Die charmante, prägnante Einführung, die die Maestra aus Mecklenburg gab, erwies sich da als unbedingt hilfreich. Denn die wenig ohrenschmeichelnden „Stimmen der Nacht“, ein Viertelstunden-„Impromptu für Orchester“ von Henning Frederichs, erschließen sich nicht leicht. Dass der 2003 gestorbene Kölner Kirchenmusiker Franz Schuberts Vertonung des Goethe-Gedichts „Über allen Gipfeln ist Ruh‘“ verarbeitet, ist für den, der es nicht weiß, kaum herauszuhören.
Auch beginnt das Werk, dessen Uraufführung Romely Pfund 2003 geleitet hat, eher unruhig: Die aufgeregte, von Schlagwerk gewürzte Eingangs-Toccata erinnerte – jahreszeitlich bedingt – eher an krachende Eisschollen. Erst allmählich stellte sich dann in Streicher-Flageoletts, in die zunächst noch ein Piccolo-Vögelchen hineinflötete, die erwartete Nachtruhe ein. Eine Stimmung wie bei leisem Schneefall.
Daran schloss Gastcellistin Quirine Viersen fast schon zu verhalten an, weshalb Robert Schumanns Cellokonzert a-Moll op. 129 eher zwiespältige Eindrücke hinterließ. Das Spätwerk ist kein gipfelstürmender Selbstläufer und kann es durchaus vertragen, vom Solisten herausgeputzt zu werden. Die junge Niederländerin entwickelte hier, bei eher kleinem Ton, doch zu wenig Führungskraft. Den ersten Satz begann sie so verhalten, dass sie stellenweise kaum zu hören war – obgleich Pfund das Städtische Orchester Bremerhaven kammermusikalisch transparent begleiten ließ. Auch für das Marsch-Finale, den eingängigsten Satz, fehlte der letzte virtuose Pfiff.
Blieb als Plus der klangschön gestaltete Mittelsatz, in dem Viersen mit Orchestercellist Adrian Richter zu Streicherpizzikati hingebungsvoll schwelgte. Auch die zugegebene Sarabande aus Bachs G-Dur-Solosuite belegte, dass dieser Solistin mehr an Feinheit und Leichtigkeit als an auftrumpfendem Zugriff gelegen war.
Nach so viel Winterruhe blieb es Franz Schuberts 6. Sinfonie, der unterschätzten „kleinen“ in C-Dur, vorbehalten, für Tauwetter zu sorgen. Romely Pfund musizierte sie sehr filigran, sehr klassisch, ließ vor allem die hervorragend disponierte Bläsergruppe aufblühen. Manche Phrase wirkte etwas stark abgezirkelt, im Scherzo etwa wäre eine weitbogigere Gestaltung, im hier sehr ruppigen Trio mehr Klangkultur denkbar.
Doch so führte alles auf das grandiose Finale hin. Der Dirigent Rafael Kubelik hat einmal bemerkt, dass Schubert hier aus einer simplen auf- und abwärts laufenden C-Dur-Tonleiter herrlichste Musik macht: „Da muss man doch glauben, dass es einen Himmel gibt.“ Bei seiner mit langem Beifall bedachten Lollegin Romely Pfund wurde es wirklich himmlisch. Irgendwann muss der Frühling ja nun mal kommen.
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