
Es ist schon eine ungewöhnliche Mixtur aus Wildem Westen und wahren Problemlagen, die die Theatergruppe WildwuX in ihrem aktuellen Stück „Wild West in Sell City“ auf die Bühne bringt. Themen wie demografischer Wandel und das drohende Sterben der Dörfer werden in dem Acht-Personen-Stück ebenso aufgegriffen wie der Traum von Freiheit und Abenteuer, mit dem der Cowboy-Mythos verknüpft ist.
Mit breitkrempigem Hut, Lederweste und Pistolenhalfter sitzt Sütterlin in der Probenpause vor dem Planwagen und erzählt. Zurück zu ihren Wurzeln wollen die WildwüXe in ihrem neuen Stück, das Unterwegs-Sein wieder in den Vordergrund stellen. Bald 30 Jahre ist es her, dass die Alternativkünstler mit Trecker und Zirkuswagen zu ihrem ersten Theatertreck aufgebrochen sind. Und auch diesmal stehen die Gefährte wieder ganz im Vordergrund.
Einer davon lugt schon ganz neugierig um den Planwagen. Josef Fischer ist Vorsitzender des TSV Sellstedt, unterstützt die Truppe, wo er kann, und wird mit vier bis sechs Vereinskollegen mitspielen. „Ich muss meinen Jungs aber sagen, was sie erwartet. Mancher hat Angst, dass er hier hopp genommen wird.“ Keine Gefahr, winkt Sütterlin ab. Es gehe nur darum, dass sie zeigten, womit sie bei der Verteidigung des Dorfes helfen könnten.
Alle Vereine im Ort hatten die WildwüXe angesprochen, in der Hoffnung, die Provinz in Bewegung zu bringen. Geglückt ist das nur zum Teil. Neben den Sportlern macht auch die Jugendfeuerwehr mit. Andere Vereine hätten abgewunken, erzählt Sütterlin. Weil ihre Klientel zu alt und zu unbeweglich sei für solch ein Spektakel, hieß es. So viel zum Thema demografischer Wandel.
Tatsächlich entfachen die Theaterleute unter der Regie von Michael Meyer (Shakespeare Company) ein Feuerwerk aus Musik, Slapstick, Action-Szenen, weinerlichen Monologen und hartem Wettstreit. Alles, um ihre Botschaft an den Mann und die Frau zu bringen: Den Vorteil des Unterwegs-Seins, das die Cowboys so perfekt symbolisieren, und das neue Horizonte eröffnet und verhindert, dass man gedanklich stehen bleibt. „Wer offen ist, kann auch Gefahren bewältigen“, ist Sütterlin überzeugt. Egal, ob sie nun vom bösen Revolverhelden ausgeht oder vom schnöden Geburtenschwund.
Wo: Parkplatz Grundschule/Sportplatz Sellstedt.
Wieviel: 12 Euro, ermäßigt 7 Euro (Schüler, Azubis, Erwerbslose). Karten gibt es unter 01 74/3 16 32 34 oder an der Abendkasse
Wer: Theaterprojekt WildwuX, BDP Elbe-Weser, 0 47 46/95 10 16
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