
NZ: Herr Schmoldt, ist der Kreidesee ein tödliches Tauchrevier?
Schmoldt: Nein. Ich glaube, dass es weltweit kein anderes Revier mit solchen Sicherheitsstandards gibt. Wir haben drei Notruftelefone am See, wir haben geschulte Mitarbeiter, die alle selber tauchen, wir haben einen Rettungsdienst hier in Hemmoor, der keine drei Minuten bis zum See braucht.
NZ: Trotzdem sterben immer wieder Taucher im Kreidesee – in den vergangenen zehn Jahren sieben Menschen, zuletzt ein 23-Jähriger am Sonnabend.
Schmoldt: Wir stehen in der Unfallstatistik nicht schlechter da als andere Tauchreviere. Im Gegenteil: Wir haben über 30 000 Taucher pro Jahr im Kreidesee und im Schnitt vielleicht zehn Vorfälle, von denen die meisten glimpflich verlaufen. Das sind 0,02 Prozent. Weil Hemmoor aber ein kleiner Ort ist und nicht das Rote Meer mit vielen Tauchspots, gerät ein Unfall hier gleich in den Fokus.
NZ: Wie kam es zu den tödlichen Unfällen?
Schmoldt: Fast immer war es eine Verquickung unglücklicher Umstände. Der Däne, der vor drei Jahren tödlich verunglückt ist, war zum Beispiel schon wieder oben, wurde dann aber von seinem schweren Gerät wieder heruntergezogen, weil sich das Lampenkabel um seinen Arm geschlungen hatte. Auch bei dem Unfall am Sonnabend gab es einen technischen Defekt am Tauchgerät. Das ist so, als wenn ich über die Autobahn fahre und mir ein Reifen platzt. Oder als wenn ich Ski fahre und eine Lawine herunterkommt. Das sind Dinge, die man einfach nicht in der Hand hat.
NZ: Es liegt also nicht am See, der ja mit 60 Metern extrem tief ist und dort auch relativ kalt?
Schmoldt: Nein. Der See ist nicht Schuld. Die meisten Taucher sind ohnehin nur in 10 bis 30 Meter Tiefe unterwegs. Und die Ausrüstung ist mittlerweile so gut, dass auch kältere Temperaturen den Tauchern nichts ausmachen. Da wir hier in Hemmoor glasklares Wasser haben, können die Taucher unter Wasser 15 bis 20 Meter weit gucken und haben einen sehr guten Überblick.
NZ: Könnte gerade diese gute Sicht zum Leichtsinn verführen?
Schmoldt: Ich glaube nicht. Die gute Sicht erleichtert das Tauchen. Wenn man nichts sieht, taucht auch immer die Angst mit. Nein, die Bedingungen hier sind sehr gut. Die Unfälle muss man unter dem Restrisiko verbuchen, das man eingeht, wenn man sich in einen Lebensraum begibt, in den der Mensch nicht unbedingt gehört.
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