
Er stammt aus Kasachstan und ist vor 13 Jahren als Deutschstämmiger mit seiner Familie nach Norddeutschland umgesiedelt. Von Kindheit an hat er Erfahrungen mit dem Eisangeln, das in Russland sehr beliebt ist, gesammelt.
Alexander Baron ist im wahrsten Sinne ein „Naturbursche“ mit einem großen Erfahrungsschatz über die Natur, aber vor allem das Eisangeln. Er weiß alles zu deuten, zum Beispiel die Risse im See oder den ungünstigen Ostwind. „Die Risse zeigen mir an, wo der See tiefer und die Eisdecke dünner wird“, erklärt er und beweist es kurz darauf mit seinem Eisbohrer. Vor dem Riss ist die Eisdecke etwa 18 Zentimeter dick, hinter dem Riss, ein paar Meter weiter, nur noch etwa zehn Zentimeter. „Ab hier wird es in Richtung Seemitte gefährlich“, weiß er.
Schon in Russland sagte man: „Wenn der Wind von Osten kommt, bleib zu Hause, da beißt kein Fisch.“ In Deutschland sei es genauso, weiß Alexander Baron aufgrund seiner Erfahrung, die er auch in seiner neuen Heimat gemacht hat. „Hier ist genauso eine schöne Natur wie in Kasachstan. Wir fühlen uns in Wehdel wohl“, freut sich Baron.
Trotz zeitweiligem Sonnenschein pfeift auf der Freifläche des Sees bei schon sibirischer Kälte ein eisiger Wind. „Alkohol zum Aufwärmen ist bei diesem Hobby ein falsches Mittel. Wenn man zuviel davon im Körper hat, frieren einem zuerst die Füße und Hände ab, ohne dass man davon etwas merkt“, erklärt Baron. Seine Devise: „Lieber richtige warme Kleidung anziehen und heißen Tee trinken.“
Sein Hobby, das Angeln, hat im Laufe der Jahre seine Freizeit total vereinnahmt. Aber jeder, der intensiv ein Hobby betreibt, sei irgendwie etwas verrückt, erklärt Baron. Die Imitationen am Angelhaken, sie variieren je nachdem, welche Fischart man fangen möchte, hat er teilweise aus Russland mitgebracht, andere hat er in seiner neuen Heimat selbst angefertigt.
Auch hierbei offenbart er sein großes Fachwissen über Fische und Köder. Mit den Imitationen, die mal wie ein Wurm aussehen oder einfach nur glänzen, wolle er die Neugier der Fische wecken, erklärt Baron. Gesagt und getan, kurz darauf hat der eingefleischte Hobbyangler schon einen Weißfisch an seiner Angel, die einen nur rund 50 Zentimeter langen Stock hat.
Mehr zur Seemitte hin geht Baron auf Weißfischfang, mehr zum Uferrand hin möchte er Kaulbarsche fangen. „Kaulbarsche sind in Deutschland als Speisefisch nicht hoch angesehen. In Russland wird er dagegen gern gefangen. Meine Frau macht daraus eine leckere Fischsuppe“, erzählt Baron.
Kräftige Schreie von einer Vogelformation, die über den See hinwegzieht, lenken Barons Blick zum Himmel. „Schau, der Frühling kündigt sich an, die Kraniche kommen. Ich werde dem Eisangeln nur noch eine Woche lang nachgehen können. Nächste Woche wird es wieder wärmer“, gibt sich Alexander Baron auch als Wetterprophet. (le)
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