
Vorsitzender Henning Siats steht in den Räumen der ehemaligen Schule und zählt Münzen. Geld, das in die Spendendosen gewandert ist, die der rührige Verein seit dem Frühjahr im Dorf aufgestellt hat. „1000 Euro sind da schon zusammengekommen“, freut sich Siats. Plus 4000 Euro, die der Verein mit Veranstaltungen eingenommen hat.
60 000 Euro muss der Heimatkreis sammeln, damit aus seinem Traum Wirklichkeit werden kann. Handfeste Pläne gibt es schon. 240 000 Euro soll es kosten, den 13 Meter hohen Turm nachzubauen. Historische Baupläne haben die Leuchtturm-Liebhaber im Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven aufgetrieben. Drei Viertel der Baukosten könnte über die EU finanziert werden, den Rest muss der Verein selber aufbringen. Siats hat Stiftungen, Vereine und Verbände angeschrieben. Bisher ohne Erfolg. Jetzt drängt die Zeit. Nur noch bis 2013 liegen die Fördergelder in Brüssel bereit.
„Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, versichert Siats. Zu schön klingt die Idee, mit der Hein Carstens, Mitglied im Heimatkreis und Wurster Urgestein, seine Mitstreiter vor fünf Jahren überrascht hat. Die Wurster Küste, an der einst sieben Seezeichen (drei am Deich, vier im Wurster Watt) den Schiffen den Weg nach Bremerhaven wiesen, könnte der Ursprung für eine „Leuchtturmstraße“ an der deutschen Küste werden, schlug Carstens vor. Sein Plan: Nach dem Leuchtturm Obereversand am Dorumer Tief und dem „Kleinen Preußen“ in Wremen sollte der Petroleumkocher als dritter Anziehungspunkt aufgebaut werden.
2003 wurde der Leuchtturm Obereversand, der draußen in der Weser auf einer Sandbank stand, in einer spektakulären Aktion ans Dorumer Tief geschleppt. Seither reckt der stählerne Koloss dort sein pechschwarzes Haupt in den Himmel, hat sich zum beliebten Trauungsort gemausert und Tausende von Besuchern angelockt. Ähnlich wie der „Kleine Preuße“, der ein Jahr später als originalgetreuer Nachbau des einst kleinsten Leuchtturm Deutschlands an der Einfahrt zum Wremer Kutterhafen entstand. Der Petroleumkocher könnte nun der Dritte im Bunde werden.
1887 war er in Solthörn, einer ehemaligen Fischersiedlung einige Kilometer nördlich von Wremen, errichtet worden. Seine Konstruktion wirkt wie ein übergroßer Kocher: Ein Holz-Podest, gut zehn Meter hoch, darauf ein kastenförmiger Bau und eine helle Laterne. Erinnern wird sich niemand an ihn. Schon 1905 wurde er durch ein modernes Modell ersetzt. Dieser, von Berliner Feriengästen liebevoll „Eiserner Gustav“ getauft, stand bis 1967 in Solthörn. Damals wurde der Deich massiv verbreitert, die Fischersiedlung musste weichen, der Leuchtturm wurde in die Luft gesprengt. „Man hat da noch nicht erkannt, welche Faszination Leuchttürme auf die Menschen ausüben“, sagt Henning Siats.
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