Heuer-Quality-Manager Alexander Godejohann (rechts) zeigt Leser Edmund Frimmel, worauf bei der Qualitätskontrolle geachtet wird und ließ den Besucher bei der Temperaturprüfung selbst Hand anlegen. Foto Brocks
Heuer-Quality-Manager Alexander Godejohann (rechts) zeigt Leser Edmund Frimmel, worauf bei der Qualitätskontrolle geachtet wird und ließ den Besucher bei der Temperaturprüfung selbst Hand anlegen. Foto Brocks

Gelbe Bananen als Problem

Bremerhaven. Meterhoch stapeln sich Paletten mit Kisten voller Früchte – und Gabelstapler bringen immer neue aus Containern an ihren Platz: Mehrere hunderttausend Tonnen Obst und Gemüse werden bei Heuer Port Logistics jährlich umgeschlagen. Wie das funktioniert, erlebten 18 Leser der NORDSEE-ZEITUNG am Montag bei einer „NZ+Ich“-Aktion.

Mehr als 90 Jahre lang wurden Bananen aus Mittel- und Südamerika auf Kühlschiffen in Bremerhaven angelandet. „Ganz zu Anfang wurden die Bananen noch in Stauden aus den Schiffen geschleppt. Später hat man sie in Kartons verpackt“, erklärte Torben Kuhl, bei Heuer Leiter der Zollabteilung. Inzwischen aber fährt kein Kühlschiff mehr Bremerhaven an. Seit Februar werden die Bananen nur noch in Kühlcontainern an der Stromkaje umgeschlagen. „Rund 1000 Kartons mit Bananen kommen pro Woche bei uns an“, verriet Kuhl.

„Mittlerweile werden hier auch andere Güter umgeschlagen“, erklärte Kuhl – Holz etwa, oder auch einmal Autos. Doch das Hauptaugenmerk liegt noch immer auf Obst und Gemüse: In 15 klimatisierten Räumen ist Platz für Bananen, Zitrusfrüchte oder auch Frühkartoffeln. Die Früchte werden vor Ort geprüft. Die Mitarbeiter der Qualitätskontrolle müssen etwa zwischen unzähligen grünen Bananen die gelben Exemplare entdecken und aussortieren. „Die reifen Bananen dürfen nach EU-Norm auf keinen Fall in den freien Handel kommen“, betonte Kuhl. Das Problem: Schon eine reife gelbe Banane unter den grünen Exemplaren kann eine Kettenreaktion auslösen.

„Es darf im Raum nicht zu stark nach Banane riechen. Kartongeruch ist immer gut“, erläuterte Quality Manager Alexander Godejohann die Geruchsprüfung. Anschließend folgt eine Druckprüfung, im Zweifelsfall öffnen die Mitarbeiter einzelne Kartons, um die Früchte genauer zu begutachten. Auch die grünen Exemplare werden stichprobenartigen Kontrollen unterzogen. Damit sie sich kontrolliert entwickeln, werden sie zeitnah in eines der europaweiten Reifezentren gebracht. Von dort geht es dann in die Läden.
Die von Käufern gefürchtete Spinne finden die Prüfer eher selten: „Hundertprozentig ausschließen lässt sich das nicht“, sagt Godejohann. Doch die Früchte würden vor der Verladung gewaschen, beim Verpacken erneut kontrolliert. „Spinnen finden wir daher nur ganz selten, dann sind es auch nur kleine Exemplare“ – und die sind nach drei Wochen im Kühlraum meist tot.
„Der Rundgang war sehr informativ“, sagte Gerhard Schiwy, der sich für das Geschehen im Hafen interessiert. „Ich hatte vorher gar keine richtige Vorstellung davon, wie hier alles abläuft“, so der 68-Jährige. „Ich habe im Fernsehen mal einen Bericht gesehen. Aber vor Ort ist das noch interessanter“, sagt Edmund Frimmel. Auch Ehefrau Ulrike war beeindruckt: „Ich hätte nicht gedacht, dass das hier so eine riesige Fläche ist.“