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Hartz IV: Zweifel am „Kraft-Akt“

Berlin. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) räumt dem Vorstoß der SPD-Spitzenpolitikerin Hannelore Kraft zur Beschäftigung von Hartz-IV-Empfängern wenig Chancen ein. „Wir organisieren bereits heute in erheblichem Umfang gemeinnützige Jobs für Langzeitarbeitslose“, sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur (BA), Heinrich Alt. Er verwies gestern auf Ein-Euro-Jobs.

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Kontroverse über Hartz IV.

Unterdessen hat ein mit großen Hoffnungen verknüpftes kommunales Beschäftigungsprogramm für Langzeitarbeitslose – der „Kommunal-Kombi“ von 2008 – die Erwartungen nicht erfüllt. Im Westen erwies sich das Programm sogar als totaler Flop.

Kraft will auf freiwilliger Basis für Langzeitarbeitslose mehr gemeinnützige Jobs schaffen, etwa in Altenheimen oder Sportvereinen. Das SPD-Präsidium unterstützt die Idee der SPD-Spitzenkandidatin für die nordrhein-westfälische Landtagswahl am 9. Mai. Die Reform der sogenannten Ein-Euro-Jobs sei überfällig, hieß es. Zwischen 400 000 und 600 000 Langzeitarbeitslose seien nur schwer in den normalen ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Es gehe um freiwillige Angebote – nicht um die Kürzung der Hartz-IV-Regelsätze, betont die SPD.

Die Linke schließt ein Bündnis mit der SPD in NRW aus, falls Kraft ihren Plan nicht zurücknimmt. „Der Kraft-Plan ist für uns keine Verhandlungsbasis. Wenn die SPD einfach die Hartz-Logik fortschreibt, dann ist eine Zusammenarbeit ausgeschlossen“, sagte der designierte Parteivorsitzende Klaus Ernst. Kraft wolle Jobs „auf Null-Euro-Basis“.

BA-Vorstand Alt nannte als Ziel der Bundesagentur, viele Arbeitslose wieder an den regulären Arbeitsmarkt heranzuführen und ihre Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern. Im Zuge des kommunalen Beschäftigungsprogramms wurden nur 15 825 Langzeitarbeitslose für drei Jahre eingestellt – 15 400 in Ostdeutschland und 425 im Westen. Ex-Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) war davon ausgegangen, dass mit dem Programm Jobs für 100 000 Langzeitarbeitslose geschaffen werden. Beim „Kommunal-Kombi“ können Städte und Gemeinden vom Bund drei Jahre lang maximal 500 Euro Lohnzuschuss monatlich erhalten, wenn sie einen Langzeitarbeitslosen mit zusätzlichen Tätigkeiten beschäftigten. (dpa)

Ein-Euro-Jobs

Derzeit stocken rund 245 000 Menschen ihre Hartz-IV-Bezüge durch Ein-Euro-Jobs im gemeinnützigen Bereich auf. Die eher symbolische Bezahlung kann bis zu 2,50 Euro pro Stunde betragen, ohne auf das Arbeitslosengeld II angerechnet zu werden. Für schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose sollen diese Jobs eine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt sein. Die amtlich „Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung“ genannten Zusatzjobs sind seit 2005 im sogenannten Hartz-IV-Gesetz verankert. Die Arbeiten müssen zusätzlich, im öffentlichen Interesse und wettbewerbsneutral sein. Die Minijobs sind in der Regel auf ein halbes Jahr befristet. Sozialbeiträge werden von der Nebeneinnahme nicht abgezogen, sondern von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt. (dpa)

Artikel vom 10.03.10 - 09:20 Uhr
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