
Krabbenauktion Lauwersoog: Wie in einem kleinen Kino sitzen ein Dutzend Männer in Arbeitsklamotten und Gummistiefeln auf den Bänken, starren gebannt auf die große Wandprojektion und den Laptop vor sich, haben gleichzeitig das Handy am Ohr und drücken plötzlich auf die Tastatur des Computers. Die rückwärts laufende Uhr an der Tafel stoppt. Der Preis steht: 3,12 Euro für ein Kilo frische Krabben.
Über 20 Tonnen Krabben werden an diesem Morgen in der Krabbenauktion von Lauwersoog in den Niederlanden versteigert. Alles frische Ware, die erst ein, zwei Tage vorher von einem Kutter in der Nordsee gefangen wurde. Mit dabei sind auch 1,38 Tonnen Krabben aus Cuxhaven, vom Cuxhavener Kutter „Goedeke Michel“. Eigner Torben Hinners möchte noch lange vom Krabbenfang leben. Deshalb hat er sich entschlossen, bei der Vermarktung seiner Krabben einen neuen Weg zu gehen.
Dieser Weg führt für ihn seit zwei Wochen über die Krabbenauktion in Lauwersoog. Vor zwei Wochen organisierte er zum ersten Mal den Transport seiner Krabben in das holländische Krabbenzentrum. Zusammen mit einigen anderen Fischern aus den Sielhäfen Spieka, Dorum und Wremen liefert Hinners inzwischen regelmäßig direkt dorthin.
Als erste Reaktion hätten die Händler schon mehr bezahlt als noch vor ein paar Wochen, heißt es. Genau das ist das Ziel von Torben Hinners und seinem Vater Robert, der seit Jahren die Interessen der Elbe-Weserfischer vertritt: „Wir wollen mehr Markt und weniger Preisdiktat der Großhändler erreichen“, sagt Robert Hinners. Zusammen mit seinem Sohn und einigen Mitstreitern ist er sicher, auf dem richtigen Kurs zu sein. „So, wie bisher kann es einfach nicht weitergehen, das führt die kleinen Familienbetriebe in den Ruin“, kritisiert Hinners. Um sich ein eigenes Bild zu machen, besuchten zehn Fischer die Auktion in Lauwersoog.
Der kleine Ort mit dem erstaunlich großen Hafenbecken ist vor 40 Jahren im Zuge der Eindeichung des Lauwersmeeres entstanden. Der wichtigste Betrieb ist der Visafslag Lauwersoog, eine GmbH, die den Fischern einen Rundumservice bietet und auch die Auktion für Krabben und Frischfisch organisiert. Deren Geschäftsführer ist Harry Smit, ein gelernter Wirtschaftsprüfer.
Verauktioniert werden Fisch und Krabben etwa im gleichen Verhältnis. Mit 4500 Tonnen Jahresumsatz sei Lauwersoog der größte Auktionsstandort für Krabben in Europa, mit einer Lizenz für drei Siebanlagen. Rund 150 Kutter beliefern die Auktion mit Krabben. Damit diese möglichst frisch beim Kunden ankommen, wird mindestens dreimal in der Woche verauktioniert. Die Preise hängen auch hier von Angebot und Nachfrage ab. Je mehr Ware die Großhändler über die Auktion zukaufen müssen, desto höher fällt der Preis aus.
Hinners will sich nicht wieder vertraglich an die Großhändler binden. Er ist überzeugt, dass sich der neue Vermarktungsweg mit mindestens 10 000 Euro pro Jahr auszahlen wird.
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