
Der Hof der Fenners liegt sehr idyllisch. Außerhalb von Midlum, in Kransburg, umrahmt von hohen Bäumen – eigentlich ideal für einen landwirtschaftlichen Betrieb. 1956 haben seine Eltern ihn gepachtet, später, 1974, dann gekauft, erzählt Karsten Fenner. Heute bewirtschaftet ihn der 54-Jährige zusammen mit seinem Bruder Uwe. „Von diesem Hof leben zwei Familien und die Altenteiler“, betont er. Und nun steht mit seinen Söhnen Matthias und Jan-Dirk die nächste Generation in den Startlöchern.
Ihr großes Problem: das Idyll. Weil der Hof direkt an einen Wald angrenzt, können die beiden Brüder ihren Betrieb nicht für die Zukunft fit machen. Der Grund: Die 250 Kühe, die in dem neuen Stall Unterschlupf finden sollen, werden durch ihren Kot zu viel Ammoniak produzieren. Und dieser Stickstoff, der aus den offenen Kuhställen mit der Luft nach draußen gelangt, könnte die benachbarten Bäume schädigen.
Uwe Fenner ist frustriert: „Wir haben ein Riesen-Problem. Unser Stall ist 35 Jahre alt, wir müssen etwas tun. Aber wir dürfen nicht.“ Einen modernen Boxenlaufstall mit einem Melkzentrum wollen die beiden Brüder bauen. Auf der anderen Seite der Straße, dort, wo seit einigen Jahren schon ihre Maschinenhalle steht.
Der Minister, der auf Einladung von Landtagsvizepräsidentin Astrid Vockert (CDU) ins Cuxland gekommen war, hörte sich das alles genau an. Neu war das für ihn nicht. Gert Lindemann (CDU) ist ausgewiesener Agrarexperte, seit Anfang 2011 ist er in Hannover für den wichtigsten Wirtschaftszweig auf dem platten Land zuständig. Die Gesetze aber kann er auch nicht ändern. Das machte er bei seinem Besuch in Midlum klar.
Das Problem im Fall Fenner: Der kleine Wald gehört nicht der Familie, sondern dem Nachbarn. Und der verweigert sich nach Auskunft der Familie. Mit seinem Einverständnis könnte man anderswo Wald aufforsten und dadurch den möglichen Schaden durch den Stallbau ausgleichen.
Der Hof von Fenner ist nicht der einzige Milchviehbetrieb im Cuxland, den die verschärfte Ammoniak-Regelung trifft. Mindestens ein Dutzend sind es, schätzt das Landvolk. „Das blockiert gerade die Milchviehbetriebe hier in ihrer Entwicklung“, betont Landvolk-Chef Jan Heusmann. Im Unterschied zu den geschlossenen Schweine- oder Hühnerställen könnte man das Problem eben nicht durch Filteranlagen lösen.
Eine Lösung hatte auch der Minister nicht parat. Sein Rat: Noch einmal das Gespräch mit dem Nachbarn suchen. „Da muss es eine Möglichkeit geben“, fand er. Jan-Dirk Fenner hat da wenig Hoffnung: „Wir waren schon bei ihm und haben ihn gefragt, warum er uns unsere Zukunft verbaut“, sagt der 21-Jährige.
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