Zum Anfassen: Chemiker Dr. Martin Schäfer zeigt den Teilnehmern der NZ+Ich-Werksbesichtigung im Entwicklungszentrum, wie sich der Kunststoff anfühlt, der mit Zusätzen aus der Produktion des Loxstedter Werks von Emery Oleochemicals hergestellt wurde. Foto: Fixy
Zum Anfassen: Chemiker Dr. Martin Schäfer zeigt den Teilnehmern der NZ+Ich-Werksbesichtigung im Entwicklungszentrum, wie sich der Kunststoff anfühlt, der mit Zusätzen aus der Produktion des Loxstedter Werks von Emery Oleochemicals hergestellt wurde. Foto: Fixy

Im Chemiewerk riecht es nach Kerzen

NZ+Ich: Leser löchern die Chemiker von Emery Oleochemicals in Loxstedt mit ihren Fragen.

Loxstedt. Was kochen die Chemiker bei Emery Oleochemicals in Loxstedt? Die Teilnehmer der Werksbesichtigung im Rahmen der NZ+Ich-Aktion nutzten de Chance, um das herauszubekommen. Zunächst gab Geschäftsführer Jörn Ellerbrake einen Überblick, dann gab es in der Entwicklungsabteilung Endprodukte zum Anfassen und man konnte die Veresterung hautnah erleben.

„Hier riecht es nach Kerzenwachs“, stellten die Besucher fest, als sie den ersten Kessel-Riesen erblickten, in dem die Veresterung stattfindet. Das ist der chemische Prozess, in dem Fettsäuren und Alkohol erhitzt und zusammengefügt werden.

„Man kann dazu ruhig kochen sagen“, ermunterte Dr. Hinrich Hildebrandt die Besucher. Er ist im Loxstedter Chemiewerk zuständig für Sicherheit, Umweltschutz, Arbeitsschutz und Qualität. Was Emery Oleochemicals herstellt, wird in der Kunststoffproduktion verwendet. Zum Beispiel: ein Zusatz für durchsichtige Obstverpackungen, der das Beschlagen verhindert. „Die europäischen Kunden wollen sehen, was sie kaufen“, ließ Ellerbrake anklingen, dass die Anforderungen von Land zu Land unterschiedlich sein können. Die Produkte von Emery Oleochemicals basieren auf nachwachsenden Ölen und Fetten wie Kokos-, Soja- und Palmöl, aber auch Rapsöl und Talg.

Im technischen Entwicklungszentrum werden Zusatzstoffe nach Maß für verschiedene Anwendungen erfunden. „Die Kunden schildern uns ihr Problem, wir suchen die Lösung“, verdeutlichte Ellerbrake. Solche Maßanfertigungen nehmen zunehmend Raum ein in der Produktion in Loxstedt. Und das stimmt Geschäftsführer Ellerbrake sehr positiv, weil es die Bindung der Kunden ans Werk festige und die Zukunft der Firma absichere, die je zur Hälfte einer malaysischen und einer tailändischen Firma gehört und in Loxstedt 80 Mitarbeiter beschäftigt. Den Jahresumsatz im Loxstedter Werk bezifferte Ellerbrake auf 70 Millionen Euro.

30 Millionen Euro sind in den vergangenen Jahren in das Werk investiert worden. Unter anderem sind das neue technische Entwicklungszentrum und der Beading Tower gebaut worden. Der Turm trägt wie alles im Werk eine englische Bezeichnung, weil Englisch die Umgangssprache im Konzern ist. Der 42 Meter hohe Turm ist nach den Beads benannt, die dort produziert werden. Das sind Kügelchen, zu denen der wachsartige Ester sich nach dem Verrieseln im Fall verfestigt. Die Emery-Produkte können in fester, aber auch in flüssiger Form abgegeben werden.

Die Sicherheit des Werks war für die Besucher, die zum Teil aus Loxstedt kamen, von großem Interesse. „Weil wir nachwachsende Rohstoffe verwenden, ist eine Giftwolke bei uns nicht zu erwarten“, versicherte Ellerbrake. Wegen der Verwendung von Alkohol gebe es aber ein Explosionsrisiko. Das versuche man durch verschiedene Vorkehrungen auszuschließen. Nach dem Brand 2011 wurde besonders in den Brandschutz investiert. (fix)