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Das nächste Topmodel gesucht


Midlum/VERDEn. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste Kuh im ganzen Land? Diese Frage gilt es am heutigen Donnerstag in Verden zu klären: Bei der „Schau der Besten“ zeigen sich rund 200 Schwarz- und Rotbunte von ihrer schönsten Seite und kämpfen um den Misstitel. Mit dabei sind auch zwei Kühe von André Ahrens aus Midlum. Besonders mit der erfahrenen „Lady Gaga“ rechnet der Landwirt sich Chancen aus. Von Kristin Seelbach


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Am großen „Schautag“ legt Kuhfriseur Eike Spangenberg Hand an die Kühe und verpasst ihnen mit Föhn und Bürste den letzten Schliff. Foto dpa

Viel Heu für die schlanke Linie, Mineralfutter und Selen gegen den Stress und häufiges Abmelken für ein kleines, straffes Euter – der Ernährungsplan für Schaukühe ist fast so streng wie der für ihre menschlichen Kolleginnen. Schließlich muss sie bei der Wahl in Topform sein. „Rund anderthalb Jahre vor der Schau beginnen die Planungen für Futter und das letzte Abkalben vor der Schau“, erklärt André Ahrens. Die beste Zeit dafür sei zum Beisspiel acht bis zwölf Wochen vor dem Schönheitswettbewerb, damit die Kuh Zeit hat, wieder in Form zu kommen.

Die fünfjährige „Lady Gaga“, auf die Ahrens in diesem Jahr seine größte Hoffnung legt, war mit dem letzten Kalb Mitte Dezember etwas spät dran. „Deshalb musste sie diesmal etwas schneller abspecken“, erklärt der junge Landwirt und schmunzelt.

Eine schlanke Figur sei wichtig, damit der Körperbau der Kuh optimal zur Geltung komme. „Entscheidend sind breite Rippen, ein optimal gelagertes Becken, schmale Fesseln und ein weit über dem Sprunggelenk gelagertes Euter“, erklärt der Kuh-Experte. Außerdem muss dieses klein und fest sein und möglichst viele Adern zeigen. „Das erreichen wir, in dem wir die Kuh in den Wochen vor der Schau häufiger melken. Und vor der Präsentation wird sie dann etwa 12 Stunden nicht gemolken, so dass das Euter schön anschwillt.“

Der 26-Jährige kennt sich mit den vierbeinigen Models aus. Seit zehn Jahren präsentiert er seine Schönheiten regelmäßig auf Schauen. Die Liebe dazu entdeckte er auf seinem Lehrhof in Nienburg. „Die Züchter dort haben regelmäßig Tiere ausgestellt, und ich habe es dann einfach mal mit unseren eigenen Tieren ausprobiert.“ Mit Erfolg: Seine Kuh „Hawaii“ zählte viele Jahre zu den Favoritinnen. Ihre Nachfolgerin, „Lady Gaga“, die André Ahrens vor zwei Jahren in der Schweiz gekauft hat, soll es ihr nachmachen. „Das Zeug dazu hat sie“, ist sich der Züchter sicher. Neben der erfahrenen „Lady Gaga“, die in der Klasse der Tier mit zwei oder drei Kälbern antritt, zeigt Ahrens mit „Elegante“ auch eine zweite, jüngere Kuh. „Bei ihr müssen wir einfach mal schauen, wie sie sich macht.“

„Stress ist Gift für die Kuh“

Bereits drei Tage vor der Schau treffen die Kühe in Verden ein, damit sie Zeit haben, sich an die Umgebung zu gewöhnen und sich von der Reise erholen können. „Stress ist Gift für die Tiere.“ Betreut werden sie dort von Ahrens‘ Kollegen Eike Spangenberg, der selbst in der Rinderzucht arbeitet und Schauerfahrung hat. Früher blieb Ahrens selbst die gesamte Zeit bei den Tieren. „Aber da ich dann als Arbeitskraft auf unserem Hof fehle, kann ich das nicht mehr machen. Ich weiß meine Tiere aber in guten Händen“, so der Landwirt.

Eike Spangenberg ist vor Ort für die Fütterung und das Melken der Tiere verantwortlich. „Die Kühe bekommen spezielles Kraftfutter und Heu, damit sie zum Wettbewerb schön vollgefressen ist und der Pansen tiefer liegt“, so Spangenberg. Am Donnerstag poliert Spangenberg die Kühe gemeinsam mit Ahrens auf Hochglanz. „Sie werden noch einmal geschoren, damit die Rippen deutlich hervortreten. Außerdem werden die Haare am oberen Rücken geföhnt damit die Kühe eine glatte Oberlinie bekommen“, erklärt Kuhfriseur Spangenberg.

Zum Abschluss werden die Tiere mit einer Art Haarlack eingesprüht und das Euter mit Babyöl eingerieben, damit die Adern noch besser hervortreten. Vier bis fünf Stunden dauert es, bis die Kuh „perfekt“ ist. Ob sich die Arbeit lohnt, hänge dann auch von den Preisrichtern ab, weiß Ahrens. „Chancen auf den Sieg hat ‚Lady Gaga‘ sicher, letztlich ist alles aber auch immer eine Geschmacksfrage. Wie bei den Menschen auch.“

Zum Weiterschauen

Wer nicht genug von schönen Kühen bekommt, kann im Bildband „Schöne Kühe“ von Valerie Porter Fotografien und Beschreibungen von Rassen aus aller Welt bewundern. Das Buch kostet 17,95 Euro.

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Am großen „Schautag“ legt Kuhfriseur Eike Spangenberg Hand an die Kühe und verpasst ihnen mit Föhn und Bürste den letzten Schliff. Foto dpa
Artikel vom 23.02.12 - 16:00 Uhr
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