
Zweimal pro Woche arbeitet die 17-jährige Gymnasiastin im Pflegeheim ihres Wohnortes. Nachmittags, nach dem Unterricht. Jeweils vier Stunden lang hilft sie – unterstützt die Pflegebedürftigsten am Kaffeetisch, füttert, wenn die eigene Kraft der Heimbewohner dafür nicht mehr reicht, geht mit ihnen spazieren, liest vor, erzählt oder hört einfach nur zu. „Es macht Spaß, man engagiert sich sozial und bessert sogar noch das Taschengeld auf“, sagt die Drangstedterin.
Catharina Holthoff ist eine von zwölf Frauen und drei Männern, die das Pflegeheim zurzeit zusätzlich zu seinen 35 festen Mitarbeitern beschäftigt. „Die Betreuer entlasten unsere hauptamtlichen Pflegekräfte an den Vor- und Nachmittagen“, erklärt Geschäftsführer Georg Beez. Auf diese Weise hätten die Festangestellten beispielsweise mehr Zeit für ihre schriftlichen Pflegedokumentationen, ohne dass die Heimbewohner (zur Zeit 35) in dieser Zeit sich selbst überlassen blieben. Die zusätzlichen Mitarbeiter sind Ehrenamtliche. Unentgeltlich ist der Job aber nicht: Fünf Euro zahlt das Seniorenheim pro Betreuungsstunde als Entschädigung – versicherungs- und bis zu einem Jahresverdienst von 2200 Euro auch steuerfrei. „Wir haben uns das Steuergesetz genau angesehen und entdeckt, dass die Übungsleiterpauschale für Sportvereine auch für gemeinnützige Altenheime gilt“, berichtet Beez.
Hauptamtliches Personal spare das Heim durch seine Betreuer aber nicht. Der Personalschlüssel in der Pflege richte sich nach der Vergütungsvereinbarung zwischen Heimen und Kostenträgern. „Daran sind wir gebunden“, versichert der Geschäftsführer, der das Betreuer-Modell auch anderen Senioreneinrichtungen ans Herz legt. Beez regt an, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, der kreisweit Hilfswillige an Senioreneinrichtungen vermittelt. Dass es an Nachfragen für den Job mangeln könnte, glaubt er nicht. Im Drangstedter Seniorenheim sind die Fünf-Euro-Stellen vor allem bei Schülern begehrt. Zurzeit werde sogar eine Warteliste geführt, weil sämtliche 15 Stellen besetzt sind.
Als Betreuerin hat auch Christina Schneider aus Debstedt einst im Seniorenheim Brickwedel gearbeitet. Nach einem halben Jahr hat sie dort ihren Ausbildungsvertrag zur Altenpflegerin unterschrieben. „Ich hab schnell gemerkt, dass Altenpflege für mich das Richtige ist“, sagt die 20-Jährige. „Wo sonst sind Menschen so dankbar dafür, dass man sich um sie kümmert.“ Ein willkommener Nebeneffekt. „Durch den Schnupperjob haben schon einige gemerkt, dass Altenpflege viel mehr ist als Windelnwechseln und Essenanreichen“, sagt Beez. Was Betreuer wie professionelle Altenpfleger für den Beruf mitbringen müssen? „Ganz viel Geduld“, meint Christina Schneider, „und Spaß am Umgang mit Menschen.“
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