Guttenberg ist der Popstar unter den Politikern. Und wie jeder Star beeindruckt der fränkische Baron vor allem durch seinen Stil. Wenn er gut drauf ist, gibt er ausgesprochen gepflegte Sätze von sich, die so gar nicht ministerhaft oder technokratisch wirken. Er hat einen federnden Schritt, der eine gewisse Unbekümmertheit verrät. Manchmal geht er so schnell, dass ihm kaum jemand folgen kann. Der blaublütige Verteidigungsminister schafft es mühelos auf die Titelseiten aller Illustrierten.
Es gibt also eine verklärte Sicht auf den Spross eines alten Adelsgeschlechts – und eine realistische. Derzeit gewinnt die nüchterne Variante zumindest in Berlin die Oberhand. Der beeindruckende Vortrag des von Guttenberg geschassten Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan vor dem Untersuchungsausschuss belastet den Verteidigungsminister schwer. Dass er von Schneiderhan und dem Ex-Staatssekretär Peter Wichert unzureichend informiert worden sei, ist eine Einschätzung, die sich nach der elfstündigen Befragung der beiden kaum noch aufrecht erhalten lässt.
Rätselhafte Korrektur
Warum der CSU-Politiker Guttenberg das Bombardement von Kundus zunächst als zwingend bezeichnete, um sich nach vier Wochen grundsätzlich zu korrigieren, das wirkt nach der Aussage von Schneiderhan noch rätselhafter als zuvor. Als Karl-Theodor zu Guttenberg Verteidigungsminister wurde, wollte er offenbar ein Signal in die Truppe geben. Das war ihm wichtiger, als sich mit den genauen Fakten des fatalen Luftschlags auseinanderzusetzen.
Der Freiherr stürmte voran. Auch, weil er eitel ist und die schnelle Schlagzeile liebt: „Guttenberg gibt den Soldaten Rückendeckung“, hieß es damals. Seine schneidigen Vorstöße entbehren manchmal der Substanz: Dass er schon in diesem Jahr die Verkürzung auf die sechsmonatige Wehrpflicht einführen will, ist ebenfalls mehr als gewagt. Denn eine Gesetzesvorlage hat er bisher noch nicht erarbeitet.
Guttenberg ist nicht nur eitel, er macht auch Fehler. Als Minister muss er nicht begründen, warum er Spitzenbeamte entlässt. Thomas de Maizière, der regierungserfahrene CDU-Innenminister, hat nie ein Wort verlauten lassen, warum er Staatssekretär August Hanning an die Luft befördert hat. Im Vergleich dazu ist Guttenberg eine Plaudertasche. Mit seinen 39 Jahren fehle ihm die Erfahrung, sagen die, die es gut mit ihm meinen. Er ist selbstverliebt und neigt zur Selbstüberschätzung, sagen andere.
Immerhin hat sich Guttenberg nun vorgenommen zu schweigen. Zu den Vorwürfen von Schneiderhan will er sich vor dem 22. April im Untersuchungsausschuss nicht äußern. Dass er wegen der Kundus-Affäre gehen muss, ist unwahrscheinlich. Schon weil die Soldaten, so heißt es, weiter zu ihm stehen. In der Truppe dominiert offenbar immer noch das Bild des strahlenden Dynamikers. In diesem Licht verblassen seine dunklen Seiten.
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