
Gesenkten Blickes sieht man groß und klein an der Wasserkante entlangstreifen, auf der Jagd nach den vielfarbigen und vielgestaltigen Schalen von Herz-, Mies-, Schwert-, Pfeffer-, Teppich-, Sandklaffmuschel bis hin zu Engelsflügel und Roter Bohne. Aber welchen Aufwand betreiben Muscheln eigentlich, um sich so schick in Schale zu werfen?
Wenn eine Muschellarve aus dem Ei schlüpft, schwimmt sie zunächst als Larve durch das Wattenmeer, frei und nahezu unbeschwert. Der Nachteil dieses mobilen Lebensstadiums: Fressfeinde können sich ohne Umschweife die kleinen Happen einverleiben.
Wenn sie beschließt, erwachsen zu werden und zum geruhsamen Bodenleben überzugehen, legt sich die Muschel also sicherheitshalber eine Schale zu. Immer in zwei Hälften, dadurch ist sie auch bei ähnlichen Formen gut von Schnecken zu unterscheiden, die sich im Laufe der Evolution für den klassischen Einteiler entschieden haben. Die zwei Schalenhälften sind an einer Seite mit einer Art Scharnier verbunden, einem elastischen Schlossband (Ligament). Es hält die Schale offen, damit die Muschel Kontakt zur Außenwelt mit Nahrung und Sauerstoff aufnehmen kann. Zuklappen muss die Muschel die Schalen aktiv mit Hilfe der Schließmuskeln. Damit die Schalen schön ineinander greifen und nicht seitlich verrutschen, sind die Schalenränder mit Schlosszähnen versehen.
Die Muschelschale besteht hauptsächlich aus Kalk, also Kalziumkarbonat, genauer: Aragonit, dessen Kristalle in ein organisches Gerüst (Conchyn) eingebaut werden. In der dicken Hauptschicht sind die Kristalle wie Prismen angeordnet (Prismenschicht). Auf der Innenseite der Schale sind viele kleine Kalkplättchen schichtweise angeordnet. Durch die Plättchen wird das einfallende Licht teilweise durchgelassen, teilweise reflektiert. So entsteht der Perlmutt-Effekt (Perlmutt-Schicht). Das vielfarbig glänzende und stabile Perlmutt wird schon seit langer Zeit zur Herstellung von Schmuck, Knöpfen, im Möbel- und Instrumentenbau verwendet.
Da sich Kalk ja eigentlich im Wasser auflöst, schützt die Muschel ihre Schale von außen mit einer dünnen, hornartigen Substanz, dem Periostracum. Nach dem Tod des Tieres geht diese Schicht kaputt.
Ähnlich wie Bäume bilden Muschelschalen während des Wachstums „Jahresringe“ aus, die Aufschluss über die Umweltbedingungen geben. In guten Zeiten wachsen sie schneller, die Ringe sind breiter als in mageren Zeiten. (nz)
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