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Der zwölfte Mann heißt Ouzo


Kreis Cuxhaven. Die Küche bei Ionnais Fantidis ist zwar noch kalt. Aber der griechische Wirt aus Nordholz ist vor dem EM-Viertelfinale Deutschland gegen Griechenland schon so richtig auf Betriebstemperatur. „Wie ein Vulkan“, sagt er und nimmt einen tiefen Zug zur Beruhigung aus der Zigarette. „Schatz, ihr verliert sowieso“, sagt seine deutsche Frau Nevenka. Bei einem Wirt aus Loxstedt kreist die Ouzo-Flasche, ganz egal, wer gewinnt. Von Tobias Schwerdtfeger


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Aufgepasst, heute Abend geht es zur Sache: Ioannis Fantidis und seine Frau Sevenka sind ein Herz und eine Seele, außer es spielen Griechenland und Deutschland auf dem Fußballplatz gegeneinander. Er feuert die Hellenen an, die Gattin hat ihr Herz an Jogis Kicker verloren. Foto ts

Da steht Ioannis Fantidis. Ein Hüne von Mann. Er ist Grieche, ein stolzer. Über dem meeresblauen Polo-Shirt baumelt der Zipfel eines Griechenland-Fan-Schals. Fußball, das ist sein Leben. „Wenn ihr in der ersten halben Stunde kein Tor schießt, dann gewinnen wir.“ Er reibt sich die Hände, steckt sich eine Zigarette an, zieht fest daran. „Mein Mann“, sagt Nevenka Fantidis. Und lächelt ihn sanft an.

Fantidis hat alles, was ein Mann braucht. Eine hübsche Frau, ein schönes Haus und einen wohlgeratenen Sohn – auch wenn der Sechsjährige an seinem Kinderfahrrad lieber die deutsche Fan-Flagge montiert hat. „In Nordholz gab es keine griechischen Flaggen zu kaufen. Das ist sehr schade“, sagt Fantidis.

Er hat auch eine schöne Couch – die Spiele schaut er vor dem Fernseher trotzdem häufig im Stehen, spielt im Wohnzimmer quasi mit. Bei wichtigen Spielen raucht er schon mal zwei Päckchen Zigaretten zur Beruhigung, sagt seine Frau. Und wenn er das Geschehen auf dem Rasen lauthals kommentiert, denken andere schon mal, es würden sich zwei Menschen aufgeregt streiten. „Wie damals in Griechenland, als deine Mutter kam und fragte, ob bei uns alles in Ordnung ist“, erinnert sich Nevenka Fantidis.

Eigentlich wäre auch alles in Ordnung. Wenn nicht heute Deutschland gegen Griechenland spielen und wenn die Gattin nicht die deutsche Mannschaft unterstützen würde. Ihr Herz gehört ihrem Ioannis – mit dem sie seit April in Nordholz das griechische Restaurant „Kytaro“ betreibt – und der deutschen Nationalmannschaft. „Özil“, sagt sie, „der ist doch klasse.“ Ihr Mann lächelt. „Ihr werdet verlieren. Wir rühren hinten Beton an. Da kommt niemand durch. Und vorne reicht uns eine Chance“, erklärt der Hausherr die Taktik der Hellenen für heute Abend. „Pff, als ob. Drei zu Null, mein Lieber, Drei zu Null für uns“, kontert sie. Das Viertelfinale kann kommen. Wenn es doch nicht noch so lange hin wäre...

Torwart soll Schnaps trinken

Christos Chalos, der Wirt des Loxstedter Restaurants „Athen“, wird es natürlich auch anschauen, das Spiel der Spiele. Die Chancen für einen Sieg der Hellenen sieht er „50 zu 50“. 15 Reservierungen für heute Abend hat er schon. Ganz egal, wer am Ende gewinnt: „Ich gebe eine Runde Ouzo aus.“

Auf die Wirkung der hochprozentigen Wunder-Waffe setzt auch Fantidis. Und zwar in der Blutbahn von Nationaltorwart Manuel Neuer. Der spiele so stark, dass er sich wünschen würden, dass Neuer „vor dem Spiel ein paar Ouzo trinkt“. Das wäre bestimmt nicht so gut für dessen Reflexe, witzelt der Wirt.

Den Anisschnaps gibt es natürlich auch für die Gäste, die heute im „Kytaro“ Essen gehen. Wenn es voll wird und gewünscht ist, dann stellen die Wirtsleute einen Fernseher auf. Wenn nicht, dann läuft das Spiel zur Not auch auf dem Notebook unter dem Tresen.

Spergiou Kostadinos, Kellner im Nordholzer Restaurant „Korfu“, ist zu Spielbeginn hoffentlich schon zu Hause vor dem TV. „Ich bin großer Fan“, sagt er.

„Wenn Griechenland verliert, dann bin ich danach aber für Deutschland“, sagt Fantidis. Jetzt lächelt seine Frau. Am Ende wird alles gut, oder wie Kostadinos sagt: „Am Ende sind wir alle Freunde.“

Griechen im Landkreis

108 Griechen freuen sich auf das Spiel gegen Deutschland heute Abend. Denn so viele sind im Landkreis Cuxhaven gemeldet, 48 davon in der Stadt Cuxhaven. In Bremerhaven wohnen 199 Griechen.

Artikel vom 22.06.12 - 16:00 Uhr
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