
Da steht Ioannis Fantidis. Ein Hüne von Mann. Er ist Grieche, ein stolzer. Über dem meeresblauen Polo-Shirt baumelt der Zipfel eines Griechenland-Fan-Schals. Fußball, das ist sein Leben. „Wenn ihr in der ersten halben Stunde kein Tor schießt, dann gewinnen wir.“ Er reibt sich die Hände, steckt sich eine Zigarette an, zieht fest daran. „Mein Mann“, sagt Nevenka Fantidis. Und lächelt ihn sanft an.
Fantidis hat alles, was ein Mann braucht. Eine hübsche Frau, ein schönes Haus und einen wohlgeratenen Sohn – auch wenn der Sechsjährige an seinem Kinderfahrrad lieber die deutsche Fan-Flagge montiert hat. „In Nordholz gab es keine griechischen Flaggen zu kaufen. Das ist sehr schade“, sagt Fantidis.
Er hat auch eine schöne Couch – die Spiele schaut er vor dem Fernseher trotzdem häufig im Stehen, spielt im Wohnzimmer quasi mit. Bei wichtigen Spielen raucht er schon mal zwei Päckchen Zigaretten zur Beruhigung, sagt seine Frau. Und wenn er das Geschehen auf dem Rasen lauthals kommentiert, denken andere schon mal, es würden sich zwei Menschen aufgeregt streiten. „Wie damals in Griechenland, als deine Mutter kam und fragte, ob bei uns alles in Ordnung ist“, erinnert sich Nevenka Fantidis.
Eigentlich wäre auch alles in Ordnung. Wenn nicht heute Deutschland gegen Griechenland spielen und wenn die Gattin nicht die deutsche Mannschaft unterstützen würde. Ihr Herz gehört ihrem Ioannis – mit dem sie seit April in Nordholz das griechische Restaurant „Kytaro“ betreibt – und der deutschen Nationalmannschaft. „Özil“, sagt sie, „der ist doch klasse.“ Ihr Mann lächelt. „Ihr werdet verlieren. Wir rühren hinten Beton an. Da kommt niemand durch. Und vorne reicht uns eine Chance“, erklärt der Hausherr die Taktik der Hellenen für heute Abend. „Pff, als ob. Drei zu Null, mein Lieber, Drei zu Null für uns“, kontert sie. Das Viertelfinale kann kommen. Wenn es doch nicht noch so lange hin wäre...
Auf die Wirkung der hochprozentigen Wunder-Waffe setzt auch Fantidis. Und zwar in der Blutbahn von Nationaltorwart Manuel Neuer. Der spiele so stark, dass er sich wünschen würden, dass Neuer „vor dem Spiel ein paar Ouzo trinkt“. Das wäre bestimmt nicht so gut für dessen Reflexe, witzelt der Wirt.
Den Anisschnaps gibt es natürlich auch für die Gäste, die heute im „Kytaro“ Essen gehen. Wenn es voll wird und gewünscht ist, dann stellen die Wirtsleute einen Fernseher auf. Wenn nicht, dann läuft das Spiel zur Not auch auf dem Notebook unter dem Tresen.
Spergiou Kostadinos, Kellner im Nordholzer Restaurant „Korfu“, ist zu Spielbeginn hoffentlich schon zu Hause vor dem TV. „Ich bin großer Fan“, sagt er.
„Wenn Griechenland verliert, dann bin ich danach aber für Deutschland“, sagt Fantidis. Jetzt lächelt seine Frau. Am Ende wird alles gut, oder wie Kostadinos sagt: „Am Ende sind wir alle Freunde.“
Funklöcher im Cuxland sind ein großes Ärgernis. Helfen Sie uns, die Schwachstellen im Mobilfunknetz zu finden.
Hier erfahren Sie mehr.
Die große Familienserie der NORDSEE-ZEITUNG hat sich von März bis November 2012 dem Thema „Familienfreundlichkeit“ im Landkreis Cuxhaven gewidmet. Für jeden Ort und jede Gemeinde können Sie auf hochwertigem Fotopapier Luftbilder in unseren Kunden-Centern oder hier online bestellen.
