Glan (von links) und Jeremy von den Philippinen berichten Christa Opitz, Gisela Bockelmann und Lothar Schmidt im „Seemannsclub Welcome“ an der Nordschleuse von der Arbeit auf einem Autotransporter. Foto Brocks
Glan (von links) und Jeremy von den Philippinen berichten Christa Opitz, Gisela Bockelmann und Lothar Schmidt im „Seemannsclub Welcome“ an der Nordschleuse von der Arbeit auf einem Autotransporter. Foto Brocks

Einblicke in die Arbeit der Seemannsmission

Bremerhaven. Es ist ruhig im Seemannsclub „Welcome“: Ein paar junge Männer mit Smartphones sitzen in den Sofaecken, andere spielen Billard oder Basketball, einer kuschelt mit Hund Sparky. Alltag im Seemannsclub an der Nordschleuse. Elf Leser der NORDSEE-ZEITUNG haben sich bei einer „NZ+Ich“-Aktion am Mittwoch dort und im Seemannsheim an der Schifferstraße umgesehen. Die Einrichtungen der Seemannsmission sind im fremden Hafen erste Anlaufstelle für Seeleute aller Nationen, Kulturen und Religionen.

„Wir wollen für Seeleute da sein, sie im Alltag unterstützen und ihnen das Leben erleichtern“, erklärte Pastor Werner Gerke bei der Führung durch das Seemannsheim. 36 Betten stehen hier in 26 Zimmern für Seeleute zur Verfügung: „Die Nachfrage ist nicht mehr so groß wie früher“, weiß Gerke. Im Seemannsheim verbringen die meisten nur noch eine Nacht, während sie auf das Schiff warten, auf dem sie angeheuert haben; oder auf ihren Flieger in die Heimat. Viele Seeleute kämen nur tagsüber, um einfach einmal abzuschalten. „Die meisten Schiffe liegen nicht länger als 24 Stunden im Hafen“, erklärt Gerke.

Brücken für die Seeleute

Die Mitarbeiter der Seemannsmission bauen Brücken für die Seeleute in Bremerhaven. Sie haben Zugang, wo andere nicht hinkommen, besuchen die Gäste aus aller Welt auch auf den Schiffen. Immer im Rucksack mit dabei: Zeitungen in unterschiedlichen Sprachen, Stadtpläne, und – ganz wichtig – Internet- und Telefonkarten, damit die Seeleute den Kontakt in die Heimat halten können. „Wir motivieren Seeleute auch mal von Bord zu gehen“, erklärt Gerke. Mit einem Shuttleservice oder Bussen der Mission geht es dann ins Seemannsheim oder in den Club „Welcome“.

An Bord nicht möglich: Viele Seeleute spielen auf dem Sportplatz am Seemannsclub gerne Basketball. Foto: Brocks
Viele Seeleute spielen auf dem Sportplatz am Seemannsclub gerne Basketball. Foto: Brocks

Rund 27500 Menschen sind jedes Jahr im Club „Welcome“ zu Gast, beim Besucher der NZ-Leser dagegen ist relativ ruhig. In den Sesseln sitzen einige Seeleute, sie blicken auf ihre Handys, reden über das Internet mit ihren Familien. „Die ganze Welt ist über Bildschirmen hier im Club“, sagt Diakonin Antje Zeller und lacht. Doch auch der Sportplatz und der Billardtisch sind beliebt, andere entspannen gerne im Garten oder ziehen sich in den Raum der Stille zurück.

„Viele Seeleute sind sehr gläubig“, weiß Zeller. Im Andachtsraum können sie ein Gebet sprechen, sich besinnen oder einfach die Stille genießen. Auch, wenn längst nicht mehr täglich eine Andacht abgehalten wird: „Der Wunsch nach Segen und Schutz für sich und die Familie ist bei Seeleuten groß“, sagt Gerke. Kleine Karten mit Gebeten seien bei den Seeleuten daher sehr gefragt.

„Viele Seeleute sind sehr musikalisch“, weiß Elisabeth Scheider, die seit zehn Jahren als Ehrenamtliche für die Seemannsmission im Einsatz ist. Viele Gäste nutzen daher die Gelegenheit, um Klavier oder Gitarre zu spielen, gemeinsam zu musizieren. „Dann merkt man ihnen ihre Freude an. Das sind die Momente, in denen man weiß, dass wir alles richtig machen.“

Einige Besucher könnten sich ehrenamtliche Arbeit vorstellen

„Ich finde die Arbeit der Seemannsmission ganz wichtig“, sagt Christa Opitz, deren Mann und Schwager selbst zu See gefahren sind. „Mein Mann hat mir immer erzählt, wie schön es für ihn war, wenn er irgendwo freundlich empfangen worden ist“, erinnert sich Opitz. Sie überlegt nun, sich ehrenamtlich einzubringen.

„Ich war erstaunt, dass so viele Seeleute aus unterschiedlichen Nationen hier sind“, sagt Elke Schmidt. Sie ist von der Atmosphäre im Club begeistert: „Man merkt, dass hier alle herzlich und freundlich willkommen geheißen werden.“ (akb)