
„In der Musik kann ich mich ausdrücken“, sagt die Schottin. Aufgewachsen in England an der schottischen Grenze, spielte klassische Musik und gemeinsamer Gesang in ihrer Familie eine große Rolle. Erst als junge Erwachsene nahm sie Gesangsunterricht, später lernte sie, die keltische Rahmentrommel Bodhrán zu spielen.
Joanna Scott Douglas leitete in England ein Unternehmen mit zehn Mitarbeitern, bevor sie nach Deutschland kam. Ihre erste Station war Bremen, sie lernte die deutsche Sprache am Goethe-Institut und schloss sich einem Chor an. Das Singen nahm einen immer größeren Raum in ihrem Leben ein, 2006 gründete sie mit dem Bokeler Musiker Pascal Gentner das Duo „Boots or Bags“. „Er schrieb die Musik zu meinen Liedern“, erzählt die Sängerin, die rund 40 Songs getextet hat. Auftritte in Deutschland, Irland und England folgten, 2009 erschien die erste Boots-or-Bags-CD. Auch in diesem Jahr geht das Duo wieder auf Tournee.
Seit 2011 ist Joanna Scott Douglas zudem Sängerin und Bodhrán-Spielerin der neuen Gruppe Coomara. Gemeinsam mit Multi-Instrumentalist Jens Mencl und Perkussionist Gert Woyczechowski präsentiert sie akustische Folk- und World-Musik. Neben ihren Eigenkompositionen spielt die Band traditionelle schottische und irische Songs, die sie stilistisch abwechslungsreich und mit mehrstimmigem Gesang darbieten. Festivals in ganz Deutschland stehen im diesjährigen Terminkalender der Band, doch es sind noch Kapazitäten frei, gern auch für Auftritte in der Region.
„Es ist ein schönes Gefühl, die Menschen zu erreichen und ihnen etwas zu geben“, sagt die Sängerin mit charmantem Akzent und blickt zurück auf ihren Karriere-Anfang: „Früher war ich schüchtern, ich habe mich entwickelt. Jetzt traue ich mich, ein Lied mit so viel Gefühl zu singen, wie ich es auch geschrieben habe.“ Das Publikum singt begeistert mit, lacht oder weint auch manchmal – wie beim Lied „Prescious Time“, das einer krebskranken Freundin gewidmet ist.
Die Ideen zu den Liedtexten kommen der Sängerin beim Joggen. „Laufen ist für mich Entspannung“, sagt sie. Dann „verarbeitet“ sie Lebenssituationen aus der Kindheit sowie heutige Begebenheiten und Gedanken. Es entstehen Texte mit Tiefgang wie das Lied über den Baum vor der eigenen Haustür, dessen Stamm mit Efeu überwachsen ist. „Man sieht die verdeckte Gefahr im Leben oft nicht“, so die Künstlerin.
Die alleinerziehende Mutter zweier Kinder unterrichtet Businessenglisch, bietet Coaching als Vorbereitung auf Vorträge an, arbeitet als Übersetzerin und malt abstrakte Bilder, die sie auch verkauft. „Wenn der Tag 36 Stunden hätte, würde ich viel mehr malen“, sagt sie lächelnd.
Das Wohl ihrer 11-jährigen Tochter und ihres 12-jährigen Sohnes ist für Joanna Scott Douglas das Wichtigste in ihrem Leben. „Ich möchte ihnen alles für einen guten Weg mitgeben, damit sie gut ausgerüstet in die Welt gehen.“ Beide Kinder sind sehr musikalisch, singen und spielen Instrumente.
Mit einem neuen Angebot möchte die Sandstedterin den Frauen in der Region das Singen, Rhythmusgefühl und Trommeln näherbringen. Einzeln und in Kleingruppen trainieren die Teilnehmerinnen Ohr, Stimme, Muskulatur und Konzentration. „Jeder kann singen“, ist die Künstlerin überzeugt. (kkö)
Kontakt: Osterstader Straße 8 b, Sandstedt, 01 52/01 46 55 89.
Bands: Boots or Bags mit Pascal Gentner und Coomara mit Jens Mencl und Gert Woyczechowski.
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