Aus Wachsplatten schneidet Bärbel Heuck kleine Dekoelemente, die mit andersfarbigem Wachs übergossen für das besondere Etwas sorgen.
Aus Wachsplatten schneidet Bärbel Heuck kleine Dekoelemente, die mit andersfarbigem Wachs übergossen für das besondere Etwas sorgen. | Foto: Brocks

Leuchtende Kunstwerke

Bremerhaven. Eintauchen, auskühlen lassen, wieder eintauchen: Immer wieder versenkt Christa Baeßler den Baumwolldocht im heißen Wachs. „Das hat schon etwas meditatives“, sagt die 67-Jährige und lacht. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion konnten sie und neun weitere Abonnentinnen der NORDSEE-ZEITUNG sich in der Kerzenwerkstatt „Lichtblick“ der Elbe-Weser-Werkstätten umsehen und Kerzen herstellen.

36 Menschen mit Behinderung fertigen bei „Lichtblick“ Kerzen in vielen Farben und Formen. „Die Kerzenproduktion ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Pädagogin und Gruppenleiterin Aldona Bednarek: „Das Schöne ist, das man wirklich kreativ sein und alles ausprobieren kann.“

Produziert werden Kerzen aus Bienenwachs, aus Paraffin, einer Substanz, die als Nebenprodukt beim Raffinieren von Erdöl entsteht, oder Staerin, das aus pflanzlichen oder tierischen Fetten gewonnen wird: „Die Arbeitsschritte sind immer die gleichen. Zuerst werden die Kerzenformen poliert“, erklärt Mitarbeiter Bernhard Zix. Anschließend wird über die offene Seite der Form ein Stäbchen gelegt, an dem der Docht fixiert wird. „Dessen Dicke richtet sich immer nach der dicke der Kerze“, erklärt Zix. Denn der passende Docht sorgt – in Verbindung mit der Brenndauer – dafür, dass die Kerze auch beim Abbrennen eine hübsche Form behält. Ist der Docht befestigt, wird die Form mit flüssigem Wachs gefüllt: „Das darf nicht zu heiß sein“, betont Aldona Bednarek. „Man muss auch darauf achten, dass der Anteil der Farbe nicht zu hoch ist. Denn diese kann beim Abbrennen Probleme verursachen“, ergänzt Evelyn Noller. Wenn die Farbstoffe nicht richtig gelöst würden, klebten sie am Docht fest. „Dadurch kann er das Wachs nicht mehr aufsaugen, verstopft und kann nicht richtig abbrennen.“

Fingerfertigkeit gefragt

Nach einigen Stunden, bei großen Formen auch erst nach Tagen, ist die Kerze ausgehärtet. Fingerfertigkeit ist dann beim Verzieren gefragt: Mit einem Skalpell schneidet Genina Brunkhorst hauchdünne Wachsplatten in Form – und lässt so Bäume, Leuchttürme oder auch Einhörner entstehen. „Sie ist eine richtige Künstlerin“, lobt NZ-Leserin Christa Baeßler, die schon immer wissen wollte, wie Kerzen in Handarbeit hergestellt werden. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so aufwendig ist und das so viele Arbeitsschritte nötig sind.“ Der Prozess erstaunt auch Leserin Gabriele von Scheidt: „Ich weiß nicht, ob ich die Geduld hätte.“

Geduld braucht es auch beim Kerzenziehen, das die Leserinnen ausprobieren konnten: Mindestens 24 Mal muss der Docht für eine Sekunde in flüssiges Wachs getaucht werden und dazwischen immer kurz trocknen. „Es dauert eine Weile bis so eine Kerze entsteht“, sagt Mitarbeiter Steven Lux. Dafür ist jede ein Einzelstück. „Zum Abbrennen eigentlich viel zu schade“, sind sich die Leserinnen einig. „Bis man die neue Kerze anzündet, sollte man auch erst eine Weile warten“, betont Lux. „Dann brennen sie sauberer und schöner ab.“ (akb)