonderes Verhältnis zueinander hätten die beiden Eisbärenmädchen nicht: „Mal spielen sie miteinander, dann zanken sie wieder. Wie das bei Eisbären eben so ist. Wirklich enge Bindungen haben die Tiere nicht“, sagt Henry Hoekstra, der seine Schützlinge inzwischen sehr genau kennt. „Lili ist noch auf der Suche nach ihrem Platz in der Gruppe“, erklärt der Pfleger. Das Eisbärmädchen habe sich zu einem selbstbewussten Teenager entwickelt. „Obwohl Lili die Jüngste ist, versucht sie manchmal, sich als Boss aufzuspielen, allerdings vergeblich. Dafür stellt sie sich nicht geschickt genug an.“

Lebende Fische locken Eisbären zum Wasser

Lale sei sehr ruhig und vorsichtig und warte meist erst einmal ab, was die anderen machen. „Nur, wenn wir die Eisbären rauslassen, ist sie fast immer die Erste, die auf die Anlage rennt. Sie ist klug und weiß, dass sie das Beste von allem bekommt, wenn sie sich beeilt.“ Denn damit den Eisbärinnen nicht langweilig wird, verstecken die Pfleger jeden Tag Leckereien und Spielzeuge auf dem weitläufigen Gelände: „Spielzeug wird für Eisbären aber schon nach kurzer Zeit langweilig“ – außer, ein Artgenosse interessiert sich plötzlich dafür. Doch auf dem Gelände gebe es auch so genug zu entdecken: „Im Wasser schwimmen Fische, die für die Eisbären natürlich sehr interessant sind“, erläutert Louis von Rotterdam den NZ-Lesern, warum Lale erst regungslos am Beckenrand verharrt und dann plötzlich mit der Tatze ins Wasser schlägt. Auch leichtsinnige Krähen und Reiher, die sich ab und an im Gehege niederlassen, sorgen für Unterhaltung: „Hin und wieder erwischen die Eisbären auch eines der Tiere.“ Ein leckerer Snack zwischendurch. „Fressen geht immer“, weiß HenryHoekstra. Rund 15 Kilogramm Nahrung bereiten die Pfleger täglich für jeden Eisbären zu. Auf dem Speiseplan stehen Fleisch, Fisch sowie Obst und Gemüse.

„Wir würden uns wünschen, dass wir irgendwann auch ein Männchen bekommen“, verrät Henry Hoekstra. „Eisbärweibchen werden meist im Alter von vier oder fünf Jahren geschlechtsreif, Männchen manchmal auch erst mit sieben Jahren.“ Noch bleibt die Wohngemeinschaft also eine Weile bestehen. Das Gehege sei aber extra so eingerichtet, dass es sich in mehrere großzügige Bereiche unterteilen lasse.

„Naturnahes Gehege“

„Ich fand es schön, wie naturnah das Gehege ausschaut“, sagt NZ-Leserin Anna-Lena Carstens (22). „Man hat den Eindruck, dass das Tierwohl hier an erster Stelle steht“, ergänzt Mutter Angela Carstens, der der relativ neue Zoo sehr gut gefällt.

„Ich fand die Eisbären cool, weil die so aktiv waren, gerannt und geschwommen sind“, schwärmt Sandro Schwarting (9). Auch Daniel Vollmer verfolgt begeistert das Geschehen: „Ich fand das total lustig, als die ins Wasser gesprungen sind“, sagt der Achtjährige, der Lili und Lale bereits in Bremerhaven erlebt hat: „Jetzt sind sie so viel größer. Ich hätte die nicht erkannt.“ Auch Mutter Monika Vollmer staunt, wie die Pfleger die Eisbären auseinanderhalten können, und ist von der neuen Heimat der Bremerhavenerinnen begeistert: „Die Eisbären haben ein wirklich schönes und großzügiges Gehege und ich hatte den Eindruck, dass sich die Tiere wirklich wohlfühlen.“