"Die Schwierigkeit ist, von der Wasseroberfläche in die Rettungsinsel einzusteigen“, erklärt Thorsten Lieb (rechts), der acht „NZ+ICH“-Lesern das Falck Safety Services-Trainingszentrum zeigte.
"Die Schwierigkeit ist, von der Wasseroberfläche in die Rettungsinsel einzusteigen“, erklärt Thorsten Lieb (rechts), der acht „NZ+ICH“-Lesern das Falck Safety Services-Trainingszentrum zeigte. | Foto: Foto: Brocks

„Bloß nicht in Panik geraten“

Bremerhaven. Von allen Seiten strömt kaltes Wasser in die Hubschrauberkabine und nimmt die Luft zum Atmen. Plötzlich dreht sich alles um 180 Grad und die Besatzung sitzt kopfüber unter Wasser. „Zum Glück ist das nur eine Übung. Aber ich möchte da trotzdem nicht drinsitzen“, sagt Lutz Bock, der das Geschehen im Schwimmbecken von einer Empore verfolgt. Gemeinsam mit sieben weiteren NZ-Abonnenten konnte er sich bei einer „NZ+ICH“-Aktion im Trainingszentrum des Offshore-Dienstleisters Falck Safety Services umsehen.

„Wir bilden Menschen aus, die Offshore gehen, also das Festland verlassen“, erklärt Falck-Sprecher Karsten Engelbart – unter anderem im Überleben auf See, etwa nach einem Hubschrauberabsturz. Jeder Teilnehmer muss sich insgesamt siebenmal aus der sinkenden und sich zum Teil auch drehenden Kanzel befreien. „Viele denken, körperliche Fitness sei das Wichtigste. Das aber stimmt nur teilweise“, weiß Engelbart, der das Training selbst einmal absolviert hat: „Das Training ist psychisch eine unglaubliche Herausforderung.“ Zu wissen, dass man sich in wenigen Sekunden aus einem sinkenden Hubschrauber befreien muss – auch, wenn es sich nur um einen Simulator handelt – sei unglaublich belastend. „Das schlimmste ist, wenn man in Panik gerät. Dann handelt man unüberlegt und trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit die falschen Entscheidungen“, hat Engelbart beim Training am eigenen Leib erfahren. Er ist überzeugt: „Das Überleben auf See ist auch eine Kopfsache.“

Bei der Atmung unter Wasser soll das sogenannte Emerging Breathing System (EBS) helfen. Dabei handelt es sich um einen kleinen Luftsack, der kurz vor dem Eintauchen mit der eigenen Atemluft gefüllt wird. „Wenn man den verwendet, muss das Timing stimmen, sonst hat man keine Chance“, betont Lieb. Wer den Umgang mit dem EBS beherrscht, hat allerhöchstens Luft für zwei Minuten. Etwas mehr Atemluft spendet eine Miniaturpressluftflasche – aber auch diese hält nicht ewig: „Im Notfall muss man immer schnell reagieren und handeln“, betont Trainer Thorsten Lieb. In 40 Sekunden sollte sich jeder, der ein entsprechendes Training absolviert hat, aus einem sinkenden Hubschrauber befreien können.

Doch dabei gibt es einiges zu beachten: „Wenn man die Rettungsweste bereits im Hubschrauber aktiviert, hat man keine Chance mehr hinauszukommen“, erklärt Lieb. Eine Regel, die auch Flugzeugpassagiere beherzigen sollten. „Die Rettungsweste darf man zudem erst aktivieren, wenn man im Wasser ist.“ Zu hoch ist die Gefahr, sich bei einem Sprung aus großer Höhe mit aufgeblasener Weste das Genick zu brechen. „Solche Kleinigkeiten können lebensrettend sein“, betont Thorsten Lieb.

Am Ende erwartet die mutigen NZ-Abonnenten dann ein absolutes Highlight: Sie dürfen im Freifallboot Platz nehmen – und dann geht es ganz sicher ab in die Tiefe. „Eigentlich wollte ich gar nicht einsteigen. Ich bin auch kein Karussellfan“, sagt Kirsten Popenhausen. Dann aber habe sie sich doch überwunden: „Im Boot habe ich dann schon deutlich bewusster geatmet. Plötzlich ging es dann so rasch, dass ich nur noch ,O‘ gedacht habe“, verrät die 63-Jährige und lacht. „Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Aber ich möchte das nie im Ernstfall erleben!“ (akb)