den Katakomben der Humboldtschule sammelt Manfred Kandsorra (rechts) Fotos und Dokumente, die für die Schulgeschichte im Stadtteil Geestemünde von besonderer Relevanz sind.
den Katakomben der Humboldtschule sammelt Manfred Kandsorra (rechts) Fotos und Dokumente, die für die Schulgeschichte im Stadtteil Geestemünde von besonderer Relevanz sind. | Foto: Foto: Brocks

Erinnerung analte Schulzeiten

Geestemünde. „Oh, das bin ja ich!“, ruft Gisela Röttger und staunt. Während eines Vortrags von Manfred Kandsorra hat sich die 72-Jährige auf einem alten Klassenfoto entdeckt. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion stellte der ehemalige Lehrer der Humboldtschule elf Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG das Schulmuseum vor.

Seit nunmehr achtzehn Jahren betreut Manfred Kandsorra gemeinsam mit engagierten Schülern das Museum in den Katakomben der Schule. „Ursprünglich wurden die Schüler dazu verpflichtet mich zu unterstützen, weil sie Unsinn gemacht hatten“, erinnert sich Kandsorra. Doch den Jungen gefiel die Arbeit so gut, dass sie später freiwillig mithalfen.

Mit Originalmobiliar wurde ein historisches Klassenzimmer aus den frühen Jahren der Humboldtschule rekonstruiert. Dort werden Fotos und Dokumente gesammelt und archiviert, die für die Schulgeschichte im Stadtteil Geestemünde von besonderer Relevanz sind. „Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass aus unserer Sammlung mal ein Museum würde“, sagt Kandsorra, der auch viel über die Geschichte der Schule zu berichten weiß.

„Die Humboldtschule galt lange als Musterschule.“

„Im April 1930 wurde die Schule eingeweiht“, erzählt Kandsorra. Bis zum Baubeginn 1928 habe Architekt Dr. Wilhelm Kunz mehrfach umplanen müssen, um die Kosten zu reduzieren. „Eine geplante Aula zum Beispiel wurde damals vorerst gestrichen.“ Kunz habe, so lautete die Vorgabe des zuständigen Ministeriums, eine moderne Schule mit hellen Räumen für 16 Klassen entwerfen sollen. Entstanden sei ein moderner Zweckbau, der sich an den Prinzipien des Bauhaus-Stil orientiert.

„Die Humboldtschule galt lange als Musterschule.“ Gelobt wurde unter anderem die Turnhalle, die Vielzahl der Fach- und Nebenräume, aber auch die Einrichtung der Klassenräume. „Die Schüler mussten sich nicht mehr in fest installierte Holzbänke quetschen, sondern saßen zu zweit an einem Tisch auf eigenen Stühlen“, so Kandsorra.

Auf Fotos viele Lehrer entdeckt

NZ-Leserin Sabine Röttger (50) kennt Matnfred Kandsorra noch als Lehrer: „Ich kam hier 1977 in die Orientierungsstufe. Aber mit der Historie des Gebäudes haben wir uns damals nicht beschäftigt, daher fand ich die Aktion so interessant“, sagt die 50-Jährige. Auch Mutter Gisela Röttger hat einst die Humboldtschule besucht: „Ich bin hier immer gerne zur Schule gegangen und wollte mich hier noch einmal gerne umsehen. Auf den Fotos, die hier im Schulmuseum hängen, habe ich ganz viele ehemalige Lehrer entdeckt“ – und auf einem Bild eben auch sich selbst: „Das war vielleicht eine Überraschung!“, sagt Röttger und lacht.

„Hier kommen viele Erinnerungen an meine Schulzeit hoch“, sagte Uschi Winkler-Hering, die zwar eine andere Schule besuchte, aber dennoch vieles wiedererkannte: „Ich fand das wirklich interessant.“