Montag, 01.06.2009 - ARD: 20.15 Uhr
Tatort: Kinderwunsch
Nachwuchs um jeden Preis
Ein Baby - die Erfüllung dieses Wunsches durch moderne Medizin kann unfreiwillig kinderlose Paare sehr weit treiben: in fünfstellige Geldbeträge, an den Rand der Legalität, der Moral ... Und: Unerfüllte Kinderwünsche fordern längst nicht nur die seriöse Medizin heraus, sie rufen auch miese Geschäftemacher auf den Plan. Einem international tätigen Konsortium der künstlichen Befruchtung ist eine Enthüllungsjournalistin im Ösi-"Tatort: Kinderwunsch" auf der Spur. - Gewesen, muss man sagen, denn die junge Reporterin wird gleich zu Beginn als Leiche aus der Donau gefischt. Ein Fall, nicht nur für die örtliche Kripo, sondern auch fürs Innenministerium in Wien, das seinen besten Mann, Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), schickt.

Der bereits angeschlagene Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) muss sich gegen üble Verbrecher verteidigen.
Bild von: rbb / ORF / Allegro Film / Petro Domenigg
Gut 15 Prozent der deutschen Ehepaare haben Schwierigkeiten, auf natürlichem Weg Eltern zu werden. 50.000 Paare wenden sich pro Jahr an Reproduktionsmediziner, um der Biologie auf die Sprünge zu helfen. - Ein relevantes und gar kein leichtes Thema also, das Regisseur Walter Banner (er inszenierte unter anderem zahlreiche Folgen von "Der Bulle von Tölz", Sat.1) in einem ansonsten doch arg konventionell erzählten Kriminalfilm verpackt hat.
Eisner arbeitet vor Ort mit seiner Linzer Kollegin Karin Brandstätter (Fanny Stavjanik, eine wunderbare Entdeckung als Kommissarin) und deren Assistent Wolfgang Rohrmoser (Michael Menzel, gefällt im 80er-Jahre-No-Style-Look) zusammen. Drei klasse Typen, ein starkes Team. Und eigentlich ist im wirklich stark fotografierten herbstlichen Linz die Welt des Wiener Sonderermittlers fast schon eine Spur zu in Ordnung, scheint ihm doch - wieder einmal - just hier eine neue Liebe zu begegnen: Die schöne Pianistin Maria Drenkow (Dorka Gryllus) ist - rein zufällig? - gegen sein Auto gefahren. Einen Blick, ein Date im Café und ein Abendessen später scheint es schon geschehen um den stattlichen Kriminaler.
Doch erst die Arbeit, dann das Spiel: Eisner ermittelt in einem Fall, der leider recht vorhersehbar aufgelöst wird. Einige der mithilfe eines Instituts für künstliche Befruchtung gezeugten Kinder sehen halt so gar nicht aus wie Papa und Mama ... Spannender als der Fall ist die Annäherung an das Thema: Der Film klärt zumindest in Ansätzen auf. Unter anderem erfährt man einiges über die in Europa erstaunlich unterschiedliche Rechtslage. Er greift auch moralische und ethische Fragen auf, und er regt zum Nachdenken darüber an, ob und wo der unbedingte Kinderwunsch seine Grenzen haben muss. Fertility-Zentren können heute vieles tun. Aber wer ein Kind um jeden Preis will, steht nicht nur vor erheblichen finanziellen und psychischen Hürden - er leistet womöglich auch der organisierten Kriminalität Vorschub.
teleschau der Mediendienst
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Karin Brandstätter (Fanny Stavjanik) ermittelt mit Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer).
Bild von: rbb / ORF / Allegro Film / Petro Domenigg

Frau Weber (Tamara Metelka, links) bei ihrem Schwangerschaftsgymnastik-Kurs.
Bild von: rbb / ORF / Allegro Film / Petro Domenigg

Ein Vater ist außer sich: Ist der Sohn (Fabio Seidl) von Gebhard Hausner (Holger Schober, rechts) auch ein Kind aus der künstlichen Befruchtung?
Bild von: rbb / ORF / Allegro Film / Petro Domenigg