Kultur

„Der Medicus“ kommt am Mittwoch ins Cinemotion-Kino

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Als Rob (Tom Payne) mit ansehen muss, wie seine Mutter an der Seitenkrankheit stirbt und ihn und seine Geschwister als Waisen zurücklässt, beschließt der Junge im „Medicus“, die Heilkunst zu erlernen. Dafür schließt er sich erst einem reisenden Bader (Stellan Skarsgård) an. Foto UFA Cinema

Berlin. Für den Regisseur Philipp Stölzl ist es gleich aus zweierlei Sicht ein großes Glück, dass er den „Medicus“ erst knapp 30 Jahre nach Erscheinen verfilmen konnte. Zum einen erinnern sich die Leser nicht mehr an jedes Detail, zum anderen gab es schon zahlreiche Drehbuchfassungen, aus denen er lernen konnte. Unserer Korrespondentin Britta Schmeis berichtete er von der Mammutaufgabe, einen mehr als 800-seitigen Roman zu verfilmen.

1986 ist der Roman „Der Medicus“ von Noah Gordon in den USA erschienen, ein Jahr später in Deutschland. Warum kommt der Film erst jetzt in die Kinos?

Der Roman ist ein Plädoyer für religiöse Toleranz. Wer Noah Gordon kennt, weiß, dass diese humanistische Botschaft sein größtes Anliegen ist.
Regisseur Philipp Stölzl
Zur Person
Philipp Stölzl ist ein Regie-Tausendsassa. 1967 in München geboren, arbeitete er zunächst als Bühnenbildner am Sprechtheater. Seit 1997 drehte er Musikvideos, etwa für Madonna, Die Toten Hosen, Mick Jagger und Luciano Pavarotti. Seinen ersten Film drehte er 2001: „Baby“. Es folgten der historische Bergfilm „Nordwand“ (2008), das ebenfalls historische Liebesdrama „Goethe!“ (2010) und sein Hollywood-Debüt mit dem Actionthriller „The Expatriate“. Seit einigen Jahren ist Stölzl auch als Opernregisseur erfolgreich, zuletzt mit „Il Trovatore“ an der Berliner Staatsoper und Anna Netrebko und Placido Domingo in den Hauptrollen. (dpa)

Der pure Umfang des Romans hat die Adaption schwierig gemacht. Das Buch ist ein detailreiches Breitwandpanorama der mittelalterlichen Welt, es hat unglaublich viele Erzählstränge, Themen und Figuren. Eine ganze Reihe an Produzenten und Regisseuren war über die Jahre daran, sogar Bernd Eichinger hat eine Zeit lang daran gearbeitet. Als Letzter in der Reihe hat man das Glück, aus erzählerischen Sackgassen, in die Kollegen geraten waren, zu lernen. Man weiß zumindest schon mal, wie es nicht geht.

Was war die besondere Herausforderung?

Das Konzentrat der Geschichte zu finden. Was lässt man weg, was muss hinein, wie viel Freiheit in der filmischen Interpretation ist nötig, wie viel möglich? Unser Ziel war, dem Roman in seinem Geist, seinen Themen und seinen Figuren absolut treuzubleiben, gleichzeitig aber die Erzählstruktur so zu modifizieren, dass sich in der Verkürzung von Kino trotzdem solide Spannungsbögen herstellen.

Was sind Ihre Schwerpunkte?

Der „Medicus“ hat mehrere Schichten. Auf einer Ebene ist er eine „Coming-of-Age“-Story. Der Held Rob ist getrieben vom Drang nach Erkenntnis und Wissen. Er will ein guter Arzt werden, um den Menschen besser helfen zu können, und stößt dabei an Grenzen. Seine Zeit ist abergläubisch, die Kirche steht jedem Fortschritt entgegen. Auf einer anderen Ebene ist die Geschichte auch eine Reise durch die drei Weltreligionen. Wir erleben jede von ihrer gewaltsamen Schattenseite, sehen gleichzeitig aber auch, wie sich Rob mit einem Juden und einem Muslim anfreundet und gemeinsam mit ihnen gegen die Pest kämpft. Der Roman ist ein Plädoyer für religiöse Toleranz. Wer Noah Gordon kennt, weiß, dass diese zutiefst humanistische Botschaft sein größtes Anliegen ist.

Wie sind Sie denn bei der Auswahl vorgegangen?

Wir haben unter anderem geguckt: Was sind die zentralen Szenen, Momente, an die sich die Leser von damals noch erinnern, was sind die Elemente, die für sie den „Medicus-Zauber“ ausmachen? Wir haben da ziemlich viel recherchiert. Die seherische Gabe von Rob war ganz zentral, die verbotene Obduktion, die Pest und die verrückte Schah-Figur, die Eroberung von Isfahan durch die Seldschuken. All das kommt jetzt auch in unserem Film vor.

Was haben Sie ganz bewusst weggelassen?

Dinge, die in der Verknappung vom Film einfach nicht funktioniert haben. Den Tod des Baders beispielsweise, der kommt im Roman nach 300 Seiten und ist berührend, aber im Film würden sich dann die Toten schon in den ersten 40 Minuten derart summieren, dass eine absurde Wirkung entstünde. Mary, die rothaarige Schottin, in die sich Rob auf seiner Reise verliebt, haben wir mit Noah Gordons Segen durch die jüdische Rebecca ersetzt, weil die Schottin nicht logisch zu integrieren war.

Wie gefällt denn Noah Gordon Ihre Fassung?

Wir haben uns sehr eng mit ihm abgestimmt, waren mehrfach bei ihm in Boston, um mit ihm unsere Fassungen zu besprechen. Natürlich tun sich Autoren schwer, wenn ihre Geschichte anders erzählt wird. Aber Noah Gordon hat einen sehr konstruktiven Dialog ermöglicht. Er ist ja ursprünglich Journalist und geht die Sachen auch pragmatisch an. Er war uns ein hilfreicher Partner. Und wir wollten unbedingt, dass ihm der Film gefällt. Das ist eine Sache des Respekts. Und das ist uns gelungen.

Der Roman ist ein Plädoyer für religiöse Toleranz. Wer Noah Gordon kennt, weiß, dass diese humanistische Botschaft sein größtes Anliegen ist.
Regisseur Philipp Stölzl
Zur Person
Philipp Stölzl ist ein Regie-Tausendsassa. 1967 in München geboren, arbeitete er zunächst als Bühnenbildner am Sprechtheater. Seit 1997 drehte er Musikvideos, etwa für Madonna, Die Toten Hosen, Mick Jagger und Luciano Pavarotti. Seinen ersten Film drehte er 2001: „Baby“. Es folgten der historische Bergfilm „Nordwand“ (2008), das ebenfalls historische Liebesdrama „Goethe!“ (2010) und sein Hollywood-Debüt mit dem Actionthriller „The Expatriate“. Seit einigen Jahren ist Stölzl auch als Opernregisseur erfolgreich, zuletzt mit „Il Trovatore“ an der Berliner Staatsoper und Anna Netrebko und Placido Domingo in den Hauptrollen. (dpa)

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