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Post kann auch mal liegen bleiben


Hamburg. Unzufriedene Postkunden sind nicht selten. Obwohl die Zusteller gerade in den vergangenen Wochen bei Schnee und vor allem Eis Beachtliches leisteten, sind sie wie die Briefempfänger Leidtragende des immensen Kostendrucks. Von Gerald Kistner


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Die Leistungen der Deutschen Post werden immer schlechter. Bundestagsabgeordnete forderten die Bundesnetzagentur kürzlich auf, die Brieflaufzeiten unter die Lupe zu nehmen, um objektive Daten zu haben. Zeitungs- und Zeitschriftenverlage beklagen sich zunehmend darüber, dass ihre Abonnenten immer länger auf die Zustellung aktueller Exemplare warten müssen. Sie sammeln auch Beschwerden über verspätete oder nicht erfolgte Zustellung. Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle. Ein Verlagssprecher: „Die Post spart zu Lasten ihrer Kunden.“

Zwar ist der Versuch, am Wochenende keine Briefe in den Verteilzentren zu sortieren und den Briefträgern einen freien Montag zu gewähren, nach einem achtwöchigen Test im Sommer vorerst vom Tisch. Unsere Region war davon nicht betroffen.

Doch die hohen Personalausfälle, die ein Sprecher bestätigte, sind nicht nur wetterabhängig. Die Briefträger werden durch extreme Rationalisierung einem hohen Zeitdruck ausgesetzt. Und beim Ausfall eines Boten gibt es sofort Probleme. Früher sprangen dann Ersatzzusteller ein. Häufig fallen nun tageweise Zustellungen aus: Die Briefe bleiben liegen.

Die Post begründet das mit Personalmangel, streitet aber generelle Zustelleinschränkungen ab. Es sei nur nicht möglich, ausreichend Personal zu finden.

Ende nächsten Jahres wird es keinerlei Postämter mehr geben. Die Deutsche Post wird diese Funktion dann auf andere Dienstleister übertragen haben. So wird Personal eingespart. Der Service beim Briefmarkenverkauf und bei der Paketannahme wird dadurch sicherlich nicht schlechter. Wie ist das aber mit den sogenannten Postident-Verfahren, das die sichere Identifizierung für Geldgeschäfte, Renten oder künftige elektronische Post ermöglichen soll? Billige Aushilfen werden so mit amtlichen Dokumenten betraut. Die Post sieht das als Teil ihres erfolgreichen Geschäftsmodells. Die Genossenschaftsbanken denken darüber nach, ihr dichtes Filialnetz mit Fachkräften als Postagenturen anzubieten, wenn die Konditionen stimmen.

Die rückläufigen Briefzahlen mögen auch mit unzuverlässigerer Zustellung zusammenhängen. Statt Millionen in das Medium elektronischer Brief zu investieren, hätte die Post lieber mehr für ihre Mitarbeiter ausgeben sollen.

Kundentelefon

Seitdem es kaum noch Postämter gibt, die telefonisch erreichbar sind, bietet die Deutsche Post ein Kundentelefon an. Hier werden auch Beschwerden zur Zustellung oder Reklamationen entgegengenommen. Es ist unter der bundeseinheitlichen Rufnummer 01802 3333 erreichbar. Ein Gespräch kostet dabei 6 Cent aus dem Festnetz, deutlich mehr aus Mobilfunknetzen. (ki)

Artikel vom 10.03.10 - 16:00 Uhr
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