Maik Johanns und Peter Mühlmann (zweiter und dritter von rechts) zeigten den NZ-Lesern Überlebensanzüge, Stiefel und allerlei Ausrüstungsgegenstände für Polarexpeditionen. Foto: Brocks
Maik Johanns und Peter Mühlmann (zweiter und dritter von rechts) zeigten den NZ-Lesern Überlebensanzüge, Stiefel und allerlei Ausrüstungsgegenstände für Polarexpeditionen. Foto: Brocks

Eine Kiste kann Leben retten

In der Ecke liegen Seesäcke und die Regale sind voll mit Hosen, Jacken, Überlebensanzügen und Stiefeln in allen Größen und Farben. Im Bekleidungslager der Elbe-Weser Werkstätten werden die Forscher des Alfred-Wegener-Instituts, die auf Expedition gehen, mit Kleidung und Ausrüstung ausgestattet. 22 Mitarbeiter mit und ohne Behinderung halten die Bestände in Schuss. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion haben sich acht Leser der NORDSEE-ZEITUNG dort und auch in der Lattenrostproduktion der Elbe-Weser Werkstätten umgesehen.

„Für die nächste ,Polarstern‘-Expedition ist schon alles bereit“, sagt Maik Johanns. Gepackt wird immer streng nach Ausrüstungsliste. So haben die AWI-Forscher bei Reisen in Arktis oder Antarktis etwa warme Mützen, dicke Handschuhe, spezielle Sonnenbrillen und nicht nur Wetterschutzhose und -jacke, sondern auch einen Überlebensanzug im Gepäck: „Der hält einen auch bei Temperaturen von minus 50 Grad noch schön warm“, weiß Mitarbeiter Peter Mühlmann, der bei der Präsentation ziemlich ins Schwitzen kommt. Neben gut gefütterten Schuhen für die alltäglichen Arbeiten gehören auch die an Mondstiefelerinnernden extrem warmen orangenen Stiefel für längere Arbeiten im Kalten zur Standardausrüstung.

Rund 700 Forscher werden eingekleidet

Große „Survival“-Kisten kommen ebenfalls mit an Bord. Sie sichern das Überleben von zwei Personen für fünf Tage. „Enthalten sind unter anderem Schlafsäcke, Isomatten, ein Zelt, Trockennahrung und ein Benzinkocher“, erklärt Johanns.

„Rund 700 Forscher werden hier pro Jahr eingekleidet“, sagt Johanns. Wenn die Forscher von ihren Reisen zurückkehren, kontrollieren die EWW-Mitarbeiter den Inhalt der Seesäcke, sorgen dafür, dass die Ausrüstung geflickt, gereinigt und eingelagert wird.

„Mir war nicht bewusst, wie aufwendig es ist, Polarforscher auszurüsten und was man alles beachten muss“, sagt NZ-Leserin Vera Ahrens. Sie staunte auch über die vielen unterschiedlichen Aufgaben: „Jeder macht das, was er am besten kann in der Geschwindigkeit, in der er es kann“

Einblick in die Lattenrostproduktion

Das gilt auch in der Lattenrostproduktion: 70 bis 80 Lattenroste für einen deutschen Großabnehmer fertigen die 48 Mitarbeiter hier täglich. Die Holzstreben werden angeliefert, die EWW-Mitarbeiter bohren, montieren und verpacken alles. „Uns geht es nicht nur darum, Lattenroste zu produzieren. Zu unseren Aufgaben gehört in allen Werkstätten auch die Förderung und Anleitung der Beschäftigten“, erklärt Werkstatt-Leiter Volker Suhrhoff. Im besten Fall werden die Mitarbeiter hier fit gemacht für den ersten Arbeitsmarkt.

„Unser Sohn arbeitet in der Lattenrostproduktion. Da wir noch nie hier waren, wollten wir die Werkstatt gerne kennenlernen“, sagt Anke Schmidt. Das Konzept der Werkstätten hat sie überzeugt: „Ich finde es gut, dass alle, die hier arbeiten, ein Selbstwertgefühl erlangen, Erfolgserlebnisse haben und abends zufrieden nach Hause gehen.“