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Kreis will nicht für seine Kinder bezahlen

Kreis Cuxhaven/Hambergen (gwh). 211 Schüler aus dem Raum Beverstedt-Hagen besuchen die Kooperative Gesamtschule (KGS) in Hambergen im Kreis Osterholz. Den Eltern sagt die Schulform mehr zu als das Angebot im Cuxland. Den von Hambergen beantragten Zuschuss lehnt die Kreisverwaltung erneut ab. Die Eltern sind empört.

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211 Schüler aus Beverstedt und Hagen haben ein Ziel: die Gesamtschule Hambergen. Die drei Schulbuslinien durch die beiden Samtgemeinden organisierten die Eltern selber mit Hilfe einer Bokeler Busfirma. Foto: dib

Früher gab es an der KGS Hambergen, die Haupt- und Realschule sowie Gymnasium bis Klasse 10 in sich vereint, nur vereinzelte Gastschüler aus den Samtgemeinden Beverstedter und Hagen. „Im neuen Schuljahr 2009/2010 aber werden es schon rund 250 sein“, kündigte Schulelternsprecherin Silvia Müller aus Bokel an.

273 Euro möchte die Samtgemeinde Hambergen als Schulträger pro Kind und Jahr vom Kreis Cuxhaven haben. „Die Forderung ist nicht unverschämt“, betont Müller. Sie berücksichtige nur die sächlichen Kosten: „Der Betrag ist absolut nicht kostendeckend“, ergänzt Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen.

Die Politik lehnte bereits 2005 diesen Antrag ab, der nun morgen im Schulausschuss wieder auf der Tagesordnung steht. Die Empfehlung der Kreisverwaltung: „Eine Beteiligung an den Kosten unterbleibt.“ Die Sitzung findet um 16 Uhr in der Haupt- und Realschule Bederkesa (Mühlenweg 9) statt.

Die KGS Hambergen wäre kein Thema, wenn in den 90er Jahren die angestrebte Umwandlung des Beverstedter Schulzentrums in eine Gesamtschule nicht am ideologischen Parteienstreit gescheitert wäre. Zwei Beschlüsse der CDU/FDP-Landesregierung sorgten ab 2005 für Zulauf an der KGS: Abschaffung der Orientierungsstufe und die damit verbundene frühe Festlegung bereits ab Klasse 5 auf Haupt- und Realschule oder Gymnasium sowie Einstieg ins „Turbo-Abitur“ nach 12 statt 13 Jahren.

Abitur erst nach 13 Jahren

Die Eltern loben am KGS-Modell „das druckfreiere Lernen und die Durchlässigkeit des integrativen Unterrichts, bei einer Umorientierung müssen die Kinder nicht die Klasse wechseln“, so Sabine Paulawitz aus Wulsbüttel und Nathalie Röpper aus Beverstedt. „Bei meinen Töchtern habe ich positive Erfahrungen gemacht, vor allem was schulische Leistungen betrifft“, sagt Paulawitz.

Auch Tanja Eylers aus Hagen hat die Entscheidung, ihre Kinder nach Hambergen zu schicken nicht bereut: „Ganztagsschulen wie Hagen und Beverstedt oder die Anforderung am Gymnasium Waldschule entsprechen nicht unseren Wünschen. Die KGS gibt Spätzündern andere Chancen, sie geht anders auf sie zu.“ Froh sind die Eltern von Gymnasiasten, dass ihre Kinder beim KGS-Kooperationspartner, der Integrierten Gesamtschule (IGS) Osterholz in Buschhausen, das Abitur erst in Klasse 13 machen. Röpper: „Sie stehen schon genug unter Druck.“

Kostenlos ist der KGS-Besuch für die Eltern nicht: Bisher zahlen sie pro Jahr 60 Euro, ab Sommer 120 Euro als „Anerkennungsbeitrag“. Hinzu kommen im Schnitt 200 Euro für die im Herbst selber organisierten drei Schulbuslinien. Früher fuhren die Eltern selber oder buchten teure Sammeltaxen. Der Kreis zahlt nach öffentlichem Nahverkehrstarif zwei Drittel der Beförderungskosten (85 000 Euro). Dazu ist der Kreis per Gesetz verpflichtet, weil er selber keine eigene Gesamtschule anbietet.

Kreis spart bei Abwanderung

Dass sich der Kreis nicht an den Beschulungskosten beteiligt, verärgert die Eltern. „Er bezahlt nicht einmal die Schülerunfallversicherung“, kritisiert auch Paulawitz. Da die Abwanderung zudem das Schulbudget entlastet, spart der Kreis so insgesamt 17 890 Euro.

„Wir fordern, dass er die 273 Euro übernimmt“, so Müller. Zumal er beim Nachbarkreis Stade für Nordkehdinger Kinder, die das Gymnasium Hemmoor-Warstade besuchen, selber den vollen kostendeckenden Betrag kassiere. Derzeit rund 650 Euro.

„Unser Vorschlag ist angemessen“, meint Lütjen. „Mehr wollen wir nicht, weil auch wir von den Schülern aus Beverstedt und Hagen profitieren.“ Dies trage nicht nur zur Standortstärkung bei: „Die Schule hat insgesamt gewonnen.“

Rückdeckung auch vom Osterholzer Landrat Dr. Jörg Mielke: „Das Begehren der Hamberger ist berechtigt.“ Zwingen aber können er und Lütjen den Kreis Cuxhaven nicht. Für eine Zahlungsverpflichtung wird zwar die Schulgesetz-Vorgabe „mindestens ein Viertel Schüler aus dem eigenen Schuleinzugsbereich“ erfüllt. Die zweite Vorgabe, dass es einen Schulentwicklungsplan dafür geben muss, wird nicht erfüllt – es gibt keinen.

Zudem halte der Kreis Cuxhaven in Beverstedt und Hagen ein ausreichendes Schulangebot vor, dass nicht genutzt werde, sagt Cuxhavens Schuldezernent Friedrich Redeker. Er verweist überdies auf die schlechte Finanzlage und auf die Forderung des Landes, als Gegenleistung für eine Sonderzuweisung vier Millionen Euro einsparen zu müssen: „Eine Entscheidung pro Hambergen fällt schwer, während wir andere Bereiche zusammensparen müssen.“

Artikel vom 24.02.09 - 10:00 Uhr
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